Wer setzt sich in Töging durch?

Podiumsdiskussion der Kandidaten: Endspurt im Bürgermeisterrennen

Liefern sich einen Dreikampf um das Töginger Bürgermeisteramt (v.l.): Brigitte Gruber (FW), Dr. Tobias Windhorst (CSU) und Günter Zellner (SPD)
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Liefern sich einen Dreikampf um das Töginger Bürgermeisteramt (v.l.): Brigitte Gruber (FW), Dr. Tobias Windhorst (CSU) und Günter Zellner (SPD)

Töging – Dreikampf um das Amt des Bürgermeisters: Die drei Kandidaten stellten bei der Podiumsdiskussion in der Kantine ihre Ideen vor.

Über 300 Gäste waren in die Kantine nach Töging gekommen, um den Ausführungen der drei Kandidaten um das höchste Amt in der Stadt zu lauschen: Amtsinhaber Dr. Tobias Windhorst (CSU), Brigitte „Gitti“ Gruber (FW) und Günter Zellner (SPD)


Zu einigen großen Themenblöcken wurden die Ideen der Bürgermeisterkandidaten von Moderator Toni Brandl, Lokalredakteur des Alt-Neuöttinger Anzeigers, abgetestet. Wir fassen die Kernaussagen der Kandidaten jeweils kurz zusammen.

Kurzfristiger Bedarf an Kindergartenplätzen 

Hohes Interesse an der Töginger Bürgermeisterwahl: Volles Haus in der "Kantine".

Der Bedarf an Krippen- und Kindergartenplätzen wird mittelfristig im Landkreis Altötting steigen. Wir brauchen einen vierten Kindergarten“, ist sich Windhorst anhand der Zahlen sicher. Zellner, aktuell dritter Bürgermeister, dagegen kritisiert diese Vorgehensweise. „Wir haben die letzten Jahre immer gehört, alles ist in Ordnung“, bemängelt der SPD-Kandidat fehlende Transparenz und Weitsicht. Er habe die Kindergartenleitungen direkt angesprochen, die große Probleme ab September befürchten und keine weiteren Kinder aufnehmen könnten. Es müsse jetzt auf dieses Problem reagiert werden. Der Neubau wäre erst in ein paar Jahren fertig.


In diesem Punkt stimmt Windhorst seinem Kontrahenten zu und hat auch schon eine Lösung parat: „Zum Glück werden wir dank der Kirchenverwaltung St. Josef ab September 20 weitere Plätze haben. Das haben wir letzte Woche ausgemacht. Das weiß noch nicht mal der Stadtrat“.

Dies sei für Gruber, aktuelle Stadträtin, eine erfreuliche Nachricht. Für den Neubau wäre ein Inklusions-Kindergarten eine mögliche Option. Dennoch sieht sie Verbesserungspotential: „In der Stadt muss es wieder eine zentrale Stelle geben, über die alle Anmeldungen laufen. Das führe bei vielen Eltern zu Anmeldungen bei allen Krippen, jedoch melden sie sich nicht wieder ab und die Plätze bleiben blockiert“.

Unterschiedliche Auffassungen zum Thema Schule

„Wir haben die letzten Jahre vor allem in die Gebäude und technische Ausstattung investiert. Ich glaube, es wäre auch mal nötig in die Köpfe der Schüler zu investieren“, fordert der aktuelle dritte Bürgermeister. Dafür wolle er gemeinsam mit den Lehrern ein Konzept erarbeiten, als Beispiele nennt er neue Lernmethoden, Projektarbeit oder Exkursion. Insgesamt 500.000 Euro in sechs Jahre soll die Stadt dafür zahlen. „Das sollte es uns wert sein“, so Zellner.

Gruber dagegen will den Fokus auf eine größeres Angebot in der Mittagsbetreuung setzen. „Es werden mehr Schüler, immer mehr benötigen eine Mittags- oder Ganztagsbetreuung. Da muss die Stadt ohne Wenn und Aber mehr Personal einstellen. Das ist ein ganz wichtiges und großes Ziel“, so die FW-Kandidatin.

Der amtierende Bürgermeister stimmt Frau Gruber zu, spricht sich jedoch gegen den Vorschlag von Zellner aus. „Unser Job sind Gebäude und Jugendsozialarbeit, nicht etwa ein pädagogisches Konzept. Das ist nicht die Aufgabe der Stadt“, so Windhorst.

Jugendtreff gescheitert

Gruber kritisiert im Zusammenhang mit dem Jugendtreff die wenigen Öffnungszeiten. Zudem seien diese auch noch zeitgleich zur Schule, sodass die Zielgruppe den Jugendtreff gar nicht wahrnehmen könnte. „Wenn wir die Öffnungszeiten nicht anpassen oder zusätzliche Veranstaltungen organisieren, sehe ich ganz schwarz“, so Gruber.

Die Kosten für den Jugendtreff seien bei 22.000 Euro jährlich. „Die Besucherzahlen liegen zwischen einer und sechs Personen. Wir haben dieses Projekt probiert und es hat nicht funktioniert“, so Windhorst. Um die Jugend in Zukunft besser zu erreichen, wolle der Bürgermeister diese Summe lieber in die Jugendsozialarbeit an Schulen investieren, denn da müsste die Zielgruppe anwesend sein.

„Die Herausforderung ist, die Jugend von den sozialen Brennpunkten weg zu bekommen. Ich würde für ein Konzept plädieren, sowohl stationär als auch aufsuchend“, so die Forderung von Zellner. Man müsse die Interessen der Jugendlichen aufgreifen und zwar an den Orten, wo sie sich aufhalten. Ziel müsse es sein, dass das Jugendtreff von den Jugendlichen selbst verwaltet wird.

Enorme Kostensteigerung Sanierung Wolfgang-Leeb-Straße

Zur Frage eines Bürgers, wie es sein kann, dass die Kosten der ursprünglich veranschlagten 330.000 Euro für die Sanierung der Wolfgang-Leeb-Straße am Ende auf 1.280.000 Euro gestiegen sind, räumte Windhorst ein: „Das ist klar, dass wir da geschimpft werden. Die Straße war jedoch in einem schlechteren Zustand als wir gedacht haben. Wenn wir mit einer höheren Summe kalkuliert hätten, wäre es vermutlich kein Problem gewesen.“ Als Konsequenz wird die Stadt größere Maßnahmen über Ingenieurbüros laufen lassen. Die Gesamtkosten seien damit etwas höher, allerdings wisse man dann mit welchen Betrag die Stadt rechnen könnte.

Es sei laut der aktuellen Stadträtin eine unglaubliche Kostensteigerung. Sie kritisiert in diesem Kontext die schlechte Kommunikation und fehlende Transparenz. Die Kontrollaufsicht hätte der Stadtrat in diesem Fall nicht verletzt. „Man kann doch nicht nur sagen, dass es ein Fehler war und die Stadt daraus gelernt hätte. Das ist mir zu einfach“, so die FW-Kandidatin.

Zellner konkretisiert diese Kritik. Man habe Monate lang nichts gehört, ehe es plötzlich hieß, es koste mehr. „Man muss die zuständigen Gremien in die Baumaßnahme involvieren“, so der SPD-Kandidat. Es sei Granit für 110.000 Euro verwendet worden, die nicht notwendig gewesen wären. Im November lag der Preis noch bei 1.100.000 Euro, vier Monate später heißt es plötzlich, man habe sich verrechnet. „Darüber wurden wir auch nicht informiert. Das kann einfach nicht sein“, ärgert sich Zellner.

Pläne für das alte Polizeigebäude

Einig sei sich der Stadtrat, dass wir dort etwas tun müssen. „Wir sind uns aber nicht einig, was“, so der SPD-Kandidat. Sein Plan wäre dort mithilfe eines Investors das Heimatmuseum und die Bücherei in einem Neubau unterzubringen. Diese würden dort auch hingehören, nämlich in die Nähe des Rathauses. Die Bürger könnten am Rathausplatz Bücher lesen und mit Gästen der Stadt könnte man schnell in das Museum gehen, um ihnen etwas über die Geschichte der Stadt zu zeigen.

Gruber dagegen sieht an diesem Platz ein Restaurant: „Ich sehe darin das Potential unseren schönen Rathausplatz zu beleben“. Zusätzlich könnten Hotelzimmer oder ein Veranstaltungszimmer in dem Gebäude integriert werden.

Der amtierende Bürgermeister sieht in Zellners Vorschlag einen Nachteil, da man diese Gebäude nur verlagern würde. Dafür müsste man auch noch etwas zahlen. „Einen Investor schließe ich an diesem Platz aus. Das gehört in städtische Hand“, so Windhorst. Gegen eine Belebung würde seiner Meinung nach nichts sprechen. Allerdings seien die Fraktion erst in der Anfangsphase der Ideenfindung.

jz

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