Heimatforscher im Alter von 78 Jahren verstorben

Große Trauer um Josef Steinbichler in Töging und der Region

Große Trauer um Josef Steinbichler in Töging und der Region
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Seine Heimatstadt Töging und Heimatforscher aus der ganzen Region werden Sepp Steinbichler und seinen trockenen Humor vermissen

Töging -  Am vorausgegangenen Mittwoch verstarb Josef Steinbichler im Alter von 78 Jahren in Töging unerwartet an einem Herzinfarkt.

Groß ist die Trauer über den plötzlichen Verlust aber nicht nur in seiner Familie, sondern seine Heimatstadt Töging und Heimatforscher aus der ganzen Region werden Sepp Steinbichler und seinen trockenen Humor vermissen, der jederzeit eine hintergründige Geschichte auf Lager hatte. Am gestrigen Freitag konnte seine Urne auf dem Töginger Friedhof wegen der Pandemie-Beschränkungen nur im kleinen Kreis beigesetzt werden.


Denn neben seinem Beruf, in dem er für die Deutsche Bahn zunächst in seiner Heimatstadt Töging und dann in Mühldorf tätig gewesen ist, war er vor allem auch eine Integrationsfigur für die Lokalhistoriker der beiden Nachbarstädte. Während er bei der Bahn als Staatsbediensteter in dem sich privatisierenden Konzern zwar ein sicheres Auskommen aber wenig Einflussmöglichkeiten hatte, fand Sepp Steinbichler im Mühldorfer Heimatbund einen geeignete Ort, um seinen Tatendrang zu kanalisieren.

In der traditionellen Bahnerstadt gab er über ein Vierteljahrhundert lang das Mühlrad heraus und redigierte andere ortsgeschichtliche Bücher mit. Am 15. November 1989, fast auf den Tag genau 31 Jahre vor seinem plötzlichen Tod, war er auch bei der Gründung des Töginger Heimatbundes am 15. November 1989 dabei. Allerdings übernahm er dort erst 2004 als stellvertretender Vorsitzender eine führende Funktion.


Von 2014 bis zum Anfang dieses Jahres war er sogar dessen Vorsitzender und hatte in dieser Zeit den Verein entscheidend vorwärts gebracht. So kämpfte er bis 2011 schlussendlich erfolgreich für die Errichtung des Heimatmuseums über der Töginger Stadtbücherei. Eine wertvolle Sammlung historischer Funde und Quellen, die für alt und jung interessant sind und deren Zugänglichkeit ihm jederzeit ein Anliegen war.

Auch seine historischen Beiträge im „Töginger Stadtblattl“ erschienen zuverlässig monatlich, waren wohl vorbereite und wurden daher von den Geschichtsinteressierten aufmerksam verfolgt. Die nächsten hatte er sogar schon vorgefertigt und diese werden auch noch erscheinen, wie seitens des Heimatbundes zu vernehmen war.

Wegen all dieser Verdienste um seine Heimatstadt hatte sich der Stadtrat im Januar dieses Jahres sogar in nichtöffentlicher Sitzung mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, dem nun verstorbenen die Bürgermedallie zu verleihen. Wegen der Corona-Pandemie konnte ihm diese Ehre nun aber nicht mehr zu Lebzeiten zuteil werden: 2020 konnte keine Bürgerversammlung stattfinden, die normalerweise den würdigen Rahmen für solche Verleihungen bildet.

Aus der Begründung, warum der Verstorbene die Bürgermedallie erhalten sollte, erfährt man auf mehr als zwei Seiten, dass er die Geschichte seiner Heimatstadt Töging wie kaum ein Anderer kannte. Davon überzeugen konnte man sich unter Anderem zu den Öffnungszeiten des Heimatmuseums, bei seinen öffentlichen Vorträgen, bei Ausflügen des Heimatbundes oder Kirchenbesichtigungen in der Region, die Sepp Steinbichler teils mit kirchlicher, teils mit volkstümlicher Musikuntermalung organisiert hatte.

Vermissen wird man daher künftig die Hingabe und den hinterkünftigen Humor, mit denen Josef Steinbichler so manchen hoch bezahlten Entertainer in den Schatten gestellt hätte, wobei er alleine mit Anekdoten aus Töging und Umgebung aus dem Stehgreif heraus ganze Abende zu füllen wusste.

pbj

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