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Funktioniert ÖPNV nur da, wo es die Bahn gibt?

ÖPNV auch in Altötting entwicklungsfähig - erste Maßnahmen sollen künftig greifen

Laut einem Leser ist das 9-Euro-Ticket nur dort sinnvoll, wo es auch einen Bahnhof gibt.
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Klappt ÖPNV wirklich nur da, wo es auch eine Bahn gibt?

Ulrich Ewald aus Töging beschäftigt sich stark mit dem Thema ÖPNV. Er befürchtet, dass es in ländlichen Regionen einfach zu kompliziert ist, auf Bus und Bahn umzusteigen. Was sagt das Busunternehmen Brodschelm dazu?

Töging, Landkreis Altötting – „Die Idee hinter dem 9-Euro-Ticket ist nicht schlecht“, beginnt der Leserbrief von Ulrich Ewald aus Töging. Er reagierte auf einen Artikel von innsalzach24.de, bei dem überlegt wurde, ob ein Komplett-Umstieg auf den ÖPNV im Landkreis Altötting möglich sein könnte. „Deutschland ist, was den ÖPNV angeht ein Entwicklungsland“, stellt er fest. Insbesondere im Bereich Fahrpläne und Tarife sowie der fehlenden Verknüpfung von Verkehrsunternehmen sieht Ewald dringend Handlungsbedarf.

Manuel Brodschelm vom gleichnamigen Burghauser Busunternehmen begrüßt die Einführung des 9-Euro-Tickets, und hofft auf positive Langzeiteffekte: „Aufgrund der kurzfristigen Einführung und Begrenzung auf drei Monate ist einiges noch intensiv zu hinterfragen. Bezüglich der gewünschten Verkehrswende werden die langfristigen Auswirkungen des 9-Euro-Tickets unserer Meinung nach, im politischen Raum noch zu erheblichen Diskussionen führen“, sagt er.

Am Beispiel Altötting: Zu wenig Busse im ländlichen Raum

Ewald bemängelt, dass die meisten Busverbindungen nur bis 19 Uhr fahren: „Wenn man in einen kleineren Ort will, dann muss man das Auto nehmen.“ Auch Pendler seien davon betroffen. Sie würden zwar drei Monate lang Kosten für die Monatskarten einsparen, doch sonst würde sich nichts ändern. “Wenn maximal fünf Busse am Tag fahren, dann nützt das nur wenigen. Da müsste man erst mal ansetzen, und erheblich bessere Verbindungen schaffen“, schlägt Ulrich Ewald vor. Manuel Brodschelm sieht die Möglichkeit, dass durch das 9-Euro-Ticket Überlegungen entstehen könnten, die zu Veränderungen im ländlichen Raum führen könnten. „Gerade bei flexiblen Bedienformen bieten sich einige schnelle und einfache Möglichkeiten und finden immer mehr Anklang. Unserer Meinung nach sollte der Verkehr als Gesamtes betrachtet werden, und keine Trennung zwischen ÖPNV, Schienenverkehr und anderen Bedienformen wie zum Beispiel Carsharing vollzogen werden.“

Ein Konzept für den Landkreis Altötting: Mehr Information, mehr ÖPNV-Kunden?

Ewald betont, dass Fahrpläne und Routen besser kommuniziert werden sollten. Das Busunternehmen Brodschelm wirbt derzeit mit Flyern, Fahrplänen, Aushängen und digitaler Auskunft. Auch über eine App, Internetpräsenz und die sozialen Medien wird informiert, dennoch sind viele Busse leer. „Gerne nehmen wir hier auch Anregungen entgegen, wie wir die Bekanntmachung effektiver gestalten könnten“, fügt Brodschelm hinzu.

Solange es so kompliziert ist, steigt so schnell keiner komplett auf den ÖPNV um. Auch wenn der Kraftstoffpreis hoch ist. Das 9-Euro-Ticket ist ja ein netter Versuch, aber es wird ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben: Vor allem auf dem Land und ausserhalb der Eisenbahnstrecken.

Ulrich Ewald

Wären überregionale Verkehrs- und Tarifverbünde für den ÖPNV im Landkreis Altötting eine Lösung?

Ewalds Ansicht nach, wäre das wichtigste ein landkreis- oder bundesweit übergreifender Verkehrs- und Tarifverbund zwischen Zügen und Bussen, „so dass man in drei Monaten – nach dem 9-Euro-Ticket – nicht wieder x-verschiedene Fahrkarten benötigt.“ Ewald führt als Beispiel die Schweiz und Österreich an. Manuel Brodschelm hält dagegen, dass das eigene Unternehmen bereits in Verkehrsgemeinschaften zusammenarbeite, und dies auch innerhalb der Planungsregion 18, welche die Landkreise Altötting, Mühldorf, Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim einschließt. Auch preislich werde sich abgestimmt. „Wir, als Verkehrsunternehmen sind in Gesprächen mit den Aufgabenträgern, um eine Tarifeinheit herzustellen. Ein wichtiger Schritt wäre die Tarifintegration des SPNV (Schienenpersonennahverkehr), diese würden wir ausdrücklich begrüßen“, sagt Brodschelm. „Als Marktteilnehmer würden wir einen überregionalen ländlichen Verbund für die Region 18 befürworten!“

Aktuell haben die Busunternehmen aber mit weiteren erheblichen Problemen zu kämpfen. So führt Personalmangel zu Engpässen, gerade im Nacht-, Wochenend-, Ferien- und Feiertagsdienst. „Außerdem fehlt die Einigung zwischen dem Bund, den Ländern und den Kommunen zur Finanzierung des ÖPNV in Bayern“ führt Brodschelm an. Dies sei eines der größten Hindernisse, welche Erweiterungen des Angebots erheblich erschweren.