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Schulalltag in Krisenzeiten

Maskenpflicht, Homeschooling und Flüchtlinge: Für Töginger Schulleiter „eine positive Herausforderung“

Der Töginger Rektor Manfred Putz erlebt an seiner Schule, dass die meisten Schüler freiwillig weiterhin die Maske tragen.
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Rektor Manfred Putz erlebt an seiner Töginger Schule, dass die meisten Schüler freiwillig weiterhin die Maske tragen.

Es gibt Medienberichte über Lehrer, die den Dauerdruck an den Schulen nicht mehr aushalten und sogar ihren Beamtenstatus aufgeben. Angeblich haben die Pandemie, mit ihr die Maskenpflicht und die Homeschooling-Phasen, alle Beteiligten an die äußerste Grenze gebracht. Dass die Belastung für Eltern, Lehrer und Schüler massiv ist und war, das bestätigen die Informationen, die innsalzach24.de einholen konnte.

Töging/Altötting - Rektor Manfred Putz hat gerade gut gegessen. Er ist sogar „richtig pappsatt“, wie er innsalzach24.de berichtet. Denn seine neuen ukrainischen Flüchtlingskinder haben an der Comenius-Mittelschule in Töging gekocht. Es gab deftiges Reisfleisch mit exotischen Gewürzen und als Nachtisch ein zuckersüßes Gebäck mit „gefühlt mehreren tausend Kalorien“, so Manfred Putz lachend. Der Kochkurs mit den Flüchtlingskindern ist ein voller Erfolg. Mehr noch: Ein bayerisch-ukrainisches Kochbuch ist in Planung.

Diese Episode aus dem Schulalltag im Landkreis Altötting demonstriert ganz gut, wie die aktuelle Lage ist. Viele Flüchtlingskinder und -Jugendliche aus der Ukraine sind gerade im Klassenverbund aufgenommen worden. Es gibt neue „Willkommensklassen“. Mehrere Neuankömmlinge werden noch erwartet. Ehrenamtliche BetreuerInnen und Lehrkräfte für Deutsch werden spontan hinzugezogen und/oder neu eingestellt.

Interessenten können sich beim Kultusministerium bewerben, um Flüchtlingen zu helfen

Laut Kultusministerium des Freistaats Bayern „sind bereits mehrere tausend Kinder und Jugendliche an den Schulen in Pädagogischen Willkommensgruppen, Regelklassen oder Klassen zur Sprachförderung aufgenommen worden.“ Für Personen, die dabei helfen möchten, die geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine zu beschulen, hat das Kultusministerium ein Registrierungsportal eingerichtet.

Als Außenstehender könnte man sich fragen, wie das alles zu bewältigen ist. Seit 2. April 2022 sind fast alle Corona-Beschränkungen gefallen. Aber an den Schulen wird weiter fleißig getestet. Die Inzidenzen sind so hoch wie zu Anfang der Pandemie 2020. Immer wieder wandern Schüler in Quarantäne. Zwei Jahre Pandemie liegen hinter den Lehrkräften - mit Homeschooling-Intervallen. Die Testpflicht und die Maskenpflicht verlangten Schülern und Lehrern deutlich mehr ab als üblich. Und jetzt, da die Pandemie ausläuft, kommen die Flüchtlinge.

Wie soll man das alles schaffen? Rektor aus Töging nimmt Herausforderung an

„Die Aufnahme der Schülerinnen und Schüler aus dem Kriegsgebiet der Ukraine ist für mich und unserer Lehrer eine großartige Herausforderung, die vielen Chancen mit sich bringt“, sagt Manfred Putz. Auch die meisten Schulleiter, mit denen er in Kontakt stehe, „sehen diese neue Situation nicht vorwiegend als Problem“. Auch wenn es in der Bevölkerung andere Meinungen gebe.

Willkommensklasse in Prien: Die Lehrer Olga Borovskykh und Thomas Graf Grote (beide rechts) fungieren als Dolmetscher.

Gerade wird von der Regierung von Oberbayern eine Lehrkraft aus der Ukraine fest angestellt, die laut Putz in Töging auch dringend benötigt wird: „Sie hat die Qualifikationen. Auf das Führungszeugnis verzichten wir. Dass wir sie gefunden haben, war ein glücklicher Zufall.“ Kontakte und der Flurfunk spielen eine wichtige Rolle.

Und der Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen macht auch vor Töging nicht halt. „Das ist ein Problem, mit dem wir kämpfen müssen“, weiß Putz. Dazu gesellen sich einzelne Burnout Fälle - an verschiedenen bayerischen Schulen - und turnusmäßige Pausen von Lehrerinnen, die in Mutterschutz bzw. Elternzeit gehen. „Aktuell stehen leider nicht immer Mobile Reserven in ausreichender Zahl zur Verfügung“, so Manfred Putz. Deshalb müssen oft Unterrichtsstunden ausfallen.

Kultusministerium in München schickt Mobile Reserve - Gewaltiger Personalbedarf

Dem widerspricht das Kultusministerium in München: „„Auch die Mobile Reserve und die Integrierte Lehrerreserve haben wir zu Schuljahresbeginn nochmals deutlich ausgebaut. Um Unterrichtsausfall möglichst zu vermeiden, werden u. a. an Grund- und Mittelschulen die Lehrkräfte der Mobilen Reserve eingesetzt. Ist eine Lehrkraft, z. B. aufgrund einer langfristigen Erkrankung, zu vertreten, so übernimmt das jeweilige Staatliche Schulamt die Koordinierung der Vertretungseinsätze und weist die Mobilen Reserven der entsprechenden Schule zu.“

Der Personalbedarf - gerade an Grund- und Mittelschulen - ist offenbar riesengroß. So steht mit dem bereits zum Schuljahr 2020/21 geschaffenen Modell der Team-Lehrkräfte ein neues Instrument bereit, um Unterrichtsausfall zu vermeiden. Team-Lehrkräfte unterrichten in der Regel in Zusammenarbeit mit einer Stammlehrkraft (z. B. der schwangeren Lehrkraft zu Hause, die pandemiebedingt Beschäftigungsverbot hat) den vorgesehenen Unterricht. Das Kultusministerium hat hierfür auch für das aktuelle Schuljahr 2021/2022 rund 800 Stellen zur Verfügung gestellt.

Kündigen Beamte ihre Stellung, weil der Druck insgesamt zu hoch wird? Das sagt das Kultusministerium

„Die Gründe für eine Antragstellung (zur Entlassung aus dem Beamtenverhältnis, Anm. d. Red.) liegen meist im privaten Bereich, z.B. Umzüge in andere Länder. Ein signifikanter Anstieg von derartigen Anträgen auf Ausstieg aus dem Staatsdienst ist nicht erkennbar.“ Laut KM-Pressesprecherin Stephanie Neumeier gibt es im Schnitt im Gymnasial- und Realschulbereich pro Jahr jeweils zehn, im FOS/BOS-Bereich circa drei Entlassungsanträge.

Wenn man die Website des Staatlichen Schulamts Altötting aufruft, springt sofort der Aufruf „Personal gesucht!“ ins Auge. Explizit „Ukrainisch sprechende Pädagogen“ sollen sich melden. Das zum Beispiel läuft in Töging wie am Schnürchen. Manfred Putz: „Wir haben viele Mitbürger, die aus Ländern der früheren Sowjetunion stammen und Russisch oder auch Ukrainisch sprechen.“ Von ihnen werden viele als ehrenamtliche Helfer und Deutschlehrer rekrutiert. In fast jeder Klasse der Comenius Grund- und Mittelschule sitzt mindestens ein Kind aus einer russlanddeutschen Familie.

Aktuell sind an der Comenius Grundschule in Töging acht Flüchtlingskinder und an der Mittelschule ebenfalls acht ukrainische Jugendliche eingeschrieben. „Es werden voraussichtlich noch mehr“, so Putz. Davor ist im ihm nicht bange. Doch er braucht genügend Lehrkräfte und Unterstützer.

Eindringlicher Aufruf, sich zu bewerben: Website des Staatlichen Schulamts Altötting.

Warum wollen so wenige Studenten Grund- und Mittelschullehrer werden? Für Putz ist „Hauptgrund die schlechtere Bezahlung“. Verbeamtet würden diese vielseitigen Lehrkräfte zwar größtenteils auch, „aber bei A12 ist bei der Besoldung Schluss bis zum Karriereende“. Putz plädiert dafür, „die Besoldung für alle Schularten einheitlich zu gestalten“, damit mehr potenzielle Lehrer diesen Studiengang wählen.

Schulleiter der FOS-BOS InnSalzach: „Notenmachen ist Herausforderung geworden“

OStD Rudolf Geier, Schulleiter der Beruflichen Oberschulen InnSalzach erklärt, „dass der Druck, die vorgeschriebenen Noten zu machen, zur Überlastung vieler Lehrer während der Pandemie geführt hat“. Denn der Unterrichtsstoff konnte nur bedingt vermittelt werden und der Distanz-Unterricht erschwerte die Situation zusätzlich.

Das Kultusministerium spricht auf Nachfrage von innsalzach24.de davon, „dass Leistungsnachweise durch eine Ersatzprüfung ersetzt werden“ können. Eine „Flucht der Beamten“ vor dem hohen Druck der Pandemie-Situation kann Rudolf Geier „weder erkennen noch bestätigen“.

-rok-

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