Höcketstaller verlässt den Stadtrat

"Entscheidung muss niemand verstehen"

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Bastian Höcketstaller will den Töginger Stadtrat verlassen
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Töging - Es war der größte Paukenschlag einer denkwürdigen Stadtratssitzung: SPD-Fraktionssprecher Bastian Höcketstaller kündigte seinen Rückzug aus dem Stadtrat an.

Nach der Ansprache Bastian Höcketstallers waren alle Anwesenden ein wenig sprachlos, manche waren sogar sichtlich gerührt. Kein einziges Mitglied des Töginger Stadtrats hätte wahrscheinlich auch nur im Entferntesten damit gerechnet, dass sich der Sprecher der SPD-Fraktion aus dem Stadtrat zurückziehen will - und das auch noch nur ein knappes Jahr nach der letzten Wahl. Höcketstaller wählte in seiner Ansprache die dazu passenden Worte: "Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Entscheidung muss niemand verstehen, ich bitte aber darum, sie zu akzeptieren und meinem Antrag zu entsprechen."

2014 "gerade einmal" 107 Veranstaltungen besucht

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Stadtratssitzung finden Sie hier!

"Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber wenn man merkt, dass man nicht mehr so kann, wie man will - kommunalpolitisch gesehen -, dann muss man überlegen, ob nicht der Zeitpunkt gekommen ist, abzutreten", erklärte Höcketstaller. Für ihn sei immer klar gewesen, dass 2020 "mein Name nicht mehr unter den Kandidaten zu finden sein wird". Sowohl vor der Wahl als auch im Wahlkampf oder im letzten Jahr sei er damit offen umgegangen. Dass es mit seinem Rückzug sogar schon um einige Jahre früher soweit ist, begründete der SPD-Politiker damit, dass er sein Mandat nicht mehr so ausüben kann, wie er das von sich selbst erwartet.

In den Jahren 2011 bis 2013 habe er noch zwischen 230 und 270 Veranstaltungen besucht und Termine wahrgenommen. 2014 seien es "gerade einmal" 107 gewesen. "Sicherlich ist es nicht zwingend notwendig, all diese Termine wahrzunehmen, sicherlich wird das auch nicht von allen erwartet, aber ich erwarte das von mir in diesem Amt und ich finde, die Töginger dürfen das als Zeichen der Wertschätzung von jedem einzelnen von uns auch erwarten."

Zwei Stunden Parkbank für einen Bebauungsplan

Höcketstaller stellt augenscheinlich höchste Ansprüche an sich selbst. Wie er am Donnerstagabend weiter schilderte, habe er sich bislang bei jedem Thema selbst ein Bild vor Ort gemacht. Beim Bebauungsplan gegenüber dem Friedhof habe er zwei Stunden auf eine Parkbank gesessen und sich vorgestellt, wie es dort künftig aussieht. "Und genau das ist auch wichtig: Bei jeder Entscheidung, die wir hier treffen, geht es um Einzelschicksale und gleichzeitig um die Zukunftsentwicklung unserer Stadt", erklärte der SPD-Politiker. Da dürfe man erwarten, "dass wir bestmöglich informiert und objektiv abwägend unsere Entscheidungen treffen".

Knapp 13 Jahre ist Höcketstaller nun schon Stadtrat, damit sind nur drei aktuelle Stadträte länger dabei. Rückblickend bezeichnete Höcketstaller die Zeit im Gremium als "schön" und dankte etlichen Weggefährten: Seinem ersten Fraktionsvorsitzenden Erwin Schmitzberger, Altbürgermeister Horst Krebes sowie Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, den Stadtratsfraktionen, insbesondere CSU-Stadtrat Stefan Grünfelder ("meinem Lieblings CSUler"), sowie den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, namentlich Kämmerin Gerda Löffelmann, sowie seiner Frau. Wie Höcketstaller am Freitag gegenüber unserer Redaktion sagte, habe seine Frau vorher von seiner Entscheidung gewusst. Am Donnerstagabend hatten dies einige Zuhörer noch anders verstanden.

Welcher SPD-Politiker rückt nun nach?

Abgesehen von seiner Frau waren aber tatsächlich nur sehr wenige eingeweiht gewesen. Selbst die SPD-Fraktion und den Bürgermeister informierte Höcketstaller offenbar erst relativ kurz vor der Sitzung. "Das ist eine legendäre Sitzung", sagte ein fast schon sprachloser Bürgermeister. Windhorst kündigte an, sich in der kommenden Sitzung ausführlicher zu Höcketstallers Abschied zu äußern. Günter Zellner (SPD) äußerte sein Bedauern: "Ich glaube, dass nicht nur der SPD-Fraktion, sondern dem gesamten Stadtrat und der Stadt Töging Qualität verloren geht."

Höcketstallers Antrag, von seinem Mandat entbunden zu werden, wird in der kommenden Sitzung auf der Tagesordnung stehen. Entspricht der Stadtrat Höcketstallers Wunsch, wird ein Kandidat von der Liste der SPD nachrücken. Nach Auskunft Höcketstallers ist Hans Werner-Bauer der erste Nachrücker. Zweiter Nachrücker wäre Marco Harrer, Ortsvorsitzender der Töginger SPD.

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