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Konflikt um Lärmschutz für Anwohner von Raketenantriebs-Tests in Reischach

„Wir warten gespannt auf das Ergebnis dieser Untersuchungen und was dann entschieden wird“

Auf diesem Bauernhof werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung.
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Auf diesem Bauernhof werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Die Firma Isar Aerospace testet in Reischach Raketenbauteile. Anwohner beklagen dabei eine, ihrer Ansicht nach, unverhältnismäßige Lärmbelastung. Schon seit über einem Jahr laufen nun Untersuchungen des Landratsamts für eine mögliche Fortführung der Genehmigung der Tests.

Reischach - „Das überarbeitete schalltechnische Prognosegutachten des im Rahmen des immissionsschutzrechtlichen Verfahrens beauftragten Gutachters liegt mittlerweile vor. Nach Prüfung und Bewertung des Fachbereichs Umwelttechnik am Landratsamt kann eine Entscheidung über den eingereichten Genehmigungsantrag zum Betrieb des Gasgeneratorenprüfstandes getroffen werden. Das Landratsamt ist unverändert bestrebt, das Verfahren zeitnah abzuschließen.“, berichtet Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting gegenüber innsalzach24.de. Ein genauer Zeitpunkt könne aber noch nicht genannt werden.

„Wir warten gespannt auf das Ergebnis dieser Untersuchungen und was dann entschieden wird“, betont Bernhard Oberhauser, ein Anwohner des Test-Standorts von Isar Aerospace in Reischach. Er und andere Betroffene beklagen eine unzumutbare Lärmbelastung (Plus-Artikel innsalzach24.de). „Da bebt die Luft. Das schallt von allen Seiten. Das ist unglaublich.“ Hinzu komme, dass im Vorfeld keiner der Anwohner informiert worden wäre.

Ottobrunner Firma Isar Aerospace testet Raketenkomponenten in Reischach - Anwohner beklagen Belastung durch Lärm

Die Firma Isar Aerospace Technologies GmbH entwickelt und baut Trägerraketen für den Transport von kleinen und mittleren Satelliten (Plus-Artikel rosenheim24.de). „Dabei bieten wir die erste rein privat-finanzierte europäische Trägerrakete für kleine bis mittlere Nutzlasten an, um den weltweit wachsenden Bedarf zu decken“, so das Unternehmen. Gegründet 2018, ist das Unternehmen inzwischen auf über 180 Mitarbeiter aus rund 30 Nationen gewachsen. „Den ersten Testflug unserer ‚Spectrum‘-Rakete planen wir für das Jahr 2022.“ Es hat bereits prominente Investoren angelockt (Plus-Artikel rosenheim24.de). Anfang September wurde ein Werk für die Produktion am Firmensitz in Ottobrunn von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnet (Plus-Artikel rosenheim24.de). Schon seit Mai 2019 testet das Unternehmen Generatoren auf einem ländlichen Anwesen im Ortsteil Kohlberg in Reischach.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in der Produktion des bayerischen Start-ups Isar Aerospace.

Bei den Tests hätte die Firma die maximal zulässigen Pegelwerte zwar deutlich eingehalten, so ein weiterer Anwohner. Die Art und Weise des Geräusches sei aber das Problem. „Alle in 600 Metern Entfernung sind betroffen. ‚Papa, stürzt das Haus ein‘, hat ein fünfjähriges Kind gefragt. Auch ein Baby schreckt immer hoch, sobald das Geräusch ertönt“, schildert Oberhauser die Situation der Betroffenen. Dieser Umstand sei eine massive Beeinträchtigung der rund 60 Anwohner. Auch vorbeifahrende Personen würden sich erschrecken, da niemand wisse, was los ist. „Ich kann beide Seiten verstehen. Wir müssen einen Konsens finden, aber das kann natürlich schwierig werden, weil jeder Maximalforderungen hat“, so Reischachs Bürgermeister Alfred Stockner (CSU und Unabhängige), der mit beiden Seiten im Austausch steht.

Zuletzt war eine vorläufige Genehmigung des Landratsamts für die Tests abgelaufen. Nun läuft ein erneutes Genehmigungsverfahren für einen weiteren Betrieb. Ein zentraler Punkt dabei sind die schalltechnischen Untersuchungen. „Bei der Firma Aerospace Technologies GmbH fanden in den letzten Monaten neben der geplanten Langzeitmessung auch drei weitere einzelne Messungen durch das Landesamt für Umwelt, welches das Landratsamt fachtechnisch im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit des Betriebs des Gasgeneratorenprüfstandes unterstützt, statt. Die Messungen wurden zur besseren Beurteilung der durch den Betrieb ausgehenden Geräuschimmissionen teils mit Schalldämpfer sowie teils auch ohne Schalldämpfer durchgeführt“, so Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting.

Firma Isar Aerospace betont Bemühungen um Lärmschutz - Reischacher Bürgermeister: „Kann beide Seiten verstehen“

„In der Entwicklung unserer Trägerrakete ist das Testen einer der wichtigsten Bestandteile, um die Sicherheit und Funktionalität sicherzustellen. An unserem Standort in Reischach führen wir meist völlig geräuschfreie Tests von Einzelkomponenten auf Kleinprüfständen durch, beispielsweise für Ventile, Pumpen und Dichtungen. Dabei ist die Nähe zu unserer Entwicklung und Produktion in Ottobrunn sehr wichtig“, so Tina Schmitt, Pressesprecherin von Isar Aerospace gegenüber unserer Redaktion. „An unserem Standort in Reischach arbeitet zeitweise ein Team von etwa 15 Ingenieur*innen und Techniker*innen, die an unserem Hauptsitz in Ottobrunn angestellt sind. Ab nächstem Monat werden wir allerdings auch erste Mitarbeiter*innen in Reischach direkt beschäftigen, weitere sollen in Zukunft folgen.“

„Die möglichen Auswirkungen auf Anwohner wollen wir so gering wie möglich halten. Die mit Geräuschen verbundenen Verbrennungstests, die wir am Teststandort in Reischach durchführen, finden 0 bis 3 Mal pro Tag statt und dauern zwischen 1 Sekunde und maximal 3 Minuten, also nur für sehr kurze Zeit. Eine Langzeitmessung von mehreren unabhängigen Stellen hat zudem bestätigt, dass alle Werte deutlich unter den geforderten Grenzwerten liegen. Unsere Maßnahmen gehen aber deutlich darüber hinaus: wir haben zudem Schalldämpfer installiert und einen Lärmschutzwall aufgebaut, welche die Lautstärke signifikant verringern. Durch die Entfernung der Anlage zu den nächsten Anwohnern verringert sich die Laustärke zusätzlich“, so Schmitt abschließend. „Große Raketenmotortests führen wir ohnehin an einem anderen Standort in einer unbesiedelten Gegend in Kiruna, Nordschweden durch.“

hs

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