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Reischach: Raketen-Tests von Isar Aerospace - Das sagt ein Anwohner

„Und dann zündet mitten während der Klangschalentherapie ein Raketentriebwerk“

Auf einem Bauernhof bei Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung, beklagt dieser. 
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Auf einem Bauernhof bei Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung, beklagt dieser. 
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Die Firma Isar Aerospace testet in Reischach Raketenbauteile. Anwohner beklagen dabei eine, ihrer Ansicht nach, unverhältnismäßige Lärmbelastung. Schon seit über einem Jahr laufen nun Untersuchungen des Landratsamts für eine mögliche Fortführung der Genehmigung der Tests. Nun hat innsalzach24.de mit einem der Betroffenen gesprochen.

Reischach - „Ja, im Moment ist Ruhe. Aber wieder wie früher meinen vollständigen Praxisbetrieb aufnehmen kann ich trotzdem nicht. Denn wann genau das Lärmschutzgutachten vorliegt und dann möglicherweise die Tests wieder losgehen, weiß ich ja nicht“, berichtet Bernhard Oberhauser gegenüber innsalzach24.de. „Einen Teil meines Angebots, etwa die Seminare kann ich weiter fortsetzen. Aber beim ‚lärmempfindlicheren‘ Teil, den therapeutischen Angeboten für Demenzkranke und Menschen mit geistiger Behinderung ist momentan Zwangspause.“

Der Hof von Bernhard Oberhauser in Reischach.

Der Hof von Bernhard Oberhauser befindet sich auf einem umgebauten Bauernhof ein Stück außerhalb des Ortskerns von Reischach. Überall herum sieht man Wald und Wiesen. Er bietet hier und an einem Standort in Mühldorf am Inn Seminare und Therapieangebote an. Das lauteste Geräusch ist das Plätschern eines Nahen Baches und ganz selten einmal ein vorbeifahrendes Auto. Somit bot sich der Hof bei Reischach besonders für Angebote, die ein gewisses Ruhebedürfnis haben an. „Meine Frau und ich haben das hier vor zehn Jahren gekauft und eine Menge Geld und Mühe in den Umbau investiert“, berichtet Oberhauser. Er führt durch die ehemalige Remise des Hofs, in die auf zwei Etagen Therapieräume gebaut wurden. „Ein wichtiger Teil der Arbeit mit Menschen mit geistigen Einschränkungen ist, dass man Ruhe und Vertrauen schafft. Und dann zündet mitten während der Klangschalentherapie ein Raketentriebwerk.“

Ottobrunner Firma Isar Aerospace testet Raketenkomponenten in Reischach - Anwohner beklagt Lärmbelastung

Nach einem kurzen Abstecher an den Rand des Grundstücks zeigt er, wo sich die Testanlage von Isar Aerospace auf einer Anhöhe oberhalb seines Hofs befindet. „Das schallt dann lautstark hier hinunter und jeder in 600 Metern Entfernung ist betroffen“, so Oberhauser. Um seine Ausführung zu illustrieren ruft er ein lautstarkes „Hallo!“ in die Landschaft hinein, sein Ruf hallt zurück. „Wie ich auch immer wieder sage: Ja, der Lärm bleibt meist innerhalb des Erlaubten. Aber es ist eine regelrechte ‚Lärmwolke‘, in der man sich auf einmal befindet und das quasi aus dem Nichts. Unsere Patienten werden dadurch enorm verwirrt, kleine Kinder erschrecken sich, vorbeifahrende Autofahrer treten auf die Bremse.“

Unmittelbar oberhalb von Bernhard Oberhausers Grundstück in Reischach befindet sich die Testanlage von Isar Aerospace.

„Unser Bayerischer Wirtschaftsminister, Herr Aiwanger von den Freien Wählern hat ausdrücklich dafür geworben, dass man mehr Wohnraum im ländlichen Raum, am Besten auf ehemaligen Bauernhöfen nutzen soll“, bemerkt Oberhauser. „Jetzt habe ich Geld und Mühe hierein investiert und meinen Sie ich hätte irgendeine Antwort auf meine Anfragen an das Bayerische Wirtschaftsministerium bekommen?“ Er könne ja durchaus verstehen, dass ein Unternehmen wie Isar Aerospace ein bayerisches Vorzeigeprojekt sei, bei dem Ministerpräsident Markus Söder zur Einweihung der neuen Produktionshalle in Ottobrunn erscheint. „Aber man kann doch nicht nur die Lorbeeren von so etwas ernten aber gleichzeitig nichts gegen die Folgen die das dann für Leute wie uns hier hat unternehmen?“

In einem Youtube-Video zeigt Oberhauser Szenen eines der Tests, unmittelbar am Testgelände:

Vom Bundeswirtschaftsministerium wiederum habe das Unternehmen Millionensummen erhalten. „Warum sind daran dann keine Vorgaben geknüpft, dass Rücksicht auf Mitmenschen genommen werden muss? In anderen Bereichen haben wir doch auch Dinge wie das Lieferkettengesetz?“ Die Antwort darauf aus Berlin lautet: „IsarAeroSpace wurde im Microlauncher-Wettberb von einer Jury ausgewählt, um neue Technologien im Raumfahrtbereich voranzubringen. Dieser Wettbewerb und die Jury-Entscheidung ist aber zu trennen von Lärmschutzauflagen für konkrete Standort. Lärmschutzauflagen für konkrete erlassen die zuständigen Genehmigungsbehörden nach den vorgegebenen rechtlichen Lärmschutzregelungen und den konkreten Bedingungen vor Ort. Lärmschutzanforderungen können nur vor Ort getroffen werden. Sollten hier Lärmschutzregelungen nicht berücksichtigt worden sein oder Eingaben im Verfahren nicht berücksichtigt worden sein, sind die zuständigen Landesbehörden gefragt.“

„Können sich doch nicht so einfach aus der Affäre ziehen“

Diese Antwort gefällt Oberhauser gar nicht: „Die können sich doch nicht so einfach aus der Affäre ziehen und die Verantwortung an die hiesigen Behörden abschieben?“ Auch das Verhalten von Isar Aerospace selbst frustriert ihn. „Im Spätsommer 2019 gab es noch ein Treffen mit Vertretern des Unternehmens. Damals taten sie sehr verständnisvoll und behaupteten sogar, wir würden bald schon gar nichts mehr von ihrem Testbetrieb hören. Aber da scheint langfristig nichts daraus geworden zu sein“, berichtet er. Eine Unternehmenssprecherin antwortet darauf: „Wir haben ein offenes Ohr für unsere Nachbarschaft an allen unseren Standorten. Auch in Reischach sind wir an einem Dialog mit den Anwohnern interessiert, stehen im Austausch mit ihnen und pflegen das verantwortungsvolle Miteinander. Wir halten alle gesetzlichen Grenzwerte ein, diese werden sogar deutlich unterschritten. Zudem gehen unsere Schutzmaßnahmen, die wir laufend prüfen und weiterentwickeln, schon heute deutlich darüber hinaus.“

„Die möglichen Auswirkungen auf Anwohner wollen wir so gering wie möglich halten. Die mit Geräuschen verbundenen Verbrennungstests, die wir am Teststandort in Reischach durchführen, finden 0 bis 3 Mal pro Tag statt und dauern zwischen 1 Sekunde und maximal 3 Minuten, also nur für sehr kurze Zeit. Eine Langzeitmessung von mehreren unabhängigen Stellen hat zudem bestätigt, dass alle Werte deutlich unter den geforderten Grenzwerten liegen. Unsere Maßnahmen gehen aber deutlich darüber hinaus: wir haben zudem Schalldämpfer installiert und einen Lärmschutzwall aufgebaut, welche die Lautstärke signifikant verringern. Durch die Entfernung der Anlage zu den nächsten Anwohnern verringert sich die Laustärke zusätzlich“, so die Sprecherin abschließend. „Große Raketenmotortests führen wir ohnehin an einem anderen Standort in einer unbesiedelten Gegend in Kiruna, Nordschweden durch.“

Firma Isar Aerospace betont Bemühungen um Lärmschutz

Die Firma Isar Aerospace Technologies GmbH entwickelt und baut Trägerraketen für den Transport von kleinen und mittleren Satelliten (Plus-Artikel rosenheim24.de). „Dabei bieten wir die erste rein privat-finanzierte europäische Trägerrakete für kleine bis mittlere Nutzlasten an, um den weltweit wachsenden Bedarf zu decken“, so das Unternehmen. Gegründet 2018, ist das Unternehmen inzwischen auf über 180 Mitarbeiter aus rund 30 Nationen gewachsen. „Den ersten Testflug unserer ‚Spectrum‘-Rakete planen wir für das Jahr 2022.“ Es hat bereits prominente Investoren angelockt (Plus-Artikel rosenheim24.de). Anfang September wurde ein Werk für die Produktion am Firmensitz in Ottobrunn von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnet (Plus-Artikel rosenheim24.de). Schon seit Mai 2019 testet das Unternehmen Generatoren auf einem ländlichen Anwesen im Ortsteil Kohlberg in Reischach.

Zuletzt war eine vorläufige Genehmigung des Landratsamts für die Tests abgelaufen. Nun läuft ein erneutes Genehmigungsverfahren für einen weiteren Betrieb. Ein zentraler Punkt dabei sind die schalltechnischen Untersuchungen. „Bei der Firma Aerospace Technologies GmbH fanden in den letzten Monaten neben der geplanten Langzeitmessung auch drei weitere einzelne Messungen durch das Landesamt für Umwelt, welches das Landratsamt fachtechnisch im Rahmen der Beurteilung der Zulässigkeit des Betriebs des Gasgeneratorenprüfstandes unterstützt, statt. Die Messungen wurden zur besseren Beurteilung der durch den Betrieb ausgehenden Geräuschimmissionen teils mit Schalldämpfer sowie teils auch ohne Schalldämpfer durchgeführt“, so Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting.

hs

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