Ein Jahr nach dem tragischen Schulwegunfall in Reischach

"Ich wache nachts auf und glaube, ich habe das alles nur geträumt"

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Reischach - Seit dem 23. Februar 2018 ist nichts mehr so, wie es mal war, für zwei Familien in der Gemeinde Reischach. Ihre beiden Töchter sind an diesem Datum bei einem schweren Unfall gestorben. Nun sprechen die Väter über ihren Verlust.

Bis in den Tod vereint - die Gräber der beiden Freundinnen liegen direkt nebeneinander. Auf den Tag genau vor einem Jahr sind die beiden elfjährigen Mädchen bei einen schrecklichen Schulwegunfall in der Gemeinde Reischach gestorben. Ein Auto hat sie mit voller Wucht erfasst, als sie die Straße überqueren wollten. Ein Jahr nach dem Unglück am 23. Februar 2018 haben die Väter über diesen schweren Verlust gesprochen.

"Ich wache nachts auf und glaube, ich habe das alles nur geträumt. Bis ich dann in Evas Zimmer gehe", sagt einer der Väter gegenüber der Passauer Neuen Presse. Dann liege er wach, spekuliere den Unfallhergang wieder und wieder durch, arbeite sich durch die Unterlagen, die er in einem Ordner gesammelt hat.

Zumindest die Arbeit bringe Ablenkung, sagt der Vater des zweiten verstorbenen Mädchens in dem Bericht. Auch gibt es Zuspruch aus der ganzen Gemeinde. Besonders dramatisch: Die Geschwister der Mädchen und fünf weitere Schüler aus dem Ort, darunter auch verwandte Kinder, haben das Unglück mitansehen müssen. Die Eltern eilen damals sofort zum Einsatzort, als sie von dem Unfall erfahren. Wenige Tage nach dem Unfall müssen sie ihre Kinder beerdigen.

"Von einem Mitverschulden der Kinder an dem Unfall kann keine Rede sein"

Die Frau, die mit ihrem Auto die beiden Mädchen erfasst hat, ist zwischenzeitlich angeklagt und im Dezember vergangenen Jahres wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Freiheitsentzug ausgesetzt zur Bewährung sowie einer Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro und einem Fahrverbot von einem Monat verurteilt worden. Der Strafbefehl ist rechtskräftig.

Ein Trost ist dieses Urteil nicht. Zumal es Zweifel gibt, wie Rechtsanwalt Hanns Barbarino aus Altötting gegenüber der Passauer Neuen Presse erklärt. Er vertritt die beiden betroffenen Familien seit dem Unfall juristisch und merkt an, dass "die Kinder, anders als im Bericht vom 22. Dezember übernommen, eben nicht gerade den Schulbus verlassen und hinter dem Bus auf die Straße gelaufen waren. Es steht eindeutig fest, dass der Schulbus bereits angefahren war und sich wohl schon mindestens 30 Meter vom angenommenen Kollisionsort entfernt hatte."

Für die Familien steht unterdessen die Zeit seit dem Unfall ein wenig still. Verändert haben sie nichts in den Zimmern der beiden Mädchen. Sind die beiden Väter früher aktiv in der Feuerwehr gewesen, fahren sie seit einem Jahr nicht mehr mit zu Einsätzen. Sie haben sich Hilfe gesucht, um den Verlust zu verarbeiten. Ihnen ist bewusst, dass es weitergehen muss. Nur einen Weg, wie das funktionieren kann, suchen sie noch.

ksl

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