Nach Protesten gegen Lärm

Raketenantriebs-Tests in Reischach: „Natürlich nicht völlig geräuschfrei“

Die Firma Isar Aerospace führt Raketentest auf einem ländlichen Anwesen in Reischach durch.
+
Die Firma Isar Aerospace führt Raketentest auf einem ländlichen Anwesen in Reischach durch.

Reischach - Die Firma Isar Aerospace Technologies GmbH aus Ottobrunn entwickelt Trägerraketen für den Transport von Satelliten. Dafür testete das Unternehmen Einzelkomponenten auf einem ländlichen Anwesen in Reischach. Die Anwohner wehren sich gegen den Lärm, das Unternehmen versucht ihnen entgegen zu kommen. 

„Wir führen verschiedenste Tests in Reischach durch, beispielsweise für Ventile, Pumpen, Dichtungen - alle völlig geräuscharm - und Verbrennung. Diese Verbrennungstests sind vergleichsweise zu ganzen Triebwerken geräuscharm, dennoch können wir aufgrund der Natur der Sache die Tests nicht völlig geräuschfrei gestalten“ schildert Daniel Metzler, CEO von Isar Aerospace, gegenüber innsalzach24.de.


Raketenantriebs-Test in Reischach: „Maximal drei Minuten am Tag“

Die Verbrennungstests würden maximal drei Mal pro Tag stattfinden und zwischen einer Sekunde und maximal drei Minuten dauern. „Zum Lärmschutz haben wir zudem Schalldämpfer installiert und unlängst einen Erdwall aufgebaut, der die Lautstärke verringert“, berichtet Metzler. Durch die Entfernung der Anlage zu den nächsten Anwohnern von mindestens 340 Metern würde sich die Lautstärke zusätzlich verringern.


Warum testet die Firma in Reischach? Die Nähe zu Ottobrunn sei von großer Bedeutung. „Wir führen die Tests von Einzelkomponenten auf Kleinprüfständen durch. Diese sind sehr wichtig, um die Sicherheit und Funktionalität der Trägerrakete sicherstellen zu können“, erklärt Metzler. Es gebe zwar einen weiteren Teststandort, der befindet sich allerdings in Schweden.

Unternehmen will kommerzielle Raumfahrt vorantreiben

Das Unternehmen, das 2018 gegründet worden ist, sieht sich selbst als „eines der wenigen Unternehmen, die die kommerzielle Raumfahrt in Europa vorantreiben und damit eine der entscheidenden Technologien für die nächste Dekade.“ Durch einen sogenannten „hands-on Ansatz“ könne das Unternehmen relativ schnell vom ersten Design in erste Hardware-Tests übergehen und somit viel Geld sparen.

„Damit ermöglichen wir den kostengünstigen und flexiblen Zugang zum Weltall für Satelliten, die beispielsweise wichtige Daten für Landwirtschaft und Erdbeobachtung wie Wetter oder Klimawandel zur Verfügung stellen oder Konnektivität (GPS-Ortung, Internet) bringen“, erklärt Metzler. Dafür müsse allerdings getestet werden.

Umfrage

Anwohner protestieren gegen Lärm: „Da bebt die Luft“

Doch für die Anwohner sei die Lautstärke der Tests gar nicht das große Problem. Die maximalen Grenzwerte würde bei weitem eingehalten werden. Vielmehr sei die Art und Weise des Geräusches das Problem. „Da bebt die Luft. Das schallt von allen Seiten. Das ist unglaublich“, berichtet Bernhard Oberhauser, ein betroffener Anwohner, gegenüber innsalzach24.de. Für Kinder sei dies sehr schwierig einzuordnen, da sie nicht wissen, was gerade passiert.

Für Bürgermeister Alfred Stockner ist der Ärger der Bürger nachvollziehbar. Er wäre mehrmals bei der Familie Oberhauser gewesen, um sich ein Bild zu machen. Generell sei er mit allen Beteiligten permanent im Austausch: „Ich kann beide Seiten verstehen. Wir müssen einen Konsens finden, aber das kann natürlich schwierig werden, weil jeder Maximalforderungen hat“, schildert Stockner die Schwierigkeiten.

Bürgermeister Alfred Stockner steht zwischen den Fronten und versucht zu vermitteln.

Isar Aerospace will mit Anwohnern ins Gespräch kommen

Aktuell ist es aber ruhig in Reischach. Eine vorläufige einjährige Genehmigung ist vor kurzem abgelaufen. Aktuell läuft bereits das Genehmigungsverfahren für einen performanten Betrieb. Wann mit einer Entscheidung des Landratsamts Altötting zu rechnen ist, könne laut Klaus Zielinski, Pressesprecher Landratsamt Altötting, noch nicht abgeschätzt werden. Derzeit werde geprüft, ob die Voraussetzungen für eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vorliegen.

Allerdings geht jeder davon aus, dass die Genehmigung erteilt wird, da die Grenzwerte eingehalten werden. Sollte weiter getestet werden, will Isar Aerospace die Anwohner weiterhin über die anstehenden Tests stets informieren. „Nach Anfrage der Nachbarn machen wir dies bereits am Tag vor den Tests und werden das auch weiterhin so handhaben. Zudem werden wir auch versuchen, mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen, um ihnen die Hintergründe unserer Tests zu erläutern“, so Metzler.

Zumindest scheint es so, als ob die Proteste der Anwohner schon etwas gebracht hätten. Denn auch die relativ lauten Verbrennungstests der großen Motoren werden laut dem Unternehmen künftig in unbesiedelten Gegenden in Schweden durchgeführt.

jz

Kommentare