Reischacher Proteste gegen den Lärm

„Die Luft bebt“: Nachbarn gegen Raketenantriebs-Tests in diesem Bauernhof

Auf diesem Bauernhof in Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Robert Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung.
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Auf diesem Bauernhof in Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Robert Oberhauser (rechts) und weitere Anwohner eine massive Beeinträchtigung.

Reischach – Die Firma Isar Aerospace Technologies GmbH testete auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Reischach Subsysteme einer zivilen Rakete – sehr zum Leidwesen der Anwohner. Nun warten alle Beteiligten auf eine Entscheidung des Landratsamts Altötting, ob die Firma in Zukunft weiter testen darf. 

„Da bebt die Luft. Das schallt von allen Seiten. Das ist unglaublich“, berichtet Bernhard Oberhauser gegenüber innsalzach24.de. Hinzu kommt, dass im Vorfeld niemand der Anwohner informiert worden wäre. Aktuell ist es aber ruhig in Reischach. Doch das könnte sich bald schon wieder ändern. Ab Juni 2019 hatte die Isar Aerospace Technologies GmbH mit Sitz in Ottobrunn eine vorläufigen Genehmigung für den einjährigen Betrieb einer Anlage „Prüfstand Gasgenerator“ - auf einem umgebauten Anwesen in der 2600-Seelen-Gemeinde. Einen dauerhaften Betrieb hat die Firma bereits beim Landratsamt Altötting beantragt.


Reischacher wehren sich gegen Lärm der Tests für zivile Rakete der Isar Aerospace Technologies GmbH

Bei den Tests hätte die Firma sogar laut einem Anwohner die maximalen Pegelwerte deutlich eingehalten. Die Art und Weise des Geräusches sei aber das Problem. „Alle in 600 Metern Entfernung sind betroffen. ‚Papa, stürzt das Haus ein‘, hat ein fünfjähriges Kind gefragt. Auch ein Baby schrecke immer hoch, sobald das Geräusch ertönt“, schildert Oberhauser die Situation der Betroffenen. Dieser Umstand sei eine massive Beeinträchtigung der rund 60 Anwohner. Auch vorbeifahrende Personen würden sich erschrecken, da niemand wisse, was los ist.


Als es im Herbst vergangenen Jahres mit einer Art lautes Zischen losging, habe Oberhauser direkt nachgefragt, was es mit dem Geräusch auf sich hat. „Die Kinder hatten Angst. Anfangs hat die Firma sogar versprochen, dass es leiser wird. Aber das ist leider nicht passiert“, so Oberhauser. Im Frühjahr gab es Tests von größeren Antriebswerken, dann wären auch alle Nachbarn darauf aufmerksam geworden.

Anwohner: „Stehen in einer dauerhaften Lärmwolke“

„Ein Düsenjäger wird lauter und ist kurz darauf auch wieder weg. Hier steht man aber in einer dauerhaften Lärmwolke“, versucht Oberhauser das Gefühl zu beschrieben. Das Geräusch sei plötzlich da, ohne Ankündigung. Für Kinder sei dies sehr schwierig einzuordnen, da sie nicht wissen, was gerade passiert.

„Soweit wir recherchiert haben, werden ähnliche Tests in Gebieten durchgeführt, die an militärische Gebiete angegliedert sind. Und nicht irgendwo in der Pampa“, ärgert sich Oberhauser. Auch deshalb habe er eine Online-Petition gestartet, um darauf aufmerksam zu machen. Es gab mehrere Gespräche mit dem Landratsamt, den Anwohnern und der Gemeinde. „Es wurde oft gesagt, dass es besser werden soll. Nachdem sich alle beschwert hatten, haben sie einen Erdwall aufgeschüttet, der aber im Grunde nichts bewirkt hat“, so der Anwohner.

Bürgermeister Stockner: „Müssen einen Konsens finden“

Für Bürgermeister Alfred Stockner ist der Ärger der Bürger nachvollziehbar. „Baurechtlich gab es seitens der Gemeinde aber keine Einwände. Aus dem Bauantrag war nicht ersichtlich, dass die Geräuschemissionen dieses Ausmaß annimmt. Wir konnten aber letztlich nur unser Einvernehmen geben, die Betriebserlaubnis erteilt das Landratsamt“, erklärt Stockner.

Bürgermeister Alfred Stockner steht zwischen den Fronten und versucht zu vermitteln.

Er wäre mehrmals bei der Familie Oberhauser gewesen, um sich ein Bild zu machen. Generell sei er mit allen Beteiligten permanent im Austausch: „Ich kann beide Seiten verstehen. Wir müssen einen Konsens finden, aber das kann natürlich schwierig werden, weil jeder Maximalforderungen hat“, schildert Stockner die Schwierigkeiten. Dabei zu vermitteln sei nicht ganz einfach. Dass es für die Anwohner nicht schön sei, wäre jedem bewusst. Dennoch halte die Firma die rechtlichen Rahmenbedingungen ein.

„Möglich könnte vielleicht ein Zeitfenster für die Tests sein, beispielsweise dass am Nachmittag keine Tests mehr durchgeführt werden“, erläutert Stockner über ein mögliches Zugeständnis. Zusätzlich könnten weitere Lärmschutzmaßnahmen installiert werden. „Da versuchen wir jetzt zu vermitteln und zu verhandeln. Das ist unsere Aufgabe“, so der Bürgermeister.

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Lärmschutzgutachten noch offen

„Zweck der Anlage ist die Erprobung von Subsystemen einer zivilen Rakete. Zu diesen zählen u.a. Ventile, Hydraulikzylinder, Turbopumpen und Gasgeneratoren“, erläutert Klaus Zielinski, Pressesprecher Landratsamt Altötting. Aktuell werde geprüft, ob ein permanenter Betrieb genehmigt werden kann.

Wann mit einer Entscheidung des Landratsamts Altötting zu rechnen ist, könne laut Zielinski derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Derzeit werde geprüft, ob die Voraussetzungen für eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vorliegen. Dazu fehle u.a. noch ein Lärmschutzgutachten eines anerkannten Sachverständigen. Sollten diese vorliegen, habe der Antragsteller aber einen Rechtsanspruch auf Erteilung der Genehmigung.

„Die von den Anwohnern vorgebrachten Bedenken hinsichtlich der Lärmbelastung hat das Landratsamt zur Kenntnis genommen und an den Gutachter für den Bereich Lärmschutz weitergegeben“, so Zielinski. Inwieweit diese berücksichtigt werden, dürfte in naher Zukunft feststehen. Eine Anfrage um Stellungnahme an die Isar Aerospace Technologies GmbH blieb bisher unbeantwortet.

jz

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