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„Wenn IsarAeroSpace Dampf ablässt“

Raketentests in Reischach jetzt ein Fall für das Verwaltungsgericht

Auf einem Bauernhof bei Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (rechts) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung, beklagt dieser.
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Auf einem Bauernhof bei Reischach werden sogenannte Subsysteme für eine zivile Rakete getestet. Der daraus resultierende Lärm sei für Bernhard Oberhauser (links) und weiteren Anwohnern eine massive Beeinträchtigung, beklagt dieser.

Nun werden die Raketenantriebstests in Reischach auch Thema für die Justiz. Ein Anwohner, der sich unverhältnismäßig belastet sieht, hat Klage am Verwaltungsgericht eingereicht. Er beklagt auch, das seit neuestem regelrechte Nebelschwaden von dem Gelände auf die Straße waberten. Wir haben uns bei den zuständigen Stellen dazu erkundigt.

Reischach - „Isar Aerospace hat Anfang Januar nun den vollen Betrieb aufgenommen. Aktuell sind es täglich drei bis vier Tests mit je einer Dauer von etwa ein bis drei Minuten. Die Anwohner werden 20 bis 30 Sekunden vorher durch einen sehr lauten Warnton gewarnt. Teilweise wabern wenn der Betrieb ‚Dampf ablässt‘ in der Folge regelrechte Nebelschwaden aus Stickstoff über die Straße“, berichtet Bernhard Oberhauser gegenüber innsalzach24.de. Er bietet auf einem umgebauten Bauernhof Seminare und Therapieangebote an. „Meinen Therapiebetrieb kann ich in den geschlossenen Räumen durchführen. Im Außenbereich war dies ja erst in Planung. Wie ich in dieser Richtung weitermachen soll ist unklar, ich könnte hier weiter investieren. Nachdem aber die Arbeitsmöglichkeiten nur sehr eingeschränkt möglich sein werden, ist dies erstmal gestoppt.“

Raketentests in Reischach nun auch vor Verwaltungsgericht

Die Firma Isar Aerospace Technologies GmbH entwickelt und baut Trägerraketen für den Transport von kleinen und mittleren Satelliten. „Dabei bieten wir die erste rein privat-finanzierte europäische Trägerrakete für kleine bis mittlere Nutzlasten an, um den weltweit wachsenden Bedarf zu decken“, so das Unternehmen. Gegründet 2018, ist das Unternehmen inzwischen auf über 180 Mitarbeiter aus rund 30 Nationen gewachsen. „Den ersten Testflug unserer ‚Spectrum‘-Rakete planen wir für das Jahr 2022.“ Es hat bereits prominente Investoren angelockt. Anfang September wurde ein Werk für die Produktion am Firmensitz in Ottobrunn von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnet. Schon seit Mai 2019 testet das Unternehmen Generatoren auf einem ländlichen Anwesen im Ortsteil Kohlberg in Reischach, direkt in der Nähe von Oberhausers Hof.

Nachdem eine vorläufige Genehmigung des Landratsamts Altötting für die Tests abgelaufen war, lief im vergangenen Jahr eine Prüfung, ob die Tests eine zumutbare Belastung, unter anderem hinsichtlich der Lärmentwicklung darstellen. Im September folgte schließlich ein positiver Bescheid, der Testbetrieb darf also weiterlaufen. „Wir haben zuletzt eine Klage gegen den Bescheid des Landratsamtes vor dem Verwaltungsgericht eingereicht“, berichtet Bernhard Oberhauser. „Die Klage befindet sich momentan noch im sogenannten ‚vorbereitenden Verfahren‘, das heißt die Beteiligten des Verfahrens nehmen erst Akteneinsicht und tauschen ihre Standpunkte dann durch Schriftsätze aus“, so ein Sprecher des Verwaltungsgerichts. Ein auch nur ungefährer Termin für eine mögliche mündliche Verhandlung kann aktuell noch nicht genannt werden.“

Behörden sehen keine Verkehrsgefährdung durch Nebel aus Testanlage

„Das Landratsamt hat bezüglich der durch Herrn Oberhauser gegen die immissionsschutzrechtliche Genehmigung eingereichten Klage noch nicht Stellung genommen, da bislang keine Klagebegründung von Seiten des Klägers vorliegt“, so Dr. Robert Müller, Pressesprecher des Landratsamts Altötting. Eine Beschwerde durch Oberhauser bezüglich des Nebels sei beim Landratsamt eingegangen und bearbeitet worden. „Es wurde zur Beurteilung der Frage, ob aufgrund der bodennahen Nebelschwaden von einer Verkehrsgefährdung auszugehen ist, eine Verkehrsschau durchgeführt. Eine Verkehrsgefährdung konnte von Seiten der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei insoweit jedoch nicht festgestellt werden.“

„Von anderer Seite liegen am Landratsamt keine Beschwerden vor, auch gibt es keine weiteren Anfragen“, schließt Müller. „Die Gemeinde Reischach akzeptiert den Genehmigungsbescheid, da es aus unserer Sicht keine Gründe für eine Klage gibt“, berichtet wiederum Reischachs Bürgermeister Alfred Stockner (CSU und Unabhängige), „Natürlich hat die Gemeinde Verständnis für die unmittelbar betroffenen Nachbarn und deren Klagen und Beschwerden. Trotzdem, es Gesetze und Richtlinie und die Firma Aerospace Technology GbmH hält alle mit dem Bescheid getroffenen Auflagen ein. Aus diesem Grund wird die Gemeinde gegen den Bescheid kein Rechtsmittel einlegen. Weitere Beschwerden und Anfragen von noch anderen Betroffenen sind seit der endgültigen Genehmigung bei der Gemeinde nicht mehr eingegangen.“

Isar Aerpospace-Sprecherin: „Haben großes Interesse an Austausch mit Nachbarn“

„Während des Betriebs unserer Anlagen werden von Zeit zu Zeit flüssiger Stickstoff oder Sauerstoff abgelassen, wodurch unter bestimmten Wetter-Bedingungen die Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft zu Nebel kondensieren kann. Dieser Nebel entspricht in Zusammensetzung und Eigenschaften exakt dem natürlich entstehenden Nebel“, erläutert wiederum eine Unternehmenssprecherin von Isar Aerospace, Die Klage richte sich nicht gegen das Unternehmen, sondern die zuständigen Behörden. „Wir weisen darauf hin, dass das Landratsamt Altötting die Genehmigung für den Betrieb des Test-Prüfstands in Reischach nach ausführlichen Prüfungen erteilt hat. Wir erfüllen nicht nur alle Anforderungen an den Testbetrieb und halten alle gesetzlichen Grenzwerte ein - sie werden zudem deutlich unterschritten. Außerdem gehen unsere Schutzmaßnahmen, die wir laufend prüfen und weiterentwickeln, schon heute deutlich über die Vorgaben hinaus.“

Unmittelbar oberhalb von Bernhard Oberhausers Grundstück in Reischach befindet sich die Testanlage von Isar Aerospace.

„Wir haben ein großes Interesse an einem Austausch mit der Nachbarschaft an unseren Standorten, auch in Reischach. Daher gab es im Oktober letztes Jahr mit der Gemeinde Reischach und den Anwohnerinnen und Anwohnern ein persönliches Treffen, um die Rahmenbedingungen der Genehmigung zu erörtern und mögliche offene Fragen zu besprechen. Seitdem stehen wir mit den Anwohnern im regelmäßigen Austausch und konnten offene Fragen im Dialog klären“, schließt die Sprecherin ihre Ausführungen.

hs

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