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Merkwürdige Schwankungen in einem Landkreis

Monster-Inzidenzen in Reischach und Feichten: Warum hat die Gemeinde nebenan nur die Hälfte?

Das Corona-Dashboard vom Landratsamt Altötting zeigt alle Inzidenzen im Landkreis
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Wirft Fragen auf: das Dashboard vom Landratsamt Altötting.

Die hohen Unterschiede in der 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Altötting sind auf den ersten Blick sehr verwunderlich. Für das Landratsamt sind es „schwer erklärbare Momentaufnahmen“. Doch woran könnte es liegen, dass die Gemeinde Reischach eine schwindelerregend hohe Inzidenz von 1.472 aufweist, jedoch Kirchweidach im selben Landkreis nur 645? Eine Analyse von innsalzach24.de

Reischach - Der Landkreis Altötting hat es auf seiner Website wunderbar aufgeschlüsselt: Wer den Cursor seiner Maus über das Corona-Dashboard gleiten lässt, erhält aktuelle Zahlen der jeweiligen Gemeinden und Städte auf einen Blick. Auffällig ist dabei, dass einzelne Gemeinden extrem hohe 7-Tage-Inzidenzen aufweisen, Nachbargemeinden jedoch deutlich niedrigere Werte - obwohl dort teilweise mehr Menschen eine Covid-Infektion haben bzw. hatten und sogar mehr Menschen daran gestorben sind:

Zum Beispiel Tyrlaching (114 bestätigte Corona-Fälle und eine verstorbene Person) und Kirchweidach (205 bestätigte Fälle und vier Verstorbene). Kirchweidach hat am Mittwoch (17. November) eine 7-Tage-Inzidenz von 645, Halsbach sogar nur 286, aber Tyrlaching - direkt daneben - 1.137. Kirchweidach hat eine deutlich niedrigere Inzidenz, obwohl hier mehr Corona-Fälle bestätigt wurden. Die Daten scheinen sich zu widersprechen.

Corona-Maßnahmen an die Zahl der Krankenhaus-Behandlungen gekoppelt

Härtere Corona-Maßnahmen wie 2G und „Lockdown für Ungeimpfte“ werden mittlerweile auf Basis der Hospitalisierungsrate der Krankenhäuser getroffen. Trotzdem spielen hohen Inzidenzen bei politischen Überlegungen immer noch eine Rolle. 1.000 ist dafür eine Schallmauer, die nur selten erreicht wird. Für die Gesundheitsämter zählt der Corona-Index des gesamten Landkreises. Diese einzelnen Inzidenzen der Landkreise melden wiederum die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI).

Leider ist die Situation sehr dynamisch und Informationen ändern sich sehr schnell“, mit dieser Information kommentiert das Landratsamt Altötting sein eigenes Corona-Dashboard. Daher ist es schwierig, die hohen Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden zu erklären. Die Situation im Landkreis Altötting lässt sich prinzipiell auf alle benachbarten Landkreise übertragen, die ein ähnliches Dashboard eingerichtet haben.

Stammen einige Infektionen in Reischach aus dem Nachtleben? Das ist bisher noch unklar.

Ist Reischach mit seinen 2.700 Einwohnern ein Mega-Corona-Hotspot, weil die Gemeinde eine Inzidenz von 1.472 aufweist? Für Reischachs Bürgermeister Alfred Stockner (CSU) ist die Situation „leider wirklich so schlimm“. Er und seine Mitglieder des Gemeinderats rätselten dennoch, „woran es liegt, dass wir so sehr in die roten Corona-Zahlen geraten sind“. Die Impfquote sei insgesamt genauso hoch wie in den anderen Städten und Gemeinden des Landkreises. Ein möglicher Grund sei „die Nähe zum deutschlandweit am schlimmsten betroffenen Landkreis Rottal-Inn, mit dem wir aus vielerlei Gründen eng verwoben sind“.

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Im nahe gelegenen Erlbach sei eine Diskothek, in der viele junge Leute feiern gehen, auch das sei „als zusätzliche Quelle neuer Covid-Infektionen denkbar, aber nicht bewiesen“. Die Gemeinde Erlbach ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Reischach.

Stockner ist besorgt um das Befinden seiner Bürgerinnen und Bürger - und tauscht sich „mit Medizinern aus dem Gemeindegebiet aus, um fachlich immer auf dem Laufenden zu sein“. Reischach hat Maßnahmen ergriffen, die eine kleine Gemeinde normalerweise nicht ergreift: Eigene Corona-Teststationen wurden eröffnet, um mehr Transparenz in der Datenlage zu erzeugen. Sogar ein „kleiner Lockdown“ entstand auf freiwilliger Basis.

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„Vereinsveranstaltungen wurden fast alle abgesagt, wie auch der Pfarrfamilienabend oder das traditionelle Entenessen der Freiwilligen Feuerwehr“, obwohl ihm das schwer falle und das die allgemeine Stimmung drücke. Der Erste Bürgermeister will, „dass die Menschen in Reischach nicht zu viel Angst haben, wenn sie sich im Alltag bewegen“, so Stockner. Immer wieder habe er „zum vermehrten Impfen aufgerufen“, doch die Bevölkerung sei „insgesamt Corona-müde und die Aufrufe verpuffen“.

Doch woher kommen die Monster-Inzidenzen von Reischach (1.472) und Feichten an der Alz (1.362)? Offenbar liegt es an der niedrigen Einwohnerzahl - im Vergleich zu Städten - und der „mathematischen Hebelwirkung, wenn sich ganze Familien infizieren“, so Alfred Stockner. Größere Familien in einem Haus oder Mehr-Generationen-Haushalte seien „im ländlichen Raum eben immer noch häufig anzutreffen“.

Infektion bei einer Familie lässt Inzidenz hochschnellen

Sprich: Infiziert sich eine größere Familie in einer kleinen Ortschaft, schnellt die Inzidenz für den Zeitraum der Tage der Erkrankung hoch - und stürzt bei Genesung und erfolgreichem Freitesten wieder ab. So gerechnet, könnte die 7-Tage-Inzidenz einer einzelnen Straße in einem Dorf kurzfristig über 4.000 springen. Solch ein Wert hat aber so gut wie keine Aussagekraft für die Gesamtbevölkerung.

Entscheidend für die Statistik sind „die aktuell positiv getesteten Fälle“, so Stockner. Die Bestätigten Fälle insgesamt sowie die Sterbefälle am Dashboard bezögen sich auf die „die Zeit seit Beginn der gesamte Pandemie“. So ist der Widerspruch zwischen hoher Inzidenz und vergleichsweise niedriger gesamter Corona-Fallzahl zu erklären.

Bürgermeister appelliert an die Bevölkerung

Alfred Stockner appelliert jedenfalls an seine Bevölkerung, „dass sich alle an die geltenden Regeln halten, auch wenn sie geimpft sind. Bitte denken Sie daran, die FFP2-Masken beim Betreten von öffentlichen Gebäuden oder Geschäften zu tragen.“ Wem es medizinisch gesehen möglich sei, sich impfen zu lassen, „der soll das tun, damit wir bald eine Herdenimmunität erreichen“.

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