"Problem nicht unter den Teppich kehren!"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Altöttinger Regionalpolitiker, Verbund-Geschäftsführung und Wasserwacht Altötting vor neuem Infoschild

Töging - Immer wieder schockieren tragische Unfälle mit Ertrunkenen an Inn und Innkanal. Eine Sicherheitskampagne der Verbund Innkraftwerke soll das jetzt ändern.

Ein voller Konferenzraum mit Regionalpolitikern, Wasserwacht, viel Presse und der obersten Geschäftsleitung vom Verbund Innkraftwerke haben bewiesen: Dieses Thema liegt allen am Herzen. Es geht um die Sicherheit der Menschen, von Kindern und von Jugendlichen. Und es geht vor allem um die präventive Arbeit, damit die Wasserwacht nicht mehr so häufig ausrücken muss, um Ertrunkene oder fast Ertrunkene aus den Fluten zu ziehen.

Mehr Sicherheit an Inn und Innkanal

Die Kampagne

Infotafel an der Höchfelden-Brücke in Töging

"Zwei Schienen sind es, auf denen wir fahren und die Wasserwacht künftig bei ihrer Arbeit unterstützen wollen," erklärte Karl Heinz Gruber, technischer Geschäftsführer der Verbund Innkraftwerke GmbH. "Der eine Teil besteht aus der Information vor Ort. Da wird es Infotafeln an gefährlichen Stellen am Flussufer geben. Tafeln, die in ihrer Aufmachung und Farbe zeitgemäß sind und auffallen. Zum anderen werden wir Schule machen. Wir wollen an Kinder und Jugendliche herantreten und sie überhaupt auf die Gefahren an einem Fluss hinweisen." Hier wolle man vor allem anhand eines Lehrfilms punkten, der für alle Schulen frei zugänglich sein soll. Außerdem plane man Arbeitsblätter, welche die Kinder dazu animieren sollen, sich aktiv mit dem Thema zu beschäftigen und sich nicht nur "von dem Film berieseln" lassen. Der Film soll ab Frühling fertig und abrufbar sein. Begleitend dazu werden die Arbeitsblätter an die Schulen gehen. Alles in allem lässt der Verbund sich die Kampagne rund 150 000 Euro kosten. "Wir sind aber auch für mehr offen. Sollte die Bevölkerung mehrheitlich für eine Einzäunung des Innkanals sein, stehen wir dem nicht im Weg," so Michael Amerer, kaufmännischer Geschäftsführer vom Verbund.

Warum ist der Inn überhaupt so gefährlich?

v.l. Karl Heinz Gruber, technischer Geschäftsführer und Michael Amerer, kaufmännischer Geschäftsführer Verbund Innkraftwerke

"Vielen ist nicht klar: Der Inn ist kein Bach, er ist ein reißendes Gewässer," so Michael Amerer. "Der Fluss hat eine unterschiedliche Tiefe von 10 bis 30 Metern, am Einlauf sogar 50 Meter. Er fließt mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei bis drei Metern pro Sekunde. Das ist nicht zu unterschätzen." Ein großes Problem seien immer wieder Kinder, die nicht gelernt haben, dass der Fluss eine Gefahr darstelle. "Die spielen zu nah am Ufer, fallen hinein, können nicht schwimmen - oder wenn doch, können sie sich wegen des Stroms doch nicht mehr retten," so Amerer.

"Oftmals sind es auch Spaziergänger mit Hund, die in Bredouille geraten," warf Siegfried Klika, Bürgermeister von Waldkraiburg ein. "Wenn der Hund nicht hört und irgendwie ins Wasser kommt, will man den retten und gefährdet sich selbst - oder man fällt beim Spielen mit dem Hund ins Wasser. Das kommt wohl öfter vor."

Reaktionen der Regionalpolitik

Die anwesenden Politiker zeigten sich durchweg begeistert von der Initiative. "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Unternehmen die Problematik nicht lieber unter den Teppich kehrt, sondern Lösungen anbieten", lobte der Bürgermeister von Mühldorf am Inn, Günther Knoblauch. Für den Altöttinger Landrat Erwin Schneider sei die Kampagne sogar der Beweis, "dass der Verbund ein langfristiger und vertrauenswürdiger Partner in Sachen Wasserkraft am Inn ist." Der Mühldorfer Landrat Georg Huber freute sich, dass das Unternehmen die Regionapolitik bei derartigen Entscheidungen mit an den Tisch hole. "Die Kommunikation zwischen uns geht den kurzen Weg, das ist was Schönes."

Horst Krebes, Bürgermeister von Töging, glaubt, dass die Menschen am Inn zu leichtsinnig mit der Gefahr umgehen. "Wir leben eigentlich ganz gut am Innkanal, da vergisst man schon mal, was passieren kann." Daher sei der Einsatz des Verbunds, aber vor allem auch der Wasserwacht, von größter Bedeutung und besonders zu betonen. Für den Waldkraiburger Bürgermeister Siegfried Klika ist es nicht selbstverständlich, dass die Menschen ihre Freizeit an Innkanal verbringen können. "Wenn er eingezäunt wäre, würde uns auch ein wirklich schönes Stück Natur verloren gehen. Damit das nicht passiert, ist die Sicherheitskampagne ein guter Schritt." So könne man eben durch Prävention erreichen, dass das Gewässer sicherer werde und dennoch frei zugänglich bleibe.

Zu viele Kinder können nicht schwimmen!

Neue Schwimmringe am Inn

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Wasserwacht machten auf ein heikles Thema aufmerksam: "In vielen dritten und vierten Klassen können immer noch 40 bis 50 Prozent nicht schwimmen." Diesen Trend bemerken sie immer wieder in den Schwimmkursen, welche von der Wasserwacht angeboten werden. "Erschreckend!", so der Tenor im Raum. Daher hofft die Wasserwacht auf die freiwillige Mithilfe der Schulen. "Ansonsten werden wir sie furchtbar belästigen."

Jetzt stehen symbolisch vorerst an drei Standorten am Inn die neuen Infotafeln: an der Brücke Höchfelden in Töging, an der St. Erasmus-Brücke in Waldkraiburg und an der Eisenbahnbrücke in Mühldorf.

ds

Zurück zur Übersicht: Holzland

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser