Königin oder Hotzenplotz

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Die Proben laufen: Noch hat sich JLTB-Intendant Matthias Fischer (rechts) aber nicht entschieden, was ab Juni zur Aufführung kommt.

Mühldorf/Töging - Vor einem Jahr hat das Junge Landestheater Bayern (JLTB) den ehemaligen Gasthof Gillhuber zu neuem Leben erweckt. Jetzt laufen die Proben für die zweite Spielzeit an.

Der Umzug nach Töging war der Startschuss für ein erfolgreiches Jahr des Jungen Landestheaters Bayern. Inzwischen hat sich der alte Gasthof nicht nur in ein schmuckes Projekttheater verwandelt, sondern auch in ein kleines Schauspieler-Internat. "Einige haben sich entschlossen, gleich hier zu wohnen", erzählt die Erste Vorsitzende Vera Schweinstetter. Oben in den ehemaligen Hotelzimmern haben sich mehrere Mitglieder des Ensembles eingerichtet. Dass sich diese familiäre Atmosphäre auch in der täglichen Arbeit niederschlägt, hat das JLTB schon in der ersten Spielzeit bewiesen. Knapp 60 Mal stand "Kasimir und Karoline" zwischen Oktober und Dezember auf dem Plan.

Mit Erfolg, denn die Rückmeldungen der jugendlichen Zuschauer waren durchwegs positiv. "Durch eure Aufführung hat für mich das Wort 'Theater' eine ganz neue Bedeutung bekommen", heißt es zum Beispiel im Online-Gästebuch des JLTB. "Die Reaktionen der Jugendlichen haben uns gezeigt, wie stark sie das Stück berührt hat", sagt Schweinstetter. Gerade das offene Ende habe für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. "Viele haben eben das 'Happy End' vermisst."

Nicht nur die Zuschauer waren von der Leistung des JLTB begeistert, sondern auch der deutsche Landkreistag. Dieser nominierte im letzten Jahr das JLTB für den "Bundespreis kulturelle Bildung". "Eine wirklich große Ehre" sei das gewesen, betont Intendant Matthias Fischer. Schließlich habe man sich bundesweit gegen zahlreiche Konkurrenten durchgesetzt - auch wenn die Entscheidung der Jury im Kanzleramt letztlich auf ein anderes Projekt fiel.

Das hohe Ansehen des Theatervereins kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren begeistern Fischer & Co. nicht nur die Schüler im Landkreis Mühldorf mit frischem, innovativem Theater, sondern fördern auch junge Talente. Bestes Beispiel: Daniel Gawlowski. Der Hauptdarsteller aus "Kasimir und Karoline" wurde Anfang des Jahres an der Schauspielschule Falkenberg in München angenommen.

Und Gawlowski ist kein Einzelfall: Christian Erdt - bekannt aus "Notendruck" - hat ein Engagement am Staatsschauspiel in Frankfurt bekommen. Und Rosa Frey ("Pinocchio" und "Notendruck") absolviert gerade ihre Ausbildung zur Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen. "Es ist natürlich schön zu sehen, wie sich das alles entwickelt", sagt Fischer.

Und es entwickelt sich weiter. Schauspieler Laurenz Raschke und Musiker Björn Glindemann haben die vakanten Positionen im elfköpfigen Ensemble besetzt. Damit steht der neuen Spielzeit nichts mehr im Weg, auch wenn das Stück, das auf den Spielplan kommt, noch nicht bekannt ist.

Im Gespräch ist "Die Schneekönigin" von Hans Christian Andersen, ,"Drei Fragen" von Leo Tolstoi und "Der Räuber Hotzenplotz" von Ottfried Preußler. In der Probenphase werden derzeit jeweils einzelne Szenen gespielt und verschiedene Figuren mit Leben erfüllt. "Doch letztlich kommt es darauf an, welches Stück sich mit dem Ensemble am besten umsetzen lässt", erläutert Fischer.

Noch im März soll die Entscheidung fallen, ab April wollen der Intendant und die Vorsitzende dann die Schulen im Landkreis Mühldorf kontaktieren. Welche Jahrgangsstufen dann für einen Besuch im Gasthof Gillhuber in Frage kommen, hängt natürlich vom Stück ab. Auch in den Landkreis Altötting will das JLTB verstärkt seine Fühler ausstrecken. "Das bietet sich gerade in Töging natürlich an", weiß auch Fischer.

Fest steht: Im Juni ist Premiere, bis zu den Sommerferien sind wieder über 50 Schul- und auch mehrere öffentliche Aufführungen geplant. "Und wenn es jedoch eine große Nachfrage gibt, spielen wir auch gerne noch nach den Ferien weiter."

ha/vef/Mühldorfer Anzeiger

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