Töginger Einkaufszentrum bleibt Aufreger!

Töging - Beim Informationsabend zur Bürgerbeteiligung in Sachen neues Einkaufszentrum für Töging-Nord sind am Donnerstagabend Befürworter und Gegner aufeinandergeprallt. *Jetzt mit VIDEO*

Das Interesse der Töginger Bürger an der Planung des neuen Edeka-Markts war riesig. Der für den Infoabend vorgesehene Raum reichte am Donnerstagabend im Gasthaus Müllerbrau nicht aus, Wände mussten aufgeschoben werden, Besucher mussten im Vorraum sitzen, Beschwerden, man verstehe nichts, durchbrachen immer wieder die Diskussion.

Großes Gedränge im Gasthaus Müllerbräu

Von Seiten der Stadt läuft alles mit rechten Dingen ab. Das betonte Tögings Bürgermeister Horst Krebes mit Nachdruck. "Man muss auch mal sehen, wie wir uns bemühen!", so Krebes. Das Zentrum, ein Edeka-Vollversorger, soll im Norden Tögings "Harter Weg" entstehen. Und zwar auf dem Grund und Boden, auf dem das Töginger Volksfest sonst über die Bühne geht. Auf das müssten die Töginger - jedenfalls an dieser Stelle - dann verzichten. Für die Stadt ist aber klar: "Für die Attraktivität Tögings ist ein großes Einkaufszentrum wichtiger als ein Volksfest", so der Bürgermeister.

Der Vorschlag für den Edeka-Markt: links Anlieferung, oben Parkplätze, unten der Markt an sich, rechts Wohn- und Gewerbegebäude.

Der Markt soll eine Vollfläche von 2000 Quadratmeter inklusive Lagerfläche haben. An der Westseite soll Anlieferung und Versorgung stattfinden. Auf den Dächern ist eine Photovoltaikanlage möglich. "Die Stadt prüft für die Anrainer alles Notwendige," verspricht Krebes. "Es gibt ein unabhängiges Lärmschutzgutachten, die Bebaubarkeit wird durch ein Bodengutachten kontrolliert. Und zwar nicht von uns selbst, sondern vom Landratsamt und dem Wasserwirtschaftsamt." Wichtig war es Krebes auch zu betonen, dass sowohl der Bauträger als auch der Architekt Töginger Bürger sind. "Die machen ihre Sache dann schon recht, die wollen sich ja weiterhin hier blicken lassen können!"

Wir haben die wichtigsten Argumente des Informationsabends mal zusammengefasst. Wir beginnen mit den Befürwortern.

Die Argumente der Befürworter

Ganz oben auf der Argumente-Liste steht die Versorgung der älteren Menschen. Denen müsse es möglich sein, sich zu Fuß selbst die notwendigen Güter selbst zu beschaffen. Und zwar nicht nur mithilfe eines Discounters, bei dem es nur ein geringes Sortiment an Billigware gebe, sondern bei einem Vollversorger wie Edeka, der auch Non-Food-Produkte anbiete.

Herr Pfarrer aus Töging brachte ein, dass ein ernstzunehmender Markt heute gar nicht mehr anfange zu bauen, wenn ihm nicht wenigstens die Fläche von 800 Quadratmetern zur Verfügung stünde. "Wir sollten mal an das Allgemeinwohl denken und nicht immer nur an die eigene Situation." Für diese Aussage erntete Herr Pfarrer minutenlangen Applaus - fast als einziger an diesem Abend.

Ein weiterer Befürworter stieg in diese Argumentation mit ein. Er selbst wohne neben der Mehrzweckhalle und der Feuerwehr, was sicherlich auch oftmals problematisch, laut und unangenehm sei. Aber zum Wohle der Allgemeinheit würde er heute jederzeit wieder für die Mehrzweckhalle stimmen.

Außerdem sprach er den Punkt Arbeitsplätze an, die nicht nur durch den Markt, sondern auch durch den Bau und die Anlieferung der Markts entstehen würden.

Auch die Parkplatzsituation in Töging wurde angesprochen. Die sei wohl, das wurde von mehreren Seiten bestätigt, sehr kritisch, vor allem zu Schulbeginn und Schulschluss. Diese würde sich durch die Großzahl an neuen Parkplätzen wohl merklich entspannen, so die Befürworter.

Die Argumente der Gegner

Vor allem die Anrainer haben Angst. Angst vor Lärmbelästigung, Angst vor Müll und Schmutz, Angst vor einer gefährlichen Verkehrssituation.

Familie Hoffmann beispielsweise wohnt direkt am vermeintlichen Edeka-Grundstück, und zwar genau da, wo möglicherweise eine Ausfahrt geplant ist. "Dagegen wollen wir uns entschieden wehren!" Die Unfallgefahr sei zu hoch, da die Leute den Umweg über den Parkplatz nützen würden, um der Ampel auf der großen Straße zu entgehen.

Herr Maisenberger, der im Verlauf des Abends gleich dreimal zum Mikrofon vorlief - auch direkter Anrainer - brachte an, dass der Markt zwar großartig liege, aber die alten Leute bis zum nächsten Geldautomaten erstmal eine Weile laufen müssten. Und auf diesem Weg an einigen anderen Märkten vorbei kämen, wo sie dann eventuell eh direkt einkaufen gehen könnten. Ihm sei das Gebäude einfach zu mächtig. Auch er habe Sorge um Lärmschutz, schlug zu diesem Zweck ein Gitter mit Mauersteinen und Immergrünem Efeu vor. Außerdem wolle er sich dafür einsetzen, dass nachts ab einer gewissen Zeit die Beleuchtung ausgeschaltet werde, da es einem sonst ins Schlafzimmer hineinleuchte.

Ein weiterer Gegner sorgte sich, ob der riesige Markt überhaupt gerechtfertigt sei. "Nur, weil da ein großer Markt hinkommt, heißt das noch lange nicht, dass dort auch genug Leute einkaufen gehen. Und dann?" Außerdem hätte der Edeka keine von der Straße aus sichtbaren Parkplätze - ein wichtiges Argument für den Zulauf eines Einkaufsmarktes. "Da müsste dann ja wiederum mit viel Werbung drauf aufmerksam gemacht werden und das wollen wir auch nicht," so die Kritik.

Großer Ärger auch um die Unterschriftenaktion pro Edeka

Herr Unterreiner brachte den Stein am Donnerstagabend ins Rollen: Er kritisierte die Unterschriftenaktion für den neuen Einkaufsmarkt scharf. "Das war eine absichtlich suggestive Fragestellung. Da hätte man ja ebenso fragen können, wollen Sie reich und gesund oder arm und krank sein?" Natürlich wolle man, dass ältere Menschen gut versorgt sind und natürlich wolle man ein attraktives Töging. Aber nicht um jeden Preis, so Unterreiner.

Stadträtin Auer

Etwas später griff Stadträtin Elisabeth Auer - trotz offenbar schwerer Erkältung und kaum hörbarer Stimme - zum Mikrofon. "Ich habe die Unterschriftenaktion gestartet und ich stehe auch dazu. Aber ich lasse mir nicht vorwerfen, ich hätte mit Edeka zusammen gearbeitet. Diese ganzen Gerüchte, die da durch die Presse gingen - und auch hier heute am Rande gefallen sind - stimmen nicht. Ich habe mich für das Zentrum eingesetzt, aber nur mit besten Wissen und Gewissen für die älteren Menschen, damit die sich in Töging Nord selbst mit den notwendigen Gütern versorgen können."

"Wir sind mit dem Ja noch lange nicht durch", gab Bürgermeister Krebes gegen Ende des Abends zu. "Es werden jetzt noch einige Gutachten laufen und das Ganze wird noch weiter geprüft. Aber ich bin zuversichtlich, dass dem Projekt "Sondergebiet Einkaufszentrum Harter Weg" letztendlich nicht viel im Weg stehen wird."

ds

Rubriklistenbild: © ds

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