Unhistorisches am Zehentstadel weg

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Als Privatbesitz bleibt das "Bader"-Haus am Zehentstadel von den Abrissarbeiten unberührt.

Haag - Die Anbauten an den Zehentstadel sind abgerissen, unberührt davon blieb das alte Bader-Haus neben dem Bauernmarkt. Es befindet sich in Privatbesitz und fällt auch aus dem Rahmen der Gesamtrenovierung.

Zur Erneuerung des Zehentstadels beschlossen hatte der Gemeinderat, die "unhistorischen" Anbauten auf der Nordseite des Zehentstadels Richtung Bräuhausplatz zu entfernen. Damit soll die originale Wandhöhe wieder sichtbar werden und mehr Licht in das Gebäude einströmen.

Verschont vom Abbruch blieben drei Anbauten, so einer in der Mitte und der nach Osten. Es handelt sich dabei, so Zweiter Bürgermeister Dr.Winfried Weiß, um "halbhistorische" Anbauten, die sich allerdings in einem besseren Zustand befanden als die neueren. Von einem kompletten Rückbau des Zehentstadels in seiner originalen Größe wollte man Abstand nehmen, dann hätte nämlich auch die alte Turnhalle am Marktberg abgerissen werden müssen. Sie wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom TSV angebaut und dann der Brauerei zur Aufnahme der Abfüllung verkauft.

Angelaufen sind die Arbeiten zur Dachsanierung. Im Anschluss an den Pfarrhof sind die Ziegel bereits abgedeckt und Balken ausgetauscht. Hier traten allerdings Hindernisse auf, mit denen man nicht gerechnet hatte. Und so rechnet Baureferent Bernd Furch damit, dass man die Dachsanierung werde wohl nicht mehr abschließen kann.

Das Häuschen am Graf-Ladislaus-Weg 1 gehörte, das ergaben die historischen Forschungen von Dr.Eugen Kellner, im Jahre 1717 dem Bader Esaias Kagn. Um 1800 ist hier der "Wund- und Hebarzt" Anton Wappensperger registriert, ein "nicht studierter", aber in Wundbehandlung mit chirurgischen Eingriffen und in Geburtshilfe "geübter Heilkundiger". Sein Patientenkreis soll recht groß gewesen sein.

Sein Sohn übernahm das Gebäude mit der Dienstbezeichnung Chirurg. Es folgte wieder ein Chirurg mit dem Namen Franz Sales Hofer, der für zwei Jahre auch Bürgermeister in Haag und mit der Schneiderstochter Felicitas Dimpflmeier verheiratet war, die ihm sieben Kinder gebar. Eine Tochter heiratete wieder einen "Bader". Diesem folgte im 20. Jahrhundert der Bader Robert Huber, der dann sein Geschäft in die Hauptstraße verlegte. In der Neuzeit diente das alte "Bader"-Haus als Wohnung, einmal auch als "Modetruhe".

Völlig ungewiss nach wie vor ist die Zukunft des Gesamtkomplexes, die wohl auch von der Finanzkraft Haags abhängen dürfte. Freiwillig nachsitzen wollen Haags Gemeinderäte nach der Sommerpause in einer Sondersitzung über die Planung mit Architekt und Fachleuten. Ein Konzept über die Nutzung braucht es nach Bürgermeister Hermann Dumbs nicht. Das liege vom Städteplaner vor und beinhalte nicht nur Markthallen und eine Bibliothek, sondern auch Lagerräume und Platz für die Jugend. xy

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