Prozess: Schlägerei endet mit Schädelbasisbruch

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Mühldorf/Haag - Nach einer Schlägerei endete der Abend des 31. Dezember für einen 29-jährigen Mann mit einem Schädelbasisbruch. Jetzt fiel das Urteil im Prozess:

Der Täter wurde nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Es dauerte ein wenig, bis sich Richter Florian Greifenstein einen Überblick verschafft hatte, was genau am 31. Dezember gegen 3 Uhr morgens in und vor der Gaststätte Zeller in Haag vorgefallen war. Vor allem die Aussagen der drei Security-Mitarbeiter, die für die Sicherheit rund um die Discoparty zuständig waren, brachten schließlich Licht ins Dunkel.

Dabei spielt die Vorgeschichte im Lokal eine wesentliche Rolle. Denn ausgelöst hatte den Streit das Opfer Rudi N. (alle Namen von der Redaktion geändert). Zu später Stunde pöbelte der 29-Jährige auf der Tanzfläche ein Mädchen an, was wiederum deren Freund auf den Plan rief. Nach einem kurzen Gerangel ging Rudi N. mit einer Bierflasche auf den jungen Mann los.

"Da bin ich dazwischen und bekam die Flasche ab", erinnerte sich der Angeklagte Thomas D. vor dem Schöffengericht. Die Folgen: eine kleine Platzwunde über dem rechten Auge und Lokalverbot für beide.

Um die Situation zu entschärfen, brachte der Sicherheitsdienst zunächst Rudi N. vor die Tür, Thomas D. sollte sich erst einmal beruhigen und dann im Abstand von zehn Minuten ebenfalls das Lokal verlassen. "Das machen wir immer so. Wir wollen ja nicht, dass die Schlägerei vor der Tür weitergeht", betonte der Geschäftsführer des Sicherheitsdienstes.

Dummerweise war Rudi N. nach seinem Rauswurf noch einmal zur Gaststätte zurückgekehrt und stand just in dem Moment am Eingang, als Thomas D. nach draußen wollte. Dann ging alles ganz schnell. "Tür auf und drauf", beschrieb es die Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes.

Der Angeklagte schlug ohne Vorwarnung zu - und traf mit voller Wucht. Rudi N. taumelte, fiel die Treppenstufen hinunter und knallte mit dem Kopf so hart auf dem Boden auf, dass er sich einen Schädelbasisbruch zuzog. Thomas D. hatte immer noch nicht genug, sprang die Stufen hinunter und trat mit den Schuhen noch mindestens dreimal auf den Körper des bewusstlosen Mannes ein.

Der Sanka brachte Rudi N. ins Krankenhaus nach Wasserburg, erst nach drei Tagen Intensivstation bestand keine Lebensgefahr mehr. Neben dem Notarzt hatte der Sicherheitsdienst auch die Polizei verständigt. Doch die Streife kam nicht. Der Rettungsdienst hatte der Leitstelle fälschlicherweise mitgeteilt, dass der Verletzte ohne Fremdeinwirkung gestürzt war. "Wir haben den Sanitätern jedenfalls genau mitgeteilt, was passiert ist", hieß es dagegen übereinstimmend von Seiten der Security-Mitarbeiter.

Nachdem keine Polizei vor Ort war, wurden zum einen in dieser Nacht keine Zeugenaussagen aufgenommen, zum anderen keine Blutentnahmen angeordnet. "Zehn Bier und sechs Schnaps" habe er getrunken, gab Thomas D. vor Gericht an. "Ich war jedenfalls so voll, dass ich mich an nichts mehr erinnern kann", behauptete er.

Auch Rudi N. war alles andere als nüchtern: "Ich hatte vier Bier und zwei Jägermeister. Mehr weiß ich aufgrund meiner Verletzung nicht mehr." Das Verfahren gegen ihn wegen des Angriffs mit der Bierflasche hatte die Staatsanwaltschaft aus Mangel an Beweisen schon im Vorfeld der Verhandlung eingestellt.

Blieb am Ende die Frage, ob mit dem Faustschlag und den Tritten eine vorsätzliche oder - im Strafmaß schwerer wiegend - eine gefährliche Körperverletzung vorliegt. Das Schöffengericht befand, dass Thomas D. in seinem aggressiven Rauschzustand die Folgen des Schlages nicht mehr abschätzen konnte.

Blieb unter dem Strich eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Staatsanwaltschaft hatte - auch aufgrund der einschlägigen Vorstrafen - zwölf Monate gefordert, die Verteidigung lediglich eine Geldstrafe.

Von einer zusätzlichen Geldauflage sah das Schöffengericht ab. "Zivilrechtlich wird ja noch einiges auf Sie zukommen", erklärte Greifenstein Thomas D., der sich dann doch noch einmal an Rudi N. wandte: "Natürlich tut mir die Sache leid. Niemand wollte, dass die Geschichte so ausgeht."

ha/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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