Vortrag des Gartenbauvereins

Den Garten ohne Schnecken gibt es nicht

War es das Schneckenthema oder der Referent, der so viele Besucher zum Fachvortrag zog? Rudi Brand, Vorsitzender des St. Wolfganger Gartenbauvereins, freute sich über gut Hundert Besucher, darunter auch die St. Wolfganger Apfelkönigin Renate I, bei der ersten Fachversammlung mit Gärtnermeister Peter Gasteiger.

St. Wolfgang – Der Referent Peter Gasteiger, auch Vorsitzender beim Gartenbauverein Gars, begeisterte mit seinem schier unerschöpflichen Wortschatz und mit viel Humor von Anfang an die Zuhörer. Er sprach über die Schnecken und deren Bekämpfung. Er berichtete, wie sich in den 60er und 70er-Jahren die spanische hauslose Wegschnecke über ganz Europa verbreitete, wo die milden Winter und das relativ feuchte Klima ihnen ideale Lebensbedingungen bietet. Die Schnecke werde hier bis zu zehn Jahre alt, in Spanien nur fünf, außerdem werde sie von Jahr zu Jahr größer. Schnecken seien intelligente Tiere und hätten auf Grund ihrer nahezu Blindheit einen höchst ausgeprägten Geruchssinn von über 30 Meter weit „und sind hauptsächlich nachts unterwegs.“

Im Vergleich müsste der Mensch in einer Nacht ein halbes Schwein verzehren um volumenmäßig die Menge zu erreichen, die eine Schnecke frisst, so der Referent. Ihre Raspelzungen, mit Zähnchen versehen, zermalmten nichts lieber als zartes Grün. Die Schnecken legen, so der Referent, ihre Eier in Paketen von 50 bis 80 Stück in Erdhöhlen ab und das dreimal im Jahr.

Zur Bekämpfung der Schnecken gab der Fachmann zahlreiche Tipps: Angefangen mit der richtigen Platzwahl der Beete, der Bodenbearbeitung, dem fachgerechten Mulchen mit trockenem, scharfkantigem Material, der richtigen Kompostausbringung bis hin zum Anbau von „Feindpflanzen“, bot er mehr oder weniger zuverlässige Abwehrmethoden an. Bewährt habe sich das Gießen nur am Morgen und bereits im zeitigen Frühjahr, bevor der erste Salat gepflanzt wird, nach den gefräßigen Tieren Ausschau zu halten. Die schnellste und schmerzloseste Methode zum Abtöten der Tiere sei das Absammeln und anschließende Übergießen mit kochendem Wasser. Mit diesem Sud ließen sich angeblich weitere Schneckenangriffe vermeiden, wenn man bekannte Schneckenwege damit besprüht oder übergießt.

Eine gute Bekämpfung sei auch die Haltung von Geflügel, da dieses nicht nur die Schnecken, sondern auch deren Eier frisst, allerdings machen sich die Enten und Hühner gerne auch über die Pflanzen her. Zum Einsatz von Schneckenkorn gab Peter Gasteiger den wichtigen Rat, öfters das Produkt zu wechseln, weil sonst die Tiere die Körner nicht mehr aufnehmen. Ferner sollte das Schneckenkorn nicht zwischen den Pflanzen ausgebracht werden sondern nur am Rande der Beete, noch besser dort wo die Schnecken ihren Unterschlupf haben. „Schnecken schaffen in einer Nacht locker 14 Meter Wegstrecke vom Unterschlupf bis zum Fressplatz und wieder zurück,“ sagte Peter Gasteiger und fügte hinzu „leider ist der Einsatz von Schneckenkorn für den nützlichen und großen Schneckenvernichter, dem Igel, bedenklich“.

Der fast zweistündige Vortrag von Peter Gasteiger wurde mit viel Begeisterung und Heiterkeit verfolgt. Sein Fazit lautete aber zum Schluss: „Man sich darüber im Klaren sein, dass ein vollkommen schneckenloser Garten nie zu verwirklichen ist“.

Rubriklistenbild: © dpa

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