Betroffener Landwirt zum Fischsterben bei St. Wolfgang

"Hätten Tragödie verhindern können, wäre Polizei eher alarmiert worden" 

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Aufgrund von Gülleaustritt verendeten etliche seltene Fische im Rimbach bei St. Wolfgang. 
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St. Wolfgang - Austretende Gülle hat im Rimbach vor kurzem ein massives Fischsterben verursacht. Jetzt hat sich der betroffene Landwirt zu Wort gemeldet - und verurteilt das zu späte Handeln der Naturfilmer. 

Eine Produktionsfirma aus Dorfen, die einen Film über den Lebensraum der Mühlkoppen im Rimbach drehen wollte, entdeckte den Gülleaustritt aus der Grube eines landwirtschaftlichen Anwesens. Im nahe gelegenen Rimbach starben deshalb etliche der seltenen Exemplare und auch einige Forellen. 

Hätte das Ausmaß des Unglücks verringert werden können? 

In diesem Fall scheint es sich um einen Unfall gehandelt zu haben. Die Ursache war laut dem betroffenen Landwirt ein unter der Erde gelegenes Verbindungsrohr von der Drei-Kammer-Grube, das gebrochen war. "Wir hatten keine Chance, dies zu bemerken. Wir hätten die Tragödie verhindern könne, wäre die Polizei eher alarmiert worden", beteuert der Landwirt aus dem Landkreis Erding. 

"Die Naturfilmer entdeckten das Unglück um circa 7 Uhr, stellten schnell fest woher die Gülle kommt, teilten uns es jedoch nicht mit und alarmierten erst sehr spät die Polizei. Ihnen ging es wohl erstmal darum, die Tragödie auf Video festzuhalten. Auch beim Mithelfen waren sie nicht vorn dabei", lautet der Vorwurf des betroffenen Landwirts. 

Dann sei alles sehr schnell gegangen, die Feuerwehr habe mit Pumpen und Sperren sofort reagiert. "Hätten wir die Mitteilung vom Auslauf gleich bekommen, dann wäre es nicht zu solchem Fischsterben gekommen. Im oberen Teil des Baches sind keine Fische, da er im Sommer trocken ist und in den unteren Teil wäre nichts geflossen." 

Bitte um Verständnis für die Bauern

"Als Landwirt tut es mir am meisten weh, wenn ein solches Unglück geschieht", erklärt der Verursacher. "Natürlich versucht man, einen Auslauf von Gülle immer mit allen Mitteln zu verhindern, aber es ist trotzdem leider zu dem Leck in dem Rohr gekommen. Wir haben alles dafür getan, um den Schaden möglichst gering zu halten. Wir wollen deshalb nicht an den Pranger gestellt werden." 

Der Landwirt verweist in dem Zusammenhang auf die Landwirtschaft als seine Existenzgrundlage: "Ich bitte die Bevölkerung in einem solchen Fall auch um Verständnis für uns Bauern. Gülle ist der wertvollste natürliche Dünger, den es gibt. Wir Landwirte arbeiten 365 Tage im Jahr ohne Urlaub und Feiertage, wir werden auch gebraucht." 

Polizei bestätigt Zeitverzug bei der Verständigung

Die Polizei Dorfen bestätigt auf Nachfrage der Redaktion, dass es zwischen der Feststellung der Verunreinigung und der Alarmierung der Beamten einen zeitlicher Verzug gegeben habe. Demnach hätte der Schaden tatsächlich geringer ausfallen können, wäre die Polizei eher informiert worden. 

Dafür lobte der Dienststellenleiter der Dorfener Poleizeiinspektion den Einsatz der Feuerwehr. "Die Wehrler haben eine sehr gute Arbeit geleistet, das verschmutzte Wasser sofort abgepumpt und den betroffenen Bereich abgesperrt. Das verringerte das Ausmaß noch einmal um ein weiteres." 

Schaden hält sich in Grenzen

Das Wasserwirtschaftsamt München ist zwar federführend in dem Fall, aufgrund der Tatsache, dass sich der Rimbach als Fließgewässer nicht an Landkreisgrenzen hält, überprüften auch Mitarbeiter des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamts die Verunreinigung.

Dr. Hadumar Roch, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, kann die Situation entschärfen: "Unsere Untersuchungen im Rimbach haben ergeben, dass ein langfristiger Schaden wahrscheinlich auszuschließen ist. Die Feuerwehr hat das Gewässer sehr schnell abgesperrt und mit Frischwasser dosiert um Schlimmeres zu verhindern. Das System wird sich nach unserer Einschätzung relativ schnell erholen und eine Wiederbesiedelung von Tieren im Rimbach kann in Bälde erfolgen." 

Rimbach ist nicht der erste Fluss, in dem ein Fischsterben stattgefunden hat. Erst Mitte März haben Fischer im Mangfall-Kanal bei Bruckmühl etliche tote Forellen gefunden. In diesem Fall war jedoch kein Gülleaustritt verantwortlich: Die Fische waren mit Bakterien am Körper und in den Kiemen belastet, was wohl auf eine ungünstige Umwelteinwirkung zurückgeht. 

mb

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