Abwarten an der Kläranlage

Haag - Abwarten heißt die Devise für Neuerungen in der Haager Kläranlage. Die CSU ist für ein neues Verfahren, um das Problem der Schlammreduzierung zu lösen.

Klärmeister Hans Jahna riet ab.

Hans Urban hatte für die CSU eine Biogasanlage und somit die Umstellung auf anaerobe Schlammfaulung vorgeschlagen. Ein Ingenieurbüro solle sie "unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkulieren" trotz großer Investitionskosten des Projektes.

Auch mit Biogas und dem Effekt, die Menge des Schlamms zu reduzieren, sind die spezifischen Haager Probleme nach Ansicht des Klärmeisters Hans Jahna nicht gelöst. Das neue System müsse man bis zu fünf Jahre überprüfen, um die Entwicklung zu erkennen.

Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß (CSU) verwies auf die letzte Untersuchung des Systems in Aicha. Sie liege 16 Jahre zurück. Da habe sich einiges geändert. Ein Ingenieurbüro könne berechnen, ob eine Neuerung angesichts der Kosten sinnvoll sei. Dann braucht man Spezialisten, die auf wissenschaftlicher Basis untersuchen, so Jahna.

Dr.Wolfgang Weißmüller (PWG) wollte Ergebnisse von Gutachtern. Man könne sich auch an Betreiber von vergleichbaren Kläranlagen wenden. Vergleichbares mit der "sensiblen Haager Biologie" gibt es laut Jahna nicht.

Als "absolut richtig" beurteilte er die Feststellung von Herbert Zeilinger (CSU), dass ein erheblicher Anteil vom Milchwerk Jäger in die Kläranlage fließe, immer nur der Ist-Zustand untersucht werde und jede Neuerung umsonst sein könne. Bürgermeister Hermann Dumbs erinnerte daran, dass Jäger "seit einigen Jahren" dabei sei, seine Abwässer möglichst wenig zu belasten. Im Labor, so Jahna, führe das Milchwerk Versuche durch, um die "hochkonzentrierten Abwasserströme" zu reinigen. Was dabei herauskomme, wisse keiner. Der angekündigte "größere Versuch" sei seines Wissens nicht gemacht worden.

Zu bedenken empfahl der Klärmeister, dass sich das Haager Abwasser nicht nur vom Milchwerk, sondern auch von größeren Einleitern wie Brauerei, Krankenhaus und Bürgerheim zusammensetze. Es gäbe viele technische Möglichkeiten zur Verbesserung, auch zur Erhöhung des Energiegewinnes. Alles ende aber in einem "Zahlenspiel" über Baugröße, Technik und Finanzierung.

Sollte Jäger sein Abwasser so gut reinigen, dass es nicht mehr belastet sei, hätten Milchwerk wie Gemeinde auch ein Problem. Dann stünde eine kurzfristige Umrüstung an, um sich auf die Reduzierung der Schmutzfracht einzustellen. Dumbs warnte vor Experimenten. Schon Professoren hätten für Aicha das Falsche empfohlen. Was bei Meggle in Wasserburg funktioniere, sei in Haag gescheitert.

Gemeinsame Versuche von Gemeinde und Milchwerk regte Weiß an. Es müsse sich nachher aber rechnen. Der Klärmeister begrüßte den Vorschlag, da bei gemeinsamem Vorgehen die Kriterien des Wasserwirtschaftsamtes zählten. Da könne keiner mehr "pokern". Letztendlich entschied sich der Verwaltungsausschuss einstimmig dafür, die Ergebnisse der Untersuchungen des Milchwerks zu den Abwässern abzuwarten. Inzwischen solle sich der Klärmeister nach weiteren Möglichkeiten erkundigen.

xy/Wasserburger Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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