"Mozzarella blue" kam nicht gut an

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Haag - Gurken sind grün und Mozzarella ist weiß. Wehe, das ist mal anders. Was dann los ist, das hat das Milchwerk Jäger erlebt und sich nach dem Schock neue Ziele gesetzt.

"Es ist schon hart, wenn von einen auf den andere Tag fast die gesamte Produktion wegbricht", erinnert sich Hermann Jäger junior höchst ungern drei Wochen zurück. Da hatte ein - laut Jäger gesundheitlich völlig unbedenklicher - Keim im Wasser dafür gesorgt, dass sich der Mozzarella einen Tag nach dem Öffnen der Packung blau verfärbte. "Wenn er gleich gegessen wurde, war nichts."

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Die Charge des sich verfärbenden Käses war längst vom Markt genommen, da startete eine massive Kampagne in Italien. "Der italienische Bauernverband hatte nur auf eine solche Gelegenheit gewartet. Denen war es egal, welches Produkt von welcher Molkerei es war - Hauptsache aus Deutschland", ist sich Hermann Jäger sicher. Denn der große Marktanteil deutscher Molkereien ärgere den italienischen Bauernverband schon lange. Der folgenden Pressekampagne hielten die Supermarktketten nicht stand, Jägers Mozzarella flog aus dem Sortiment. Ein Problem, denn 90 Prozent des in Haag hergestellten Mozzarellas gingen bisher nach Italien.

"Dabei hatten wir noch Glück im Unglück mit dem Zeitpunkt, im Januar wäre das unser Untergang gewesen", so Jäger. Jetzt aber gab es Ausweichmöglichkeiten: Der Absatz in Ungarn konnte deutlich gesteigert werden, auch in Polen oder Bulgarien erobert sich Jäger gerade neue Märkte. Und die Milch, die in Haag derzeit nicht verarbeitet werden kann, wird weiterverkauft. Nach Wasserburg ebenso wie nach Italien, "wo dann aus bayerischer Milch italienischer Mozzarella wird".

Mozzarella sei in Italien im Juli immer knapp und das Fehlen des Käses aus Haag deshalb besonders zu spüren. "Die Menge kann so schnell keiner ersetzen", stellt Hermann Jäger fest. Wie groß der Marktanteil in Italien gewesen ist, weiß er nach eigenen Angaben nicht genau, der italienische Bauernverband spreche von 15 Prozent.

Ob die Absatzzahlen in Italien jemals wieder den Stand von vor ein paar Wochen erreichen, das bezweifelt Jäger. Da sei schon sehr viel Überzeugungsarbeit nötig, bis die Kunden, vor allem die Supermarktketten wieder kauften. Auch wenn er im Internet blogs gefunden habe, in denen dem Haager Mozzarella nachgeweint wird.

Außerdem will der Geschäftsführer der Molkerei das auch gar nicht zwingend: "Wir wollen nie wieder 90 Prozent eines Produktes auf ein Land konzentriert haben", das ist seine Lehre aus den Vorfällen.

Dankbar ist Hermann Jäger, dass er von Anfang an Unterstützung bekam, der Deutsche Bauernverband einschließlich Präsident sei aktiv geworden, Landesbäuerin und Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl auch. Die Europaparlamentarierin Angelika Niebler habe in Brüssel getan, was ging - zum Beispiel die Falschmeldung von einer Internetseite der EU zu entfernen, dass das Milchwerk geschlossen worden sei.

Die Befürchtung, dass das passieren könne, konnte Jäger junior am Anfang der Kampagne nicht ganz beiseite schieben. Dank neuer Absatzmärkte für den Mozzarella und des guten Milchverkaufs atmet er langsam auf. "Doch, mittlerweile bin ich relativ zuversichtlich!"

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