Kläranlage am Rand der Kapazität

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Haag - Viele Informationen und eine Diskussion, aber keine Lösung. Das war das Fazit der Gemeinderatssitzung über Klärschlamm und Schmutzfrachten in der Anlage in Aicha.

Die Belastung durch das Milchwerk könnte die Kapazitäten sprengen. Die Schmutzfrachten werden nach den Aufzeichnungen des Klärmeisters Hans Jahna schwieriger und sei, so Jahna, in Aicha nur noch "bis zu einem gewissen Punkt zu schaffen". Er empfahl, die Gemeinde solle gemeinsam mit der Molkerei Jäger die Bekämpfung der Schmutzfrachten angehen. Anhand eines Diagramms erläuterte Jahna den erheblichen Abfall der Schmutzfrachten ab Juni 2010. Das habe der Produktionsrückgang durch den "blauen Käse" bei Jäger ausgelöst. Nun aber stiegen die Frachten wieder an und der Schlamm habe danach eine ähnliche Entwicklung.

Das Auf und Ab der Belastung der Kläranlage in Aicha weist auch ferienbedingte schwache Produktionsphasen nach. Auswirkungen auf die Bewältigung der Haager Abwässer haben aber auch die Temperaturen. Bei mittleren Werten fährt die Anlage am besten. Im Januar sind die Bakterien beispielsweise nicht so aktiv wie sonst.

Die "Tagesspitzen" und "Wochenspitzen" sind nach Jahna genau zu beobachten. Wenn die Molkerei ihre Produktion erhöhe, werde das die Kläranlage langfristig nicht verkraften. Die Verwaltung solle sich mit Jäger an einen Tisch setzen, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

"Besprechungsbedarf" sah auch Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß (CSU), da die Belastungsgrenze in Sicht sei und sich die Schmutzfracht um ein Drittel erhöht habe. Zudem seien die Klärschlammkosten trotz Anschaffen der mobilen Entwässerung 2009 nicht wie erhofft nach unten gegangen. Nach Hans Jahna blieb der Kubikmeteranteil gleich, doch die Schmutzfracht erhöhte sich. Höchstwerte des Jahres 2010 waren Monate mit 330 Tonnen entwässertem Schlamm, der zur Entsorgung wegtransportiert werden musste. Nach dem alten System ohne Entwässerung hätte man eine weitaus höhere Menge. Die neue Presse habe deutlich reduziert.

Nach Kämmerer Manfred Mörwald zeichnen sich höhere Entsorgungskosten ab. Jack Jakel (PWG) schlug eine Orientierung an anderen Klärwerken mit Molkereistandorten vor. Es müsse doch Firmen geben, die sich auf diese Abwässer spezialisierten. Das Beste sei, wenn Jäger seine eigene Kläranlage betreibe. Zur Bewältigung der momentanen Klärschlammkrise schlug Jakel die Gründung eines Arbeitskreises mit Vertretern des Klärwerks, der Gemeinde und der Molkerei vor.

Im weiteren Verlauf der Debatte um Einleitungsmengen aus Haager Betrieben und Haushalten und um die bekannt "schwierige Haager Abwasserzusammensetzung" klärte Hans Jahna zur Kapazität Aichas grundsätzlich: "Wir können alles reinigen mit den nötigen finanziellen Mitteln."

Stefan Högenauer (CSU) spitzte mit der "Lastenverteilung" die Problematik zu. Es könne nicht angehen, dass die steigenden Kosten, ausgelöst vom Milchwerk, immer auf die Allgemeinheit umgelegt würden. Wenn die Klärproblematik mit finanziellen Mitteln zu bewältigen sei, so Konrad Kolbinger (CSU), müsse der Verursacher zur Kasse gebeten werden. Seit Jahrzehnten sei bekannt, dass die schwierige Zusammensetzung der Haager Abwässer vom Milchwerk ausgelöst werde.

Thomas Sax (CSU) forderte die Klärfachleute auf, ein technisches Konzept für die Zukunft zu erarbeiten. Das momentane Risiko für die Kläranlage und die Kosten müssen nach Peter Bauer, Vorsitzender der SPD, abgeschätzt werden.

Bürgermeister Hermann Dumbs schlug schließlich vor, das neue Jahr abzuwarten. Jäger habe eine Vorreinigung in Planung, wisse aber noch nicht, ob sie funktioniere.

xy/Wasserburger-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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