Kampf der Haager um ihr Krankenhaus

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Und sie gingen hin...

Haag - Zehn Jahre ist es her, dass das Haager Krankenhaus durch ein gemeinsames Aufbäumen der Bürger im gesamten Landkreis vor der drohenden Schließung gerettet wurde. Daran wollen die Organisatoren von damals mit einer Feier am morgigen Samstag ab 10 Uhr im Krankenhaus erinnern.

Daran wollen die Organisatoren von damals mit einer Feier am morgigen Samstag ab 10 Uhr im Krankenhaus erinnern.

Wie ein Donnerschlag rührte es 1999 die Haager, als der Beschluss im Kreistag mit 29 gegen 25 Stimmen für die Schließung der Inneren Ableitung des Krankenhauses gefallen war. Das bedeutete das Ende. Doch die "Sanierer" der Gesundheitsstruktur des Landkreises hatten nicht mit der Bevölkerung gerechnet. Sie stellte sich in ungewöhnlicher Einmütigkeit sofort hinter die "Rebellen" aus Haag, die ihr Krankenhaus retten wollten.

Über Parteigrenzen hinaus trieben von den Freien Wählern Dr. Bernhard Grabmeyer, heute noch Vorstand des Krankenhausfördervereins, von der CSU Ludwig Schletter und von der SPD Sissi Schätz das Bürgerbegehren voran. Den Arbeitskreis, der sich unter dem Dach der "Agenda 21 Haager Land" formierte, leiteten Dr. Winfried Weiß (CSU) und Franz Moser (SPD).

Ein erster Schlag ins Gesicht der Planer der Schließung war die Demonstration - Haag erlebte in seiner neueren Geschichte und wohl überhaupt nur zwei große Protestaktionen mit mehr als 1000 Leuten, eine gegen die Mülldeponie und eine für den Erhalt des Krankenhauses. Von der Krankenhausstraße, wo über Megaphon die Parolen dröhnten setzte sich der Marsch zum Bürgersaal in Bewegung.

Der Aufruf fruchtete: Bürger, Geschäftsleute, Ärzte von Haag und Umgebung hielten zusammen. In den Zeitungen wurden Sonderseiten unter dem Titel "Ja zum Haager Kreiskrankenhaus" geschaltet. Das rüttelte den ganzen Landkreis auf. "Tausende von Briefen wurden verschickt", erinnert sich Dr.Winfried Weiß, heute Zweiter Bürgermeister, der damals mit Franz Moser an der Spitze des Arbeitskreises zum Erhalt stand. Daneben klebte man 750 große und 1500 kleine Plakate. Aus 25 Gemeinden war die Rückmeldung gekommen, dass sie mitplakatieren. 2000 Luftballons flogen für das Haager Krankenhaus Richtung Himmel. 800 Anstecker wurden verkauft. Jeder Tag von Juni bis September war irgendetwas los.

Robert Scherzer, Vorsitzender des Verschönerungsvereins, hatte sein Mofa mit Plakaten bestückt. "Flächendeckende Versorgung für alle" lautete das Motto. Der Arbeitskreis traf sich wöchentlich im Schex-Italia.

14000 Unterschriften waren gesammelt, die letzten Diskussionen wurden angesetzt. Schließlich brachten die Organisatoren nicht nur Plakate und Werbesprüche "in die Höhle des Löwen" nach Mühldorf, sondern auch die Unterschriften zum Bürgerbegehren.

Die Abstimmung fiel überwältigend zu Gunsten des Haager Krankenhauses aus. "Das überzeugte auch den Kreistag", so Weiß. Mit einer Mehrheit von 40 zu 13 Stimmen fiel die Entscheidung schließlich für Haag. Sissi Schätz verlieh Mitstreiterin Waltraud Sax die erste und bislang einzige "Haager Tapferkeitsmedaille.

Das Haager Krankenhaus hatte sich aus einer bodenständigen Tradition entwickelt, als Milchkühe und Gemüsegärten noch zum Umfeld dieser Institution gehörten. Kostensparender als es wohl heute möglich ist wirkten die Schwestern, die erst ab 1945 als kleine Anerkennung ihres Dienstes 25 Mark Gehalt pro Monat erhielten, dazu kam das "Nadelgeld" und ein freier Tag im Monat.

So übernahm der Landkreis 1972 nach der Gebietsreform mit dem Krankenhaus eine "heile Welt". 1990 ging die Geburtshilfe verloren. 1993 wurde die Chirurgie wegen Unterbelegung auf 15 Betten reduziert, da man "Haag nur so erhalten" konnte. 1998 kam das Ende der Chirurgie.

Die Geriatrie - auch heute Hoffnungsträger und Garant der Zukunft - gibt es seit 1995, ein Jahr später kam das mittlerweile einen sehr guten Ruf genießende Schlaflabor ans Haager Krankenhaus.

re/Wasserburger Zeitung

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