Im Festzelt daheim?

Ilse Aigner in Haag: Hoher Besuch mit Taktgefühl

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Sissi Schätz wirkt stolz: Gerade hat sich Ilse Aigner im Goldenen Buch verewigt
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Haag – Bürgermeisterin Sissi Schätz schleppt das goldene Buch über den Festplatz, und fürs Foto lächelt sie gar mit Ludwig Schletter in die Kamera. CSU und SPD an einem Tisch? Warum? Wegen der 1 Meter 82 großen Politikerin, die ein bisserl aus dem Nähkästchen plauderte.

Donnerstagabend im idyllischen Haag. Das Nachtleben wird erst mit dem Anzapfen für’s Herbstfest aus dem Tiefschlaf gerissen. Doch vor den Toren des Festplatzes warten Mitglieder des CSU-Ortsverbandes Haag sowie des Kreisverbandes mit weiteren Politikern wie beispielsweise Marcel Huber, Sebastian Friesinger und Landrat Georg Huber gespannt auf den Ehrengast – auf Ilse Aigner.

Ilse Aigner zu Gast in Haag

Mit einem fröhlichen Hallo steigt die stellvertretende Ministerpräsidentin aus dem Auto und herzt ihre Kollegen. Berührungsängste hat sie auch im Zelt nicht. Händeschütteln und Lächeln für die „Fans“ und freilich die Medien ein Muss für jeden Amtsträger. Doch es wirkt gar nicht angestrengt bei der amtierenden bayrischen Wirtschaftsministerin. Schön findet sie’s und aus dem Nähkästchen plaudert sie einfach so. Sie braucht dafür keine großen Notizen, keine aufgesetzte Rede. Sie kennt ihre Punkte, die ihr am Herzen liegen und mit der sie den Abend frisch, charmant und pfiffig füllen kann.

Natürlich schreibt sie gerne ins goldene Buch des Marktes Haag.

Marcel Huber schwärmt von ihr

Die Begrüßungsworte spricht ihr Kabinettskollege Marcel Huber mit süffisantem und zugleich ehrlichem Unterton: „Liebe Ilse, schön dass Du meinen Wahlkreis, den schönen Landkreis Mühldorf besuchst“, so der Staatskanzleichef. Er erklärte mit einem bübischen Grinsen, dass es Kollegen gebe, mit denen man gut beschäftigt sei, weil man eben müsse. Dann gebe es Menschen im Kabinett, mit denen man gerne zusammenarbeite, weil man auf ehrliche Art und Weise zugunsten der Bürger beraten und entscheiden könne. „Dazu gehörst Du, liebe Ilse und wir freuen uns schon alle sehr auf Deine Rede“, so Marcel Huber.

Wie auch dem Staatskanzleichef kommt es zahlreichen anwesenden Bürgern über die Lippen: „Ilse Aigner wird wohl viel zum Thema Flüchtlingspolitik sagen“, schließlich stehe dies an oberster Stelle im momentanen Politiker-Alltag. „Sie glauben doch wohl nicht, dass es heute um Griechenland gehen wird“, witzelten etliche Anwesende, darunter auch Marcel Huber.

Ilse Aigner überraschte sie alle. Denn: Sehr wohl ging es auch um Griechenland. Bevor sie mit ihren Punkten begann, begrüßte Aigner die Haager Bürgermeisterin Sissi Schätz und entschuldigte sich gleich vorab, wenn sie gleich mal ein wenig über Entscheidungen und Meinungen der SPD (dieser gehört Sissi Schätz an) wettern würde.

Gar nannte sie die Bürgermeisterin von Haag „sympathisch, obwohl sie bei der SPD sei“. „Sie sind wohl ein Irrläufer bei der SPD“, überkam es Aigner in Richtung Sissi Schätz.

Streitthema Griechenland

„Warum Griechenland in die Europäische Union gekommen ist, kann ich nur bedingt verstehen“, so Aigner. Es ging ums Geld, um Eingeständnisse, darum, dass Bayern viel zu viel Länderfinanzausgleich leisten müsse. „Wir sind zwar solidarisch, aber nicht blöd“, kam es Aigner über die Lippen.

Flüchtlingspolitik

Die bayrische Wirtschaftsministerin kam nicht aus, auch dem Thema Flüchtlingsstrom nach Bayern etwas Zeit zu widmen. Sie habe an der Messe München vorbeigeschaut, um mit dort untergebrachten Menschen zu sprechen. Die Menschlichkeit, die hier durch viele Ehrenamtliche gegeben werde, sei großartig, so Aigner. Dennoch mahnte sie zur Gleichberechtigung. „Es darf nicht sein, dass nur in Schweden und in Deutschland Menschlichkeit stattfindet. Es muss besser verteilt werden und vor allem, es sollte in den Ländern mehr Hilfe stattfinden, aus denen die Menschen flüchten müssen. Vor Ort Hilfe muss endlich beginnen“.

Bildung als Aushängeschild

Sie sprach darüber, dass es wichtig und richtig sei, dass in Bayern so viel in die Bildung investiert werde und dass es von benachbarten Bundesländern fast schon frech sei, bayrische Studierende einfach abwerben zu wollen. „Ich habe aber bisher noch keine Flüchtlingswelle aus Bayern heraus gesehen, das lässt doch hoffen, dass wir in Bayern Vieles richtig machen“, so Aigner selbstbewusst.

Sie leierte die Themen nicht unnötig in die Länge, vielmehr schnitt sie zahlreiche Themen an, die vom Stammtischgespräch bis hin zum Unternehmenschef und den Familien gleichermaßen wichtig wahrgenommen werden. Sei es die Energiewende, die nicht erst ins Gespräch gekommen sei, nachdem es das Unglück in Fukushima gegeben hatte, betonte Aigner.

Sei es die Wichtigkeit, dass es zahlreiche Studierende und Akademiker geben müsse, die bestmöglich ausgebildet sein sollen – wohl aber niemals außer Acht gelassen werden dürfe, dass es bodenständige Fachkräfte brauche, die Ideen auch mit den eigenen Händen und Köpfchen realisieren könnten. Ilse Aigner befürwortete die möglicherweise eintretende Zukunftsaussicht:„Wir brauchen Handwerker, und es wird hoffentlich auch weiterhin viele Handwerker geben. Diese haben es sich verdient, mehr zu verdienen als ein Akademiker und wissen Sie was, ich gönne es denen auch, denn sie sind besonders wichtig in unserem funktionierendem Alltag“, so die stellvertretende Ministerpräsidentin.

Viel Beifall als Lohn sowie ein besonderes „Geschenk“ der Musikkapelle. Ilse Aigner gab den Takt an und durfte dirigieren. „Sogar das kann sie wirklich gut und ich muss sagen, ihre Rede war bezaubernd“, lächelte ein anwesender Haager.

Herumgefragt in den Reihen zahlreicher Ortsverbände und interessierten Besuchern im UNERTL Festzelt Furch, hieß es: „Sie hat nicht nur Honig erzählt, sondern einfach mal auch betont, dass sie natürlich alle Bürger, die sich wegen des enormen Ansturms der vielen Flüchtlinge nicht mehr verstanden fühlen, auch verstehen könne“, zeigten sich einige Gäste begeistert. Wohlwollend nahmen ehrenamtlich tätige Haager zur Kenntnis, dass Aigner allen besonders Respekt zolle, die sich ehrenamtlich engagieren. „Wir merken, dass es die Menschen sind, die Bayern ausmachen“, hieß es von Aigner auf Nachfrage von wasserburg24.de.

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Herbstfest-Infos

Auf dem Festplatz (Schäfflerstraße 8) vom 8. bis 17. September:

- Bierpreis: 8,20 Euro

- Festeinzug & Wiesneröffnung: 8. September ab 17.00 Uhr

- Festzug & Erntedankgottesdienst: 10. September ab 10.00 Uhr

- Brillianthöhenfeuerwerk: 11. September ab ca. 22.15 Uhr

- Kindertag mit ermäßigten Fahrpreisen: 13. September von 13 - 20 Uhr (Ausweichtermin bei Regen 15.09.)

- Oldtimetreffen & Festausklang: 17. September ab 11.30 Uhr

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