„SCHÄTZE DER EISZEITLANDSCHAFT“

Projekt fördert Biodiversität: Halbzeit für die Toteiskessel im Haager Land

Der abgebildete Toteiskessel befindet sich südlich im Gemeindegebiet Haag. Solche wassergefüllten Hohlformen sind eiszeitliche Überbleibsel.
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Der abgebildete Toteiskessel befindet sich südlich im Gemeindegebiet Haag. Solche wassergefüllten Hohlformen sind eiszeitliche Überbleibsel.

Das Gebiet zwischen Haag und Wasserburg zeichnet sich durch eine einzigartige Entstehungsgeschichte aus, welche ihren Ursprung während der letzten Eiszeit nahm. Hierbei entstanden nach Rückgang der Eiszeit innerhalb der durch Gletscher abgelagerten Moränenzüge sogenannte Toteiskessel.

Haag – Toteiskessel sind landschaftliche Besonderheiten mit überregionaler Bedeutung. Es handelt sich dabei um wassergefüllte Hohlformen.

Abhängig von ihrer Tiefe und Größe finden sich diese als größere Weiher, kleine wassergefüllte Tümpel oder auch kleine Hochmoore in der Landschaft wieder. Diese dienen zahlreichen hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum. Die Dichte und Ausprägung an Toteiskesseln ist für das Alpenvorland einzigartig.

Von Haag bis Wasserburg — Von Albaching bis Lengmoos

Um diese Kostbarkeiten der Landschaft zu erhalten und zu pflegen, haben im Juni 2019 die Landkreise Mühldorf und Rosenheim ein „BayernNetzNatur-Projekt“ gestartet. Das Projektgebiet erstreckt sich von Haag bis Wasserburg beziehungsweise von Albaching bis Lengmoos. Mit dem Projektmanagement wurde im September 2019 mit einer Laufzeit von drei Jahren begonnen.

Auf diese Weise erfassten die Fachleute bereits zahlreiche Toteiskessel im Gelände und dokumentierten deren Zustand. Sie erarbeiteten Vorschläge, um die Toteiskessel zu verbessern. Die Experten kartierten das Vorkommen der wertgebenden Artgruppen wie Amphibien, Libellen, Tagfalter und Heuschrecken, sodass ein genaueres Bild über deren Verbreitung im Gebiet entstand.

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In Abstimmung mit Landwirten und Grundeigentümern erfolgten auf vielen dieser Flächen Maßnahmen, um die Situation zu verbessern. Zum Beispiel galt es, verfüllte Toteiskessel auszuräumen sowie brachliegende Streuwiesen wieder zu mähen. Zudem ging es darum, zwischen den bestehenden Toteiskesseln Gewässer neu anzulegen, welche als „Trittstein“ dienen.

Der Kammmolch gehört zu einer der Zielarten des Projekts „Schätze der Eiszeitlandschaft“. Es gilt, seinen Lebensraum zu verbessern.

Im Landkreis Mühldorf wurde bisher an zwölf Toteiskesseln die Wasserfläche wiederhergestellt, im Weidholz bei Rechtmehring wird eine circa 3.000 Quadratmeter große und brachliegende Streuwiese wieder genutzt. Durch diese Maßnahmen profitieren Arten wie der Kammmolch, der Kleine Wasserfrosch, der Fieber-Klee oder die Sibirische Schwertlilie.

Gemeinsamer Weg mit Akteuren vor Ort geht weiter

Die Umsetzung erfolgte durch den Landschaftspflegeverband Mühldorf sowie dem Landratsamt Mühldorf in enger Zusammenarbeit mit Landwirten und Unternehmern vor Ort. Auch gemeinschaftliche Maßnahmen unterstützen das Projekt, wie zum Beispiel mit der Gemeinde Rechtmehring am Oberholzweiher bei Grub oder mit den Bayerischen Staatsforsten an einem Hangquellmoor im Großhaager Forst.

Ziel für die restlichen 1,5 Jahre Projektlaufzeit ist es, den Weg mit den Akteuren vor Ort fortzusetzen, die Bevölkerung weiter für die Besonderheit der Landschaft zu sensibilisieren und die Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten zu verbessern. Informationen zum Projekt gibt es hier. Die Ansprechpartnerin Lea Ficker ist unter Telefon 089/307497521 oder per E-Mail an lea.ficker@ifuplan.de zu erreichen.

Über 400 „BayernNetzNatur-Projekte“ umgesetzt

Die „BayernNetzNatur-Projekte“ fördern den Biotopverbund und die biologische Vielfalt. In Bayern wurden bisher über 400 Projekte umgesetzt, alle auf freiwilliger und kooperativer Basis. Als Projektträger treten zum Beispiel Kommunen oder Landkreise auf. Verschiedene Fördergelder aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln finanzieren die Projekte mit. Im Falle des Projekts „Schätze der Eiszeitlandschaft“ erfolgt eine Förderung über den Bayerische Naturschutzfonds und den Bezirk Oberbayern. (re)

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