Grandioser Auftakt zum Haager Starkbierfest 2018

Die Polizeistation in Haag: "What a wonderful World..." 

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Für das Singspiel beim Politikerderblecken schlüpften die Haager Starbkierfreunde mitunter in die Rollen der Beamten in der Polizeistation in Haag. 
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Haag - Zünftig, boarisch, derb - dass sich das Starkbierfest mittlerweile als feste Tradition der kleinen Marktgemeinde etabliert hat, steht außer Diskussion. Dieses Mal fand es bereits zum fünften Mal statt - und als "kleines Jubiläum" legten sich die Starkbierfreunde gleich doppelt ins Zeug. Dem Publikum hat es sichtlich gefallen: 

Am Freitag, 2. März, war es wieder so weit: Das hiesige Derblecken stand vor der Tür. Umrahmt von der Ramsauer Blasmusi begrüßten Tom Göschl, Hans Urban und Bernd Furch die Ehrengäste - darunter der Gemeinderat um Bürgermeisterin Sissi Schätz und Mühldorfs Landrat "Schorsch" Huber -  in Grandls Hofcafé. Bruder Barnabas alias Florian Haas fügte hinzu: "Willkommen am Nockherberg - Naa, am Lerchenberg samma hait!" 

Treffend, derb und bittere Wahrheiten: Die Starkbierrede 2018

Zu Beginn seiner Rede wollte der barfüßige Bruder wissen, welche Themen er eigentlich im vergangen Jahr durch den Kakao gezogen hatte. "Mei, Schwule, Frauen, Flüchtlinge und Sozis - die Randgruppen von Bayern halt", antwortete der vierköpfige Engelchor brav. Den Geschlechterstreit nahm Bruder Barnabas gleich wieder zum Anlass, um zu erklären, auch er sei in Wirklichkeit ein anderer: "Ich bin ein Einhorn, gefangen im Körper eines fast 40-Jährigen, der gerne redet." Das erkläre so einiges, waren sich die Engerl sofort einig. "Und nächstes Jahr heißt es dann, Einhörner müssen draußen bleiben."

Doch genug der Kritik an der eigenen Person, Bruder Barnabas war schließlich zum Derblecken nach Haag gekommen. Und er ließ keines der heiß diskutierten Themen aus - von der Firma Wurzer mit ihren Gelben Säcken über die Weihnachtsbeleuchtung und den Haager Faschingszug und ihren "Monstertrucks der Landwirtschaft samt Promilleanhängern" bis hin zum Verein "Haag Aktiv", der sich mit seinen über 70 Mitglieder lieber in "Haag Inaktiv" umbenennen sollte, wenn es um Barnabas ginge. 

Auch der TSV bekam sein Fett ab: "Das ist ja schon eine Leistung, wenn die nicht mal eine erste und zweite Mannschaft zusammentrommeln können." Und auf die Frage in Richtung der Engerl, wer's denn nun versemmelt hat, antwortete der Chor einstimmig: "Mei, nix gwies woaß ma ned!"

"Ich bin ein Einhorn, gefangen im Körper eines fast 40-Jährigen, der gerne redet." Florian Haas nimmt sich als Bruder Barnabas auch mal selbst aufs Korn. 

Sissi Schätz als "Mutti von Haag"? 

Lobende Worte hingegen hatte Barnabas für die Fertigstellung der Münchener Straße übrig - zumindest machte das zu Beginn den Anschein: "Sissi, sie ist schon ganz schee worn, die Münchner Straß', aber die Ampel... Wie kann man denn die Ampel so hinbauen? Mit einer viel zu schnellen Schaltung! Bis da so ein Mütterlein die Straße überquert, hat sie doch bereits ein Laster niedergemäht."

Am Ende spekulierte Bruder Barnabas über mögliche Kandidaten für eine Bürgermeisternachfolge der "Mutti von Haag". Von Dr. Wolfgang Weißmüller, der "unter der Pantoffel der Mutti" stehe, über den ehemaligen Faschingspräsidenten Herbert Zeilinger, der schon lange in sein "Bürgermeister-Spiegelbild" verliebt sei bis hin zu Hans Urban, dem "Hans-Dampf in allen Gassen" und Festwirt Bernd Furch, "König Ludwig von Haag".  

Ob Bürgermeisterin Sissi Schätz Florian Haas den "Mutti-Vergleich" übel nahm? "Nein, überhaupt nicht", lachte Schätz. "Mutti ist immer gut, sie steht für Beständigkeit und Ruhe. Da sieht man mal wieder, dass man an ihr nicht vorbeikommt." Ihr sei es außerdem eh lieber derbleckt, als gar nicht erwähnt zu werden. "Nachschießen gehört zum Starkbierfest dazu - mir hat die Rede von Bruder Barnabas gut gefallen, jeder hat so bisserl seine Quittung bekommen."

Ob sie weiterhin so lachen konnten? Mühldorfs Landrat Georg Huber und Haags Bürgermeisterin Sissi Schätz beim Starkbierfest in Haag 2018. 

Polizeistation Haag als "wonderful world": Das Singspiel 2018

Nach der umjubelten Rede von Bruder Barnabas rückte das Singspiel in den Fokus - oder vielmehr: Die Polizeistation Haag, angelehnt an die bayerische Kultserie "München 7". Die Starkbierfreunde entführten die Zuschauer einen Tag in den Tagesablauf der Polizei. "Geh ma's wieder o - werd uns ja eh nix anders überbleim", erklärte Hans Urban als Beamter zu Beginn resigniert und stimmte den Klassiker von Louis Armstrong "What a wonderful world" an: "Ottostraß' in Haag, mia arbeiten jeden Dog. Beamte, die jeder mog - Polizeistation Haag."

Am Empfang war freilich der Allgäuer Dagobert Schindler Herr über das Telefon und zeigte sich sichtlich enttäuscht darüber, wenn sich ein Unfall dahingehend entpuppte, dass jemand geradeaus über den neuen Kreisel der Münchener Straße gefahren sei, ein Banküberfall damit endete, dass der Räuber sich entschied, Geld einzuzahlen als zur entwenden oder der blonde Rotzlöffel Felix Kandler die Wahlplakate der Sissi beschmierte

Das aufregendste für den Allgäuer war - so schien es - wenn die Kollegen ihm seinen "Läberkäsch" vor der Nase wegfutterten. Einen richtigen Einsatz - den sucht man in der idyllischen Marktgemeinde scheint's vergebens. Trotzdem läuft auf dem Bildschirm im Hintergrund die aktuelle Fahndungsliste - mit sämtlichen bekannten Namen aus dem Haager Land. 

"San mia etwa gehackt worn?" fragen sich die Beamten der Haager Polizeistation entsetzt. 

Nachdem das Telefon trotz der "nichtigen Notrufe" nicht still stehen wollte, gab Dago den Apparat mit den Worten "Jetz gehscht du amal na" an seine Kollegin ab. Die sah sich prompt mit der Nachricht einer hinterhältigen Baumfällung am Soyener Bahnhof konfrontiert - doch darum sollten sich bitte die Wasserburger Kollegen kümmern, die Gemeinde Soyen liege schließlich schon im Gebiet des Nachbarlandkreises Rosenheim

Seine wandelbare Seite bewies Festwirt Bernd Furch, indem er sich nicht nur selbst spielte, das Unwetter im August 2017 bedauerte "Oh mei, da hod's uns saukoid dawischt!" und nebenbei das Engagement und die Hilfestellung der Haager nach der Verwüstung des Herbstfestgeländes lobte, sondern auch in der Rolle des neuen Polizeichefs Dirk Schreyer brillierte.

Auch Tom Göschl schlüpfte in mehrere Rollen und sorgte für den Running-Gag des Abends: Die verwaist auf der Straße liegende abgefahrene Ampel an der Münchener Straße, die er als braver Postbote auf der Polizeistation abliefert. 

Daneben kamen ebenso die Jubilare des vergangenen Jahres nicht zu kurz: Das 150-jährige Bestehen der ältesten Feuerwehr des Landkreises Mühldorf sowie das Aufstellen des Gipfelkreuzes vor 50 Jahren blieben im Singspiel keineswegs außen vor. Eine eigene Singrolle bekam dieses Jahr Hofcafé-Wirt Matthias Bachmaier

Allgemein sei das doch so ein Theater in Haag: Da sorge man im Schlosshof für ein Freilufttheater und rufe das "Wirtshaus im Spessart" ins Leben - und dann sei der Star im Stück der Bär.

"Do drüm is glegn - beim Dings mitten auf da Münchner Straß'", beschreibt der Postler (Tom Göschl) seinen Fund dem Polizisten Hans Urban. 

Wer noch alles erwähnt und verkörpert wird, warum es die Beamten mit Hochstaplern zu tun haben oder welcher Name den Polizisten ausgerechnet dieses Mal "ums Verrecken" nicht einfallen will obwohl er doch mit Windeln und Rollstühlen seinen Profit mache - Erleben Sie die Vorstellungen live, an folgenden Terminen

  • Samstag, 3. März 2018 
  • Freitag, 9. März 2018
  • Samstag, 10. Marz 2018

Einlass ist jeweils ab 18 Uhr, Beginn um 19 Uhr. Rede und Singspiel beginnen um 20 Uhr. Veranstalter des Starkbierfestes ist Matthias Bachmaier mit seinem gemütlichen Hochzeitsstadel in Grandls Hofcafe. Der Eintrittspreis beträgt acht Euro. Karten können bei Grandls Hofcafe unter der Telefonnummer 08072/744 reserviert werden.

Impressionen vom Auftakt am 2. März in Haag:

Haager Originale rund um die Polizeistation 

mb

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