Exklusives aus der Geschichte des Haager Wahrzeichens 

Schlossturm erwacht aus Dornröschenschlaf

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Die Sanierungsarbeiten am und im Schlossturm sind soweit beendet. Haags Bauamtsleiter lud zu einer exklusiven Führung. 
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Haag - Sich in einem Schlossturm mit Blick auf die bayerische Alpenkulisse das Ja-Wort geben - für viele Paare wohl eine traumhafte Möglichkeit, sich ewig zu binden, die bald im Haager Turm möglich sein wird. Eine von vielen Neuerungen, die die Instandsetzung des mittelalterlichen Bauwerks mit sich bringt: 

Andreas Grundner, Bauamtsleiter von Haag, verdeutlichte gemeinsam mit Bürgermeisterin Sissi Schätz anhand einer ersten Presseführung die Arbeiten, die in den vergangenen Jahren am Schlossturm vorgenommen wurden. Ein Blick in das frisch restaurierte Innere des Turms zu werfen ist tatsächlich ein Novum in Haag - der Turm war wegen der Sanierungen außer für Arbeiter und Mitwirkende gesperrt. 

"Die Arbeiten sind nun soweit abgeschlossen, dass wir den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich machen können, der Dornröschenschlaf des Turms wurde in Etappen beendet. Wir wollen jetzt zeigen, welche Ausstrahlung das mittelalterliche Gebäude besitzt", schwärmt Sissi Schätz und blickt in Richtung Turmspitze.

Auf der Südseite des Turms ist das rote Haager Wappen mit dem weißen Schimmel zu erkennen. 

Konzept: So viel Altbestand wie möglich erhalten 

2014 habe man laut Grundner mit der statisch konstruktiven Instandsetzung begonnen, etwa zwei Jahre später übernahmen die Innensaubauer die Arbeiten, um den Turm wiederbenutzbar herzurichten. 

Sprinkleranlage, Elektrifizierung, Brandschutz - trotz moderner und baurechtlich vorgegebenen Einbauten habe man dennoch den Fokus der Arbeiten auf den Erhalt des Denkmal-Charakters gesetzt: Man wollte sich möglichst nah am 500 Jahre alten Bauwerk orientieren und so viel wie möglich vom Altbestand zu erhalten. Die Arbeiten seien außerdem in enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege vorgenommen worden. "Die Instandsetzung eines mittelalterlichen Bauwerks braucht seine Zeit", resümiert Grundner die vergangenen Monate und Jahre. 

Im Schlosshof wird aktuell noch gearbeitet.

1,85 Millionen Euro nahm der Markt Haag für die Instandsetzung des Schlossturms in die Hand - davon fließen allein 400.000 Euro in die Sanierungsarbeiten der Ringmauer. Hier wurden mitunter die Fugen instand gesetzt und der starke Efeubewuchs zurückgestutzt. Kurzzeitig, so Grundner, habe man aus Sicherheitsgründen den angrenzenden Spielplatz sperren müssen: "Von der Mauer sind kindskopfgroße Steinbrocken heruntergepurzelt." Mittlerweile sei sie aber wieder standsicher saniert. "Das einzige, was sich hier noch bewegt, sind die Mauersegler, die abends rund um den Schlossturm ihre Jagdrunden drehen", erzählt Haags Bauamtsleiter lachend. 

Am Außenbereich des Turms, so Grundner weiter, habe man ebenfalls den Putz erneuert, "wir fanden sogar Putzreste, die vor 500 Jahren in Verwendung waren. Das ist selten, da viele Burgen wie Burghausen öfter und teurer saniert wurden und nicht mehr alte Bestandsstoffe beinhalten". Die Standfestigkeit des Turms sei mit Hilfe eines Endoskops, das durch ein zuvor gebohrtes Loch Einblicke in das Innere des Mauerwerks gab, festgestellt worden - wie Grundner erklärt, heutzutage eine gängige Praxis. 

Besonders gelitten habe die Westseite des Schlossturms, die den Wetterkapriolen der letzten Jahrzehnte ungeschützt ausgesetzt gewesen sei. "Hier sieht man nicht mal mehr das rot-weiße Schimmel-Wappen Haags." Insgesamt soll der Außenbereich, der aktuell noch instand gesetzt wird, in Zukunft für Veranstaltungen dienen sowie öffentlich zugänglich gemacht werden. 

So sah es vor der Sanierung aus: Fotos dokumentieren den früheren teils katastrophalen Zustand des Turms. 

Betritt man das Innere des Turms vom Kellerbereich aus, schwenkt der Blick als erstes in das ehemalige Verlies, das früher lediglich von oben über ein in die Decke geschlagenes "Angstloch" als Öffnung zugänglich war. Es riecht leicht muffig. Dank des Einbaus der Lampen im Turm wird dem Besucher ersichtlich, wie dunkel es dort war. 

Über eine neue anthrazit-farbene Treppe gelangt man in den ersten Stock, der zu damaligen Zeit wohl laut Grundner Ess- und Wohnbereich dargestellt habe. Das belege die steinerne Kamin- und Dunstabzugsecke

Trittsicherheit müssen die Besucher dann ab dem ersten Stock beweisen, denn original erhaltene hölzerne Keilblockstufen aus vergangenen Jahren, die lediglich mit Schrauben gesichert wurden, ermöglichen den Zugang in die oberen Stockwerke. Hier sind sogenannte Sitznischen ein wahrer Blickfang, in denen die Menschen früher saßen, um Tageslicht zu erhaschen. Zeigt sich der Boden bis zum dritten Stock noch in Ziegelform oder in länglichen Holzbalken, so wurde die Mitte des Turms komplett mit hellem Fichtenboden ausgekleidet. "Der wird aber mit den Jahren auch eine graue Patina annehmen", beruhigt Grunder vor so viel Neuerungen. 

Der Haager Geschichtsverein plant in den ersten drei Stockwerken ein Museum mit Exponaten aus vergangener Zeit zu errichten. Auch eine Schrift zur Burgforschung soll erstellt werden und anschauliche Modelle rund um den Turm seien in Planung

Der Ausblick vom letzten begehbaren Stockwerk des Turms in 26 Metern Höhe. 

Im vierten Stock wird das Trauungszimmer eingerichtet, das ab dem Frühjahr 2019 nach Absprache mit dem Standesamt Hochzeiten ermöglichen soll. Darauf ist vor allem Sissi Schätz stolz. "Ich habe das Zimmer mit dem wunderbaren Ausblick gesehen und gleich gewusst, es ist das richtige zum Heiraten." 

Ein Stockwerk weiter oben, im fünften, befindet sich der Kanonenstock. Hier heißt es Kopf einziehen, denn die alte Holzdecke ist sehr niedrig. "Dort haben wir auch zwei Webcams installiert, auf die man über unsere Homepage zugreifen kann", erzählt Grundner. "Eine zeigt den Blick zum Marktplatz der Gemeinde und eine lässt den Blick in Richtung Alpenpanorama im Süden schweifen." 

Der letzte für Besucher begehbare Stock liegt in einer Höhe von 26 Metern. Schwindelfrei sollte man schon sein, die kleinen Burgfenster lassen sich alle öffnen für einen ungehinderten Ausblick rund um Haag. Hier befindet man sich inmitten des achteckigen Ziegelturms und hat einen atemberaubenden Blick über die Marktgemeinde. Die restlichen 14 Meter bis zur Turmspitze seien laut Grundner lediglich für Wartungsarbeiten zugänglich.

Gemütlich eingenistet hat sich hier auch ein Turmfalkenpärchen zum Brüten. "Auch Schleiereulen wurden bereits am Turm gesichtet, vielleicht schaffen wir es, dass sich die Tiere nicht in die Quere kommen und sich ebenfalls im Turm einrichten können", sagt Grundner. 

Stören lassen werden sich die gefiederten Bewohner von den künftigen Besuchern eher nicht, sie sitzen abgeschirmt in ihrem Kästchen hoch oben im Turm. Am Tag des Denkmals am 9. September werden die sanierten Räumlichkeiten des Haager Wahrzeichens zum zum ersten Mal geführten Besuchergruppen von maximal 30 Personen näher gebracht und im Rahmen von geschichtlichen Anekdoten vorgestellt. 

Impressionen vom restaurierten Schlossturm: 

Impressionen vom restaurierten Haager Wahrzeichen 

mb

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