Stand der Bauarbeiten Mitte September 2019 

Schlosshof-Sanierung an Haags Wahrzeichen - Selbst die Dohlen sind interessiert 

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Der Haager Schlosshof aus der Vogelperspektive. Die Pflasterarbeiten befinden sich bereits im Endspurt. 
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Haag - 9 Uhr morgens, die letzten frühherbstlichen Nebelbänke lichten sich, die Luft ist schon bisserl frostig und erste kühle Windböen pfeifen bei einstelligen Temperaturen um den Schlossturm. Es beginnt zu herbsteln. Das aber tut den Sanierungsarbeiten rund um Haags Wahrzeichen keinen Abbruch. Bei einer Besichtigung des Schlosshofs wird deutlich wohin die Reise geht. 

Vor eineinhalb Jahren begannen die ersten Vermessungen, Erdbewegungen und archäologischen Dokumentationen. Nun sieht es immer noch ziemlich nach Baustelle aus im Schlosshof. Doch so langsam zeichnet sich das Bild, wie sich das Wahrzeichen in Zukunft präsentieren wird, ab. 

Andreas Grundner, Bauamtsleiter von Haag, erklärt beim Rundgang über den Hof, dass die Bürger überwiegend positiv auf die Sanierung reagieren würden. Einen Erfolg der ersten "Kostprobe" habe man auch zuletzt am Marktsonntag im September gehabt, der Schlosshof sei gut besucht gewesen und habe viele Interessierte angelockt. 

Erfreulich sei Resonanz auf das neue Bodenpflaster, das sich in leicht gekrümmter Optik rund um den Turm darstellt. "Es handelt sich bei der Stufenanlage um handgefertigte Granitnatursteine aus dem Bayerischen Wald", erklärt Grundner. "Würde man eine Schnur hinauf bis zur Turmspitze spannen, würde diese exakt mit dem Zentrum der Steine abschließen." 

Noch bevor der Bauamtsleiter weitere Maßnahmen der Bauarbeiten rund um den Schlossturm erklären kann, fallen ihm einige freche Dohlen lautstark krächzend ins Wort. Sie flattern immer wieder um den Turm und machen es sich in kleinen Balkenlöchern an Turm und Nischen in der Ringmauer gemütlich. "Die Dohlen sind total unbeeindruckt von den Arbeiten im Schlosshof", betont der Bauamtsleiter und fährt schmunzelnd fort, die Vögel seien vielmehr sehr interessiert, würden ständig beobachten und hätten sogar schon den Arbeitern ein paar Käsebrote stibitzt oder Kabelbinder für den Bau ihrer Nester verwendet

Andreas Grundner leitet das Haager Bauamt und begleitet die Arbeiten am Schlossturm seit Anbeginn der Planungen. 

"Wir sind in engem Kontakt mit einem Ornithologen aus Ebersberg. Dieser zeigt sich erfreut, dass die Dohlen-Population in Haag wächst. Und auch unseren Turmfalken geht es gut - sie bekommen im Rahmen der Pflanzarbeiten, die noch im Herbst diesen Jahres über die Bühne gehen werden, einen eigenen Anflugbaum", so Grundner weiter. Seitlich der Ringmauer entsteht ein Magerrasen, eine Mischung aus Humus und Kies.
"Wir haben den bisherigen Stand an Pflanzen genau kartiert um herauszufinden, welche Arten hier am Turm gut wachsen. Daran wird sich auch die Neupflanzung orientieren, Lichtnelken sind beispielsweise geplant. Besonders stolz sind wir auch, dass die beiden Mispeln, die an der Ringmauer ihren Platz gefunden haben, erhalten bleiben können - diese Bäume sind eher selten bei uns", betont Grundner. 

Komplett barrierfrei wird sich der Schlosshof allerdings nicht sanieren lassen, räumt Grundner ein. Dafür jedoch "barrierearm". Stufen und Platten seien so konzipiert, dass Rollstuhlfahrer problemlos den Hof passieren können. Zudem seien die Stufen jeweils am unteren Rand mit einem schwarzen Streifen markiert, sodass sehbehinderte Menschen sich ebenfalls zurechtfinden. Materialzusammensetzung und Anordnung habe in Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeauftragten des Markts Haag stattgefunden. 

Stufen und Ringmauer werden Grundner zufolge mittels Leuchtkonzept künftig in ein besonderes Licht getaucht: "Zusammen mit Planern und dem Gemeinderat haben wir deshalb auch nachts Ortstermine einberufen, um mit der Beleuchtung den Schlosshof samt Turm entsprechend in Szene zu setzen. So wird die Ringmauer künftig mit weichem Licht durchflutet, während die Stufen runde und stärkere Leuchten bekommen. Der Einbau ist eine der nächsten Arbeiten, die anstehen." 

Neuer Haager Schlosshof nimmt Gestalt an

Apropos Ringmauer: Hier soll an einer Stelle in der Nähe der Freitreppe ein Geländer angebracht werden, damit die Besucher einen sicheren Blick über die Mauer werfen können. 

Offen sei laut Grundner, was mit dem Grafenstock, in dem bisher Anlagen der Haager Wasserversorgung untergebracht waren und der inzwischen leer steht, geschieht: Möglicherweise könne man hier in einem zweiten Projekt Toiletten unterbringen

Unter 700.000 Euro Gesamtkosten

Ein Ende der Sanierungsarbeiten ist für das kommende Jahr angesetzt - einen genauen Zeitpunkt in 2020 kann Grundner noch nicht festlegen. 

Die Kosten seien ebenso noch nicht vollständig absehbar. "Ursprünglich angesetzt waren 500.000 Euro, dazu kamen jedoch Kosten für Planänderungen und zusätzliche Materialien wie eine zusätzliche vierte Stufe am Eingang", erklärt der Bauamtsleiter abschließend. Man bewege sich jedoch grob geschätzt in jedem Fall unter 700.000 Euro an Gesamtkosten

mb

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