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Gehen im Haager Innklinikum die Lichter endgültig aus?

Mitarbeiter kämpfen um „ihre“ Klinik: „Sind wie eine Familie“

Vorübergehende Schließung Innklinikum Haag
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Noch brennen vereinzelt Lichter im Innklinikum Haag - auch wenn es vorübergehend geschlossen ist. Doch die Angst, es könnte gänzlich dunkel bleiben in den Stationen, geht um in Haag.

Dunkel und verwaist erheben sich die Schatten des Innklinikums Haag in Oberbayern am Donnerstagabend aus dem Herbstnebel. Erst seit wenigen Tagen ist die Klinik geschlossen, doch die Angst, das könnte sich zu einem Dauerzustand entwickeln, wiegt schwer - vor allem bei betroffenen Mitarbeitern.

Haag in Oberbayern - „Wir sind wie eine Familie, das lassen wir uns nicht kaputt machen.“ Sätze wie diese verdeutlichen den Ernst der Lage um das Innklinikum.

Es kamen nur wenige Angestellte an diesem Bürgerdiskussionsabend in die Pizzeria „Casa Tropea“, zu der die SPD Haag um Bürgermeisterin Sissi Schätz lud. Allesamt wollen sie anonym bleiben - zu groß die Furcht vor Konsequenzen seitens des Arbeitsgebers.

Schließlich befinden sie sich in einem festen Arbeitsverhältnis und seien offiziell für drei Monate von Haag nach Mühldorf „abgeordnet“ worden. Was nach diesen drei Monaten geschieht, das liegt offenbar genauso im Dunklen wie die Klinikräume in der Krankenhausstraße.

Personalmangel in Mühldorf - Haager Mitarbeiter versetzt

„Das InnKlinikum Haag wird vom 1. November 2022 bis zum 31. Januar 2023 für drei Monate geschlossen“, heißt es kurz und knapp auf der Homepage. Grund sei die Versetzung eines Großteils der Mitarbeiter an das Innklinikum Mühldorf, um dort den Betrieb wegen Personalmangels weiter aufrecht halten zu können. Eine knappe Nachricht am Eingang der Haager Klinik bringt kaum mehr Information - mit dem Zusatz im Notfall solle die 112 gewählt werden.

Ein Zettel am Haupteingang des Innklinikums in Haag informiert über die vorübergehende Schließung.

Mitarbeiter wollen zurück in „ihr“ Haager Klinikum

Der Tenor der Mitarbeiter, die querbeet auf verschiedene Stationen, darunter die Corona-Station in Mühldorf verteilt sind, war deutlich: Sie alle möchten zurück in „ihr“ Haager Klinikum.

„Drei Monate mache ich mit, doch danach...“, sagt eine Mitarbeiterin an diesem Donnerstagabend und ihre Stimme verebbt für einige Sekunden, ehe sie leise erklärt: „Wenn es bis Jahresende keine Perspektive für die Haager Klinik muss sich mir wohl oder übel etwas andere suchen.“ Zustimmendes Nicken, betrübte Gesichter und Schulterzucken seitens ihrer Kollegen.

Die Befürchtung, dass die Lichter in der Klinik für immer aus bleiben, setzt den Haagern zu. Sätze wie „Das ist so gewollt seitens der Verantwortlichen und der Politik“ oder „Das Haus soll ausgetrocknet werden“ fallen an diesem Abend zur Genüge. Essenswägen seien bereits nach Burghausen gebracht, die Räume leer geräumt und auf die drei übrigen Standorte in Mühldorf und Altötting verteilt worden. Und all das nur wenige Tage nach der Schließung.

„Woher sollen wir wissen, ob die Schließung nicht doch gewollt ist?“

Liegt es etwa an der defizitären Lage der Krankenhäuser? Den Mitarbeitern, so versichert eine junge Schwester, sei stets gesagt worden, das Zentrum für Altersmedizin laufe „super“ und man sei nicht im Minus. „Im Nachhinein hat man das Gefühl, die Leitung verschweigt uns etwas. Woher sollen wir wissen, ob die Schließung nicht doch gewollt ist?“

Wollen um eine Wiedereröffnung der Haager Klinik kämpfen: Bürgermeisterin Sissi Schätz, Seniorenbeauftragte Fini Deliano und Eva Rehbein, Vorsitzende der Haager SPD (von links).

Dabei besitze das Innklinikum Haag einen sehr guten Ruf, die Haager schätzen ihr Krankenhaus, die kurzen Wege und die qualitativ hochwertige Pflege in der Altersgeriatrie. Diese Einschätzung aus der Bürgerschaft kann auch die Bürgermeisterin bestätigen. Sie ist nicht die einzige Haagerin, die voll und ganz hinter dem Erhalt des Hauses mitten in der Marktgemeinde steht.

„Mir ist wichtig, dass wir hier Stationen haben, an die der Hausarzt seine Patienten zur stationären Behandlung überweisen kann. Zudem ist die Nähe zum Wohnort auch für Angehörige ideal“, erklärt Schätz mit Nachdruck.

Zusammen mit der Vorsitzenden des Förderverein des Krankenhaus Haags, Christa Heindl, werde sie die gesammelten Argumente im Kreistag noch in der Oktobersitzung vortragen. Ihr Ziel: Die Wiedereröffnung der Stationen am 1. Februar 2023.

Flüchtlingsunterbringung statt Altersgeriatrische Behandlungen?

Wieso man dem Haager Haus eine anderen Funktion als einen Krankenhausbetrieb zuschreiben sollte, darin sieht Schätz keinen Grund. Es kursieren nämlich laut den Mitarbeitern bereits Gerüchte, die Räume könnten künftig Flüchtlingen Schutz bieten.

Dies sei zwar noch nicht an die Bürgermeisterin herangetragen worden, dennoch hat Schätz einer möglichen Dauerschließung eine Kampfansage gemacht. Denn nicht umsonst sei die Akutgeriatrie im Innklinikum Haag im Krankenhausplan des Landes Bayern aufgelistet.

Demo oder Lichterzug für Erhalt der Klinik?

„Darin werden nur Häuser aufgenommen, die gewisse Voraussetzungen erfüllen. Das sehe ich hier in dem multiprofessionellen zweihundertzwanzigköpfigen Team definitiv. Die Akutgeriatrie ist ein wichtiges Standbein für Haag und Umgebung.“ Es handle sich bei den Mitarbeitern um ein „hochqualifiziertes Team in einer Fachklinik“, so eine Errungenschaft dürfe nicht einfach so aufgegeben werden.

Am Ende des Abends war man sich einig, dass mehr mobilisiert werden müsse, womöglich könnte eine Demo oder ein Lichterzug durch die Marktgemeinde helfen, dem Anliegen der Haager Nachdruck zu verleihen: Nämlich, dass sie ihr Klinikum langfristig so wie es bislang Bestand hatte erhalten wollen.

mb

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