Kampf gegen die Versicherung

Besitzer des „Unertl Bräustüberls“ kämpft um Corona-Schadensersatz

Das Bräustüberl in Haag. Eine Traditionswirtschaft, die seit fast 100 Jahren besteht. Familie Frische betreibt seit 13 Jahren mit Herz und Seele den Betrieb. Jetzt müssen sie aber gegen eine große Versicherung kämpfen.
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Das Bräustüberl in Haag. Eine Traditionswirtschaft, die seit fast 100 Jahren besteht. Familie Frische betreibt seit 13 Jahren mit Herz und Seele den Betrieb. Jetzt müssen sie aber gegen eine große Versicherung kämpfen.

Die Corona-Krise hält uns bereits seit einem Jahr in Atem und die Gastronomen sind nach wie vor schwer von den Lockdown-Bedingungen betroffen. Im „Unertl Bräustüberl“ in Haag herrscht aber zusätzlicher Stress: Tim Frische versucht seit Mai letzten Jahres Versicherungsansprüche geltend zu machen - jetzt klagt er vor Gericht.

Haag in Obb. - Das Unertl-Bräustüberl, eine Wirtschaft, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts existiert und fest in Haag verankert ist, wird seit 13 Jahren von der jungen Familie Frische geführt. Katrin, die Wirtsdame, ist die gute Seele des Hauses. So begrüßt und bedient Sie stets freundlich die Gäste des Bräustüberls und auch ihr Ehemann Tim Frische ist mit Haut und Haaren in diesem Wirtshaus verankert.


Doch das Corona-Virus legte das Leben der Menschen komplett lahm und machte auch bei Familie Frische nicht halt. Vor einem Jahr, es war der 13. Februar, zeigte der Betreiber die typischen Anzeichen von Corona. Er hatte Fieber, grippeartige Symptome und er roch „absolut nichts mehr“. Zu diesem Zeitpunkt war das Virus in dieser bayerischen Region aber noch nicht im Umlauf, so dass die Ärzte ihn nach einem Test erst mal nach Hause schickten.

Ein paar Tage später wurde Herr Frische informiert, dass er mit Corona infiziert worden sei und der ganze Betrieb für drei Wochen in die Quarantäne musste - das alles vor dem ersten Lockdown (dieser startete am 22. März). Dementsprechend wollte er seine „Betriebschließungsversicherung“, die er vor 13 Jahren bei der Allianz abgeschlossen hatte, geltend machen. Die Versicherung bot an, dass Frische eine Schadensmeldung machen könne - unter der Voraussetzung, dass 15 Prozent Entschädigung geltend gemacht werden. Dies verneinte der Bräustüberl-Betreiber, mit der Begründung, dass dem Betrieb mehr zustehen würde. Seitdem streitet die Familie Frische mit der Allianz-Versicherung.


Letzter Ausweg: Das Gericht

Seit Mai 2019 muss er sich mit dieser Auseninandersetzung rumschlagen und mittlerweile sieht Frische keinen anderen Ausweg mehr, als das Gericht in Traunstein. „Mein Anwalt meinte wir würden diesen Fall zu 99.9 Prozent gewinnen, aber im Moment geht einfach nichts am Münchner Gerichtshof.“ Auf die Frage hin, wie lange der Prozess ungefähr dauern wird, erwähnte der Wirtschaftsbetreiber nur, dass der Prozess sich in die Länge ziehen könnte. Er meint: „Solange muss gewartet werden.“

Mittlerweile die Versicherung gewechselt

Mit Hilfe der Anwälte wurde auch die Versicherung, außer die Betriebsschließungsversicherung gewechselt. „Alle anderen Versicherungen hätten sofort gezahlt. Ich habe mir nie was zu Schulden kommen lassen“, erzählt Tim Frische. Einer seiner Kollegen soll diesbezüglich bereits Beiträge von einer Versicherung erhalten haben. Auf Anfrage der Redaktion, ob die Allianz-Versicherung ein Statement zu den Vorwürfen geben könnte, reagierten sie mit der Aussage, dass die Agentur diesbezügliche keine Aussagen machen dürfte, aufgrund des Datenschutzgesetzes.

Brauereigasthöfe besonders hart von der Pandemie betroffen

Der bayerische Brauereibund betont, dass Wirtschaften es in der Corona-Pandemie besonders schwer haben. „Während Bäckereien und Konditoreien mit angeschlossenen Café-Betrieben als „Gastronomiebetrieb“ gelten, fallen Brauereigasthöfe als sogenannte „Mischbetriebe“ durchs Förderraster und gehen gänzlich leer aus.“, so der Verein.

Die Familie Frische ist aber eigenständig und nicht von der Brauerei abhängig, weshalb sie die Corona-Hilfsgelder beantragen konnte. Dennoch musste die Familie aufgrund der Anwalts- und Prozesskosten bereits „in Vorkasse“ gehen. Nichtsdestotrotz meint Frische, dass sie diesen „Verlust nie wieder auffangen“ werden.

Dementsprechend wird trotzdem gearbeitet, um die Rechnungen zahlen zu können. Und auch seine Frau Katrin Frische musste bereits einen Nebenjob suchen. „Die Stammgäste sind das Leben der Wirtschaft! Auf dem Land wird man wenigstens unterstützt, im Gegensatz zu den Städtischen Betrieben, aber auch das lässt nach.“, so Frische.

Dennoch sieht der Wirt positiv in die Zukunft. „Hoffnung ist ganz wichtig, aber das Gerede der Politiker ignoriere ich“, so der Betreiber. Zudem rät er jedem der eine Versicherung abschließt, dass sie ja das Kleingedruckte lesen sollen, damit solche Situationen nicht passieren.

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