Aktuelles Interview mit Haager Polizeichef 

"Eine polizeifreie Zone in Haag existiert auch nachts nicht"

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Dirk Schreyer ist seit über einem Jahr der neue Leiter der Polizeistation Haag. 
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Haag - Seit gut einem Jahr ist Dirk Schreyer Leiter der Polizeistation in Haag. Was hat den 50-Jährigen in die kleine Marktgemeinde verschlagen? Ein Gespräch über verschiedene Einsatzorte, Sicherheit bei Festen und die unfallträchtige B12: 

Dirk Schreyer war dienstlich viel unterwegs, drei Mal im Ausland, beispielsweise in Albanien. Die Haager Polizeistation ist seine siebte Verwendung in der Region. Vorher war er in Holzkirchen, Trostberg, Grassau, Rosenheim und Mühldorf. Die letzten Stationen waren das Sachgebiet „E2: Ordnungs- und Schutzaufgaben“ im Polizeipräsidium Oberbayern Süd und als Dienstgruppenleiter der Inspektion Waldkraiburg. War es in der viel größeren Stadt Waldkraiburger turbulenter als in der kleinen knapp 7000-Seelen-Gemeinde Haag? 

„Das kann ich so nicht ganz unterschreiben“, sagt der Polizeihauptkommissar. „Waldkraiburg besitzt eine ganz andere Bevölkerungsstruktur und hat rund 25.000 Einwohner. Zwangsläufig haben wir in der Stadt mehr Einsätze, die aber dafür auch auf mehrere Schultern verteilt sind. Im Haager Land betreuen wir mit deutlich weniger Beamten sechs Gemeinden. Flächenmäßig gesehen sind wir ungefähr gleichauf mit Waldkraiburg.“ 

Unfallschwerpunkte B12 und B15 halten Polizei auf Trab 

Die Hauptbelastung der Haager Beamten sei definitiv die unfallträchtige B12. Mit Geschwindigkeitsüberwachungen oder Kontrollen versuche man die Unfälle zu reduzieren – aber vor allem nachts steigt die Zahl der Autofahrer, die sich nicht an Begrenzungen halten, erheblich. 

„Wir sind verstärkt uniformiert unterwegs und überwachen die beiden Bundesstraßen B12 und B15“, erklärt Schreyer. „Die Polizei muss gesehen werden, das ist auf der Straße ebenso wichtig wie bei Veranstaltungen. Wir wollen den Leuten ein Gefühl der Sicherheit geben.“ 

Überlegungen Waldkraiburger Sicherheitswacht einzubinden

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Beim Haager Herbstfest war Schreyer 2017 das erste Mal dabei. „Das lief einwandfrei ab. Wir arbeiteten Hand in Hand mit Gemeinde und Veranstaltern, die Kooperation war hervorragend. 2017 hatten wir eine ganz ruhige und friedliche Wies‘n“, freut sich der Polizeichef. 

Ein Ereignis, das in diesem Jahr leider die Sicherheit in der Marktgemeinde überschattete, war der sexuelle Übergriff am Haager Faschingszug im Februar: „Wir waren mit so vielen Kollegen wie noch nie vor Ort – leider konnten wir die Tat nicht verhindern“, bedauert Schreyer. 

Nun überprüfen wir die Möglichkeit, bei künftigen Festen wie dem Haager Herbstfest die Sicherheitswacht aus Waldkraiburg als Ansprechpartner vor Ort einzubinden.“ Die Bevölkerung erkenne die Sicherheitswacht an und es sei eine tolle Sache, dass sich zivile Bürger für ihre Mitbürger ehrenamtlich einsetzen würden. 

Haag ist nachts "nicht schutzlos"

Nachts ist die Station der Haager Beamten unbesetzt und werde von den Waldkraiburger Kollegen mitbetreut. Viele Bürger bemängeln die Öffnungszeiten der Polizeistation von 7 bis 19 Uhr und wünschen sich rund um die Uhr polizeiliche Ansprechpartner. 

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Schreyer kennt den langjährigen Wunsch der Bevölkerung. „Wir wünschen uns auch, das Problem langfristig zu lösen. Eine Anpassung der Öffnungszeiten wird derzeit geprüft, ist aber zwangsläufig mit einer Personalaufstockung verbunden. Dies könnte sicherlich nur mittel- oder langfristig umgesetzt werden, wenn es aufgrund verschiedener Entwicklungen notwendig würde. Haag ist nachts aber nicht schutzlos. Die Kollegen aus Waldkraiburg fahren Präventivstreifen und zeigen Präsenz.“ 

Schreyer weiter: “Wichtig in Bezug auf Prävention ist außerdem die Notruf-Offensive 110“, betont Schreyer. „Auch wenn Haag nachts nicht besetzt ist, jeder Notruf läuft über die Einsatzzentrale in Rosenheim ein und wird zu jeder Zeit bearbeitet. Eine polizeifreie Zone in Haag existiert genauso genauso wenig wie ein unnötiger Notruf.“ 

Ein Fazit zum Schluss: Allgemein aber gefalle es dem 51-Jährigen gut in Haag: „Es gibt spannende Aufgaben, aber das ist immer so im Polizeiberuf – da gibt es keine Routine und was die Zukunft bringt weiß man nicht.“

mb

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