Wiesngeschichten aus 30 Jahren

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Gerlinde und Anton Gruber mit einem Volksfestplakat aus den 80er-Jahren. 

Haag - Wiesngeschichten aus 30 Jahren Erfahrung tauschten die einstigen Organisatoren Gerlinde und Anton Gruber aus. Dabei entdeckten sie manche Gemeinsamkeit mit dem heutigen Haager Herbstfest.

Der Bierpreis blieb über die Währungsreform von den Zahlen - wenn auch nicht vom Wert - her stabil: 6,60 Euro kostet die Mass heute, damals waren es 6,90 Mark. Das besondere Sonntagserlebnis der 70er Jahre war für die Männer das Boxen. Heuer fand es erstmals wieder statt. Groß war der Andrang 1970 beim Damen-Catchen. Wenn heute Kaffee und Kuchen auf der Wiesn geboten wird, ist das nichts Neues. Haag hatte früher auch schon das Kaffeezelt.

Lange Jahre, so Anton Gruber, zählte das Haager Volksfest "jeden Tag ein volles Zelt", bis es abflaute. Der größte Rummel herrschte, als Franz Josef Strauß sprach. Allein außen herum drängten sich 2000 Gäste um die Lautsprecher. Zehn Tage lang dauerte die Wiesn nach alter Tradition. Seit dem ersten Herbstfest, das Bernd Furch letztes Jahr ins Leben rief, ist es auch wieder so.

Woanders hatte man schon Seniorennachmittage. Gerlinde Gruber wollte sie auch in Haag einführen und musste "lange kämpfen", bis auch die Wirte mitzogen. Seit 1987 führte sie Chronik. Ein Plakat hob sie "aus Nostalgie" auf. "Nächtelang" waren beide beim Aufhängen unterwegs. Die Plakate mit dem Schlossturmmotiv hatten Übergröße und waren weitum bekannt.

Dirndl-Prämierung

Bis in die 60er Jahre war die Gemeinde Ausrichter der Volksfeste, die auf der Gruber-Wiese, wo heute das Wohnareal des "Maximilian" steht, stattfand. Dann hielt man die 1000 Mark Wiesngebühr für zu teuer. Also sprang die Familie Gruber als Ausrichter ein. Anton Gruber faszinierte das Fest von klein auf. Als Bub schaute er schon immer beim Aufstellen der Zelte zu, als Erwachsener kaufte er sich 1988 sei eigenes. Lange Jahre standen Haager Gastronomen als Wirte zur Verfügung. Dann wollte keiner mehr. So holte man die bisher bekannteste Wiesnwirtin nach Haag: Irmgard Springer.

Bis zu 19 Schausteller zählte man schon, darunter viele Stammgäste, so die Fischbraterei Arnold, die heute noch mit Leni Arnold und Tochter Liesbeth vertreten ist. Eine Besonderheit bot die historische Orgel, die auch auf dem Oktoberfest stand und in Haag einen Sondertarif erhielt. Für Neugier sorgten die Mondrakete und das Fahrgeschäft "Roundup Hawaii". Beliebt bei Kindern war der Reitsaloon. Überfüllt war das Zelt, als erstmals eine Schwarze, Joe Williams, in einer Showband sang.

Kindertag Haager Herbstfest

"Der Tag der Betriebe und das Feuerwerk waren die besten Tage", erinnert sich Gerlinde Gruber. Mit besonderem Engagement kümmerte sie sich um die Kindernachmittage. Einen Malwettbewerb begutachteten Bürgermeister, Chefarzt und Kunstexperte. Ein Luftballon des Weitflugs landete erst in Ungarn. Den eigenen Kran stellte Anton Gruber für das Bungee-Jumping aus 50 Meter Höhe auf: "Das war damals modern."

Der Festzug fiel früher allerdings nicht groß oder gleich ganz aus. Den größten Unterschied stellen Gerlinde Gruber und Anton Gruber beim Alter fest: In den 60er Jahren galt man höchstens mit 30 volksfestreif. Die Jugendlichen, wie sie heute die Zelte füllen, standen höchstens am Autoscooter. Besonderes Lob verdiene aber der jetzige Herbstfestchef Bernd Furch dafür "dass er alle Haager unter einen Hut gebracht hat".

xy/Wasserburger Zeitung

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