Die Wahrheit über die Haager "Liebes-Linde"

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Etwas entzaubert wird die angebliche "Pettenpeck-Linde" im Hofgarten von Rudolf Münch, auch wenn sie als Friedenslinde immer noch 364 Jahre alt ist.

Haag - Die Liebesgeschichte über die Prinzen-Braut aus Haag und die Linde im Hofgarten ist einfach zu schön um wahr zu sein. Historiker Rudolf Münch entzaubert sie:

Wie Historiker Rudolf Münch nun aufklärt, stammt Maria Pettenpeck, die "Braut aus Haag" gar  nicht aus Haag. Die Fakten sind vielmehr: Im Spätherbst 1588 heiratete der pädophile bayerische Prinz Ferdinand, damals 38 Jahre alt, in München das 15-jährige Mädchen Maria Pettenpeck, Tochter des Dachauer Gerichtsschreibers Georg Pettenpeck. Die Braut war bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in Haag gewesen. "Sie wusste gar nicht wo dieser Ort überhaupt liegt", so Münch.

Richterstelle in Haag als "Hochzeitsgeschenk"

Aber der liebesblinde Bräutigam erfüllte ihren Wunsch, den lieben Vater vom Gerichtsschreiber zum Landrichter zu befördern. Und weil gerade in Haag eine Dienststelle als Richter vakant war - hier war der Landrichter Renz im Herbst 1588 gestorben - erhielt der Vater der Braut auch ohne Jurastudium die Richterstelle in Haag, sozusagen als Hochzeitsgeschenk.

In den 40er-Jahren kam der Münchner Lehrer A. Trautner nach Haag und wollte ein wenig Münchner Flair in den kargen Marktflecken bringen. Also verlegte er kurzerhand die Liebesgeschichte von Maria und Ferdinand, die sich eigentlich in München abspielte, wo Maria gelegentlich im Hirschgarten flanierte, ins graue Haag. "Bereitwillig nahm die Haager Bevölkerung nun diese Märchengeschichte auf, die Trautner 1951 in seinem Buch '1000 Jahre Haager Geschichte' veröffentlichte", so Rudolf Münch: "Die Beziehung von Maria Pettenpeck aus Haag ist also glatt gelogen." Auch Richter Pettenpeck, der Anfang 1589 seinen Dienst in Haag antrat, war vorher noch nie in Haag. Dagegen war Prinz Ferdinand einige Male hier, wenn er im Herbst zu einer Sauhatz im Haager Forst reiste.

Münch: Menschen hören lieber die Lügengeschichte

"Das kam aber äußerst selten vor. Denn der gute Prinz hielt sich ansonsten mit Vorliebe bei Verwandten in Köln auf, er wolllte eigentlich Priester werden", hält der Historiker fest. Er sei ja auch nicht Herzog von Bayern gewesen, sondern aus einer Seitenlinie, habe also nie regieren dürfen. Später wohnte das Ehepaar im Palais am Rindermarkt in München, nicht in Haag. Die Ehe sei auch keineswegs "glücklich" gewesen. "Die hohe Zahl der Kinder rührt einfach daher, dass man damals noch keine Verhütungsmittel kannte." Aus sicheren Quellen sei zu erfahren, dass Maria ihren Ehemann, der 58-jährig starb, mit Stallburschen vom Rindermarkt betrog und die sauer verdienten Steuergelder ihrer geplagten Untertanen haufenweise vergeudete. "Daher die hohen Schulden. Aber so etwas will die Menschheit von heute nicht hören, also bleibt es bei der Lügengeschichte."

Linde hat nichts mit Maria Pettenpeck zu tun

Die Linde im Hofgarten wurde ebenfalls nicht von oder für Maria Pettenpeck gepflanzt, sondern laut Münch als Friedenslinde nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648, gute 50 Jahre später. "Sie ist also 364 Jahre alt", korrigiert Münch die geschönte Geschichtsschreibung.

Wasserburger Zeitung

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