Schule in der Pandemie

Herausforderung „Corona-Abitur“: Schülerinnen aus Gars zwischen Dankbarkeit und Unsicherheit

Die Situation der Abiturienten ist schwierig, da hilft manchmal nur noch Humor. So wie bei den Schülern auf unserem Symbolbild. Ihr Abschlusspullover hat die Aufschrift: „Corona hABI – Zuhause geblieben, trotzdem bekommen“
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Die Situation der Abiturienten ist schwierig, da hilft manchmal nur noch Humor. So wie bei den Schülern auf unserem Symbolbild. Ihr Abschlusspullover hat die Aufschrift: „Corona hABI – Zuhause geblieben, trotzdem bekommen“

Die Vergleichbarkeit des „Corona-Abiturs“ wird derzeit leidenschaftlich diskutiert, auch im Wasserburger Land. Die Stufensprecherinnen des Gymnasiums Gars erzählen von ihren Sorgen kurz vor den Prüfungen.

Gars – Wie steht es um die Vergleichbarkeit des Abiturs 2021? Diese Diskussion wird derzeit leidenschaftlich in den Medien und in der Politik geführt. Einige Meinungsführer wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordern sogar die Absage der Prüfungen.

Dagegen sind andere der Überzeugung, das Abitur in diesem Jahr wäre zu einfach. Schließlich wurde schon einiges vom Lernstoff gestrichen und Termine wurden nach hinten verschoben.

Schule ist zum Privileg geworden

Franziska Reiner, Hannah Thiel, Anna Hauner und Johanna Schmied, Stufensprecherinnen am Gymnasium Gars und selbst Abiturientinnen in diesem Jahr, stimmen dieser Aussage nicht zu.

„Unser Abitur ist trotz Stoffstreichungen genauso schwierig wie die Jahre zuvor“, erklärt Schmied entschieden, „wir mussten uns schließlich einiges selbst beibringen und sind lange Zeit alleine vor dem Computer gesessen.“ Die Streichungen seien dadurch völlig gerechtfertigt.

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Inzwischen sind alle vier wieder regelmäßig in der Schule und dafür sind sie sehr dankbar. „Das ist ein Privileg“, erklärt Hauner. Die Perspektive auf die Schule hat sich bei ihnen im vergangenen Jahr verändert. „Inzwischen bin ich froh und dankbar, dass ich in die Schule gehen darf“, sagt Schmied. „Vorher war das eher ein Muss, jetzt darf ich.“

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Vor allem, wenn sie ihre Situation mit der von jüngeren Schülern vergleichen, verspüren die Abiturientinnen Dankbarkeit. „Die sind zum Teil seit Monaten zuhause“, sagt Schmied, „und wer weiß, wie lange das noch geht.“ Denn eines haben die vier aus dem Homeschooling gelernt: „Im Online-Unterricht fehlt einfach die soziale Komponente.“

Dabei gehe es nicht nur darum, Freunde zu sehen und sich mit anderen auszutauschen. „Vor allem bei Fächern, die von der Diskussion leben, zum Beispiel Religion, braucht es den direkten Kontakt“, erklärt Reiner.

Sorge wegen steigender Infektionsgefahr

Und obwohl die Abiturientinnen den anderen Schülern die Möglichkeit zum Wechsel- und Präsenzunterricht wünschen, wissen sie auch um die Gefahren. „Es ist natürlich ein Risiko“, erklärt Reiner. Nicht nur die Infektionsgefahr steige durch die volleren Busse, auch die Sorge um die Entwicklung der Inzidenzen werde größer.

„Ich hatte vor allem in der Woche vor den Osterferien Angst, dass auch die Abschlussjahrgänge wieder von zuhause aus lernen müssen“, sagt Reiner.

Die Unsicherheit ist groß, auch aufgrund der neuentbrannten Debatte rund um die Abiprüfungen. „Ich bin einfach froh, wenn das alles hinter mir liegt“, erklärt Schmied. Das ständige Hin und Her zerre an den Nerven.

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Doch nach dem Abitur stehen die Abschlussschülerinnen vor der nächsten großen Entscheidung: Ausbildung, Studium oder doch lieber ein Freiwilliges Soziales Jahr? Auch diese Frage wird von Corona beeinflusst.

Auslandsaufenthalt nicht möglich

„Man bekommt leider viel weniger Informationen als sonst“, sagt Reiner. Sie sei vor Kurzem auf einer Online-Führung einer Hochschule gewesen. „Das war gut, aber irgendwie ist das nicht dasselbe wie bei einem Besuch vor Ort“, sagt sie. „Vor allem, wenn man noch nicht so genau weiß, was man möchte, ist das ein Problem.“

Aber auch die Ungewissheit darüber, was und wie viel im Herbst möglich sein wird, treibt die Schülerinnen um.

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„Eigentlich wollte ich nach dem Abi ins Ausland“, erklärt Thiel – „Work and Travel“ oder ein Au Pair-Jahr standen für sie zur Debatte – „aber das ist mir im Moment einfach zu unsicher. Ich werde dann wahrscheinlich doch gleich mit dem Studium anfangen.“

Studium wegen Pandemie verschoben

Ganz andere Pläne hat Johanna Schmied, sie hat ihren Studienbeginn sogar nach hinten verschoben. Corona war einer der Gründe dafür. „Ich möchte kein Online-Studium anfangen“, erklärt Schmied. „Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.“ Stattdessen tendiert sie nun zu einem Jahr Bundesfreiwilligendienst.

„Und es ist ja nicht nur die Frage, ob man studieren sollte“, erklärt Reiner, „da geht es auch um andere Dinge, zum Beispiel: Soll ich mir eine Wohnung suchen? Lohnt sich das denn überhaupt?“ Im Moment, so Reiner, sei es äußert schwierig, solche Entscheidungen zu treffen. Schmied nickt. „Ich selbst neige nicht zu Zukunftsangst, aber es gibt viele, denen es so geht.“

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