Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Beschimpfungen, Ausgrenzung, Streit

„Fettarsch“: Eine Garser Autorin kämpft für Frieden im Kinderzimmer

Friedensforschung–- kreativ umgesetzt.
+
Friedensforschung – kreativ umgesetzt.

Die Sprache bei Kindern verroht zunehmend, stellt Mutter Jessica von Ahn fest. Wie sie mit einem Buch von Kindern für Kinder dagegen ankämpft.

Gars – Es waren zum Teil krasse Worte, mit denen sich die Mädchen und Buben beim Kindergeburtstag von Jessica von Ahns Tochter im Sommer 2022 beschimpften. Die Mutter war entsetzt über die verrohte Sprache – und auch über Verhaltensmuster, die ihr schon vorher aufgefallen waren: Ausgrenzung, Beschimpfungen, Streit. Von Ahn, Autorin und Journalistin mit Redaktionsbüro in Gars, entschied: „Ich schreibe ein Buch über friedliches Miteinander.“ Jetzt ist es fertig: 60 Seiten voll bunter Bilder und Kinderaussagen zur Frage, warum der Frieden auf der Welt im Kinderzimmer anfängt.

Autorin Jessica von Ahn (rechts) und Künstlerin Andrea Ernst freuen sich über das fertige Werk.

Kinderkurse gegeben

Wieso kommunizieren Kinder heutzutage oft so schlecht miteinander? Warum neigen sie dazu, andere auszuschließen? Von Ahn wollte es wissen und lud Mädchen und Buben im Alter von fünf bis zehn Jahren aus Lengmoos, Gars, Soyen, Kirchdorf, Rechtmehring, Reichertsheim und Wasserburg zur Friedensforschung ein. 31 nahmen an den Kinderkursen teil. Sie beschäftigten sich an acht Tagen im August und September 2022 in Lengmoos in Rollenspielen, Theaterstücken und malend mit der Frage, wie Konflikte in einem guten Miteinander gelöst werden können.

Mädels grenzen aus, Jungen verletzen

Dabei schlug von Ahn als Leiterin den Bogen von den Alltagssituationen der Mädchen und Buben in Schule, Familien- und Freundeskreis zur großen Weltpolitik, denn auch Flüchtlingskinder aus der Ukraine nahmen teil. Der Autorin fiel auf: Mädchen neigen eher dazu, mit Worten zu verletzen, andere auszuschließen. Jungs reagieren auch körperlich aggressiv. Sie spüren nach Erfahrungen der Kinderkursleiterin oft die Grenzen zwischen einer harmlosen Rauferei, die zum Jungssein dazugehört, und beginnender Gewalt, die wirklich verletzend ist, nicht mehr.

Von Ahn arbeitete mit den Kindern in den jeweils zweitägigen Workshops auch heraus, was sie unter Glück verstehen. „Wenn ich einen Salto vom Sprungbrett im Schwimmbad schaffe“, lautete eine Antwort. „Wenn ich Tiere streicheln kann“, eine andere. Außerdem ging es um Gefühle, die nicht nur Kinder kennen: Dankbarkeit und Freude, Ärger und Wut, um Situationen, die auch Erwachsene erleben: Ausgrenzung, Mobbing, Fehler machen sowie eingestehen, Freundschaften pflegen, Stress und ungeliebte Situationen aushalten.

Eltern verlieren Überblick über Medienkonsum der Kinder

Zur Seite standen von Ahn Künstlerinnen und Künstler: Andrea Ernst aus Wasserburg, Gusti Markefka aus Altmühldorf und Marcel Bader aus Passau sowie Kathi Bacher (Einband). Ernst ist auch Montessori-Pädagogin und Kunsttherapeutin, die bei ihrer Arbeit immer wieder feststellt, dass die Verhaltensauffälligkeiten zunehmen. Kinder würden zu oft vor dem Fernseher sitzen oder zu viel Zeit beim unkontrollierten Surfen im Internet verbringen. Manche Eltern hätten den Überblick über den Medienkonsum ihrer Kinder verloren. „Die Sprache leidet, das fällt mir wirklich auf“, stellt sie fest. Schneller als früher würden Mädchen und Buben dazu neigen, andere vorzuverurteilen oder auszugrenzen.

Mit Stift und Pinsel könnten viele ihre Sorgen und Gedanken am besten zum Ausdruck bringen. Deshalb sei auch in den Kinderkursen von Autorin von Ahn die Kreativität das Tor zur Auseinandersetzung mit den Gefühlen gewesen. Auf der Basis von Bildern seien danach die Texte entstanden. Da sie gedruckt präsentiert werden, hätten viele Kinder sehr sorgfältig auf ihre Formulierungen geachtet. „Die Kinder haben sich viele Gedanken um ihren Beitrag für das Buch gemacht, viele entpuppten sich als künstlerisch talentiert und ausdrucksstark. Das macht Mut“, sagt Ernst.

Arbeit wirkt nach in den Alltag

Von Ahn findet, die Arbeit im Kinderkurs und am Buch wirke nach. Auch ihre Töchter (7 und 9 Jahre alt) haben teilgenommen. „Sie machen sich mehr Gedanken über ihre kleine und die große Welt“, stellt die Mutter fest. ‚So ermutigt, würde sie gerne weiterarbeiten mit Kindern – in Kitas oder Schulen. Denn: „Der große Krieg in der Welt beginnt bei uns in der Familie, Nachbarschaft, Gemeinde.“ Wichtige Voraussetzung für Frieden ist nach ihrer Erfahrung: Zufriedenheit.

Die Erwachsenen könnten außerdem lernen von Kindern: „Die können viel besser Freude teilen“, hat von Ahn festgestellt. Die Arbeit an ihrem Werk habe ihr außerdem Mut gemacht, dass Verhaltensveränderungen möglich seien. Deshalb ist auf Seite eins von „Ein Buch über den Frieden und friedliches Miteinander“ das falsch geschriebene und durchgestrichene Wort „Krik“ bewusst stehen geblieben. „Ich weiß, es ist illusorisch. Doch mein Traum wäre, dass wir diesen Begriff irgendwann einmal gar nicht mehr kennen, weil es keinen Krieg mehr gibt.“

Infos zum Buch

Jessica von Ahn hat ihr Buch im Selbstverlag verlegt. Es ist in mehreren Buchhandlungen im Haager und Wasserburger Land zu kaufen. Die erste Auflage: 500 Stück. Preis: 18,75 Euro, ab Januar 19,90 Euro. Beim Garser Christkindlmarkt am 3. und 4. Dezember bietet die Autorin ihr Werk und Workshops mit Kindern an.

Das Cover des Bilderbuches zum Frieden.

Die Herausgabe des Buchs wurde von Sponsoren gefördert, ideell unterstützt vom landkreisweiten Netzwerk für Demokratie und Toleranz e.V., „Mühldorf ist bunt“.

Das Buch ist auch erhältlich über das Redaktionsbüro von Jessica von Ahn unter www.von-ahn.eu. Der Umschlag stammt von Kathi Bacher.

Kommentare