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Der Dorfladen lebt

Die Kramerin von Lengmoos steht auch mit 75 täglich hinter der Ladentheke

Seit 55 Jahren steht Rosmarie Zenz in ihrem Laden in Lengmoos. Ans Aufhören denkt sie nicht: Arbeit und Kunden erfreuen sie noch immer.
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Seit 55 Jahren steht Rosmarie Zenz in ihrem Laden in Lengmoos. Ans Aufhören denkt sie nicht: Arbeit und Kunden erfreuen sie noch immer.

Es gibt sie noch, die Tante-Emma-Läden. Im Garser Ortsteil Lengmoos beispielsweise. Das Geschäft hält anscheinend jung, denn Rosmarie Zenz steht auch mit 75 täglich im Laden. Darum lieben die Bürger ihren Dorfkramer.

Von Jessica von Ahn

Gars – Während die kleinen Ortschaften oft um einen Kramer im Dorf kämpfen, staatliche Zuschüsse beantragen und Einkauf wie Verkauf selbst in die Hand nehmen müssen, können sich die Lengmooser glücklich schätzen: Seit 55 Jahren betreibt Rosmarie Zenz ein Geschäft im Garser Ortsteil. Täglich steht die 75-Jährige nach wie vor an der Ladentheke.

Das Sortiment umfasst Waren für den täglichen Bedarf. Frische Brezen, Brot und andere Backwaren liefert der ortsansässige Bäcker ins Geschäft. Wurstwaren kommen von Chiemgauer Fleischwaren und lokalen Metzgern. Honig und Eier sind aus der Region.

Kinder kaufen hier Süßigkeiten vom ersten Taschengeld

Vom ersten Taschengeld kaufen sich die Kinder Süßigkeiten bei der Rosmarie, wie die Dorfbewohner die Kramerin liebevoll nennen.

Waren wie Tomatensoße, Toilettenpapier, Waschpulver, Milch und auch alternative Milchprodukte bietet Rosmarie Zenz auf rund 80 Quadratmetern feil. Frisches Obst und Gemüse sowie Käse, Butter und Joghurt sind ebenfalls immer vorhanden. Jede Woche gibt es Angebote aus der Nah-und-Gut-Werbung. Bei der Kramerin gibt es auch Geschenkkörbe, Wurst- und Käseplatten.

„Sie war nie wirklich krank“, erwähnt ihr Ehemann Barth stolz. Sei über einen halben Jahrhundert steht seine Frau also von montags bis samstags hinter dem Ladentisch, räumt Ware ein und kümmert sich um die Buchhaltung. Parallel zum Ladengeschäft gelingt es ihr, täglich das Mittagessen zuzubereiten.

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Bis Ende der 1990er konnten Kundinnen und Kunden auch sonntags Bestellungen abgeben und zwei Stunden später abholen. Während der Woche betreibt Rosmarie Zenz alleine das Geschäft, samstags unterstützen sie ihre Tochter oder die Schwiegertochter. Aufgrund des Preisdrucks sei es nicht möglich, Personal einzustellen.

Centa Schneider kennt die Kramerfamilie seit Jahrzehnten. „Ich kaufe seit Jahren beim Dorfkramer ein. Ich schätze die kurzen Anfahrtswege und kurzen Wartezeiten“, berichtet sie. Auch das Rentnerehepaar Christa und Alois Pronold zeigen sich glücklich über den Laden. „Wir sind leider nicht mehr mobil“, erzählen sie. „Wir rufen immer an und bestellen telefonisch unsere Wochenration. Unser Enkel holt dann alles ab.“ Und auch die jungen Familien im Dorf schätzen den Laden. „Wir machen es, damit im Dorf Leben ist“, sagt Barth Zenz. „Aber von der Nostalgie alleine kann keiner leben.“ Seine Frau ergänzt: „Der Kontakt und die Gespräche mit den Kunden würden mir schon fehlen.“

Auch der Ehemann führt mit 81 noch den Getränkemarkt

Als Ende der 1990er Barth Zenz die Landwirtschaft aufgegeben hat, baute das Ehepaar die Ställe um und richtete einen kleinen Getränkemarkt ein. Für kühle Getränke an einer heißen Sommerparty sorgen außerdem Kühlwagen und -schränke, die der inzwischen 81-Jährige zusammen mit Biertischgarnituren zum Veranstaltungsort bringt und von dort wieder abholt. Regelmäßig versorgt er die örtlichen Unternehmen und das Dorfhaus mit Getränken.

Tägliche Routine: eine Brotzeit für die Belegschaft

„Wir sind sehr glücklich, den Kramerladen im Ort zu haben“, berichtet Josef Zenz, Inhaber des gleichnamigen Landtechnikunternehmens. „Einer unser Mitarbeiter hat die Aufgabe, täglich die Brotzeit für unsere Belegschaft zu holen. Ohne das Geschäft wäre das nicht möglich.“

Auch Josef Pflügl, Inhaber von Pflügl Haustechnik, achtet die beiden Kramer: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen den Dorfladen sehr. Wir wünschen uns, dass uns der Laden mit Rosmarie und Barth noch lange erhalten bleibt.“ Wann das Ehepaar sein Geschäft aufgibt, wissen die beiden nicht. Ihr größter Wunsch ist, bei guter Gesundheit zu bleiben – und mehr Anerkennung für kleine Geschäfte.