Feldweg oder Gemeindestraße?

Haag - Im Gemeinderat blieb die Frage ungelöst, ob es sich bei einer Straße, die ausgebaut werden soll, um einen "Feldweg" oder eine "Gemeindeverbindungsstraße" handelt.

So wurde die Entscheidung vertagt.

Laut Tagesordnung hätte das Gremium einen Beschluss fassen sollen über die Herstellung der Straße zwischen den Ortsteilen Sinkenbach und Bichl. Bürgermeister Hermann Dumbs verwies auf die günstige Gelegenheit.

Der Ortsteil Bichl werde derzeit an das Haager Kanalnetz angeschlossen. Im Zuge dieser Maßnahme fielen die Teerungen der betroffenen Straßen an. Also könne man das Stück, das bis nach Sinkenbach führt, gleich miterneuern.

Das Straßenstück auf 350 Meter Länge und vier Meter Breite müsse wegen keiner Leitung aufgerissen werden, befinde sich im Außenbereich und verursache für die Anlieger keine Kosten. Die Herstellungssumme benannte die ausführende Firma Dimpflmeier mit 30.000 Euro. Nach Bürgermeister Dumbs handelt es sich um einen "ausgebauten Feld- und Waldweg".

Überrascht von der niedrigen Summe zeigte sich Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß (CSU). Ihn verwundere, warum dieses Stück auf 350 Meter für 30.000 Euro angeboten werde und die 190 Meter lange Straße "An der Wieskapelle" für 30.000 Euro. Ist Letztere "überdimensioniert"?

Auf die Straße von Sinkenbach nach Bichl muss nach Dumbs weder eine Straßenbeleuchtung noch eine Entwässerung. So sei auch nur eine Teerschicht nötig. Zweifel kamen im Verlaufe der Diskussion über die Frequenz des "Feldweges" auf.

"Wer fährt da überhaupt?" wollte Stefan Högenauer (CSU) wissen. Alois Eisenauer (PWG) erinnerte an die Zeit seiner Tätigkeit als Baureferent der Gemeinde und die Zustände, die nach Gewitterregen die Straße vom Hügel herab nach unten verschoben. Seitdem man sie mit einer Bitumendecke versehen habe, hätten die Gemeindearbeiter nicht mehr ausrücken müssen. Also sei die Teerung sinnvoll.

Ludwig Schletter (CSU) forderte einen "Ausbau nach dem Stand der Technik". Das schien dem Bürgermeister zuviel. Da lägen bloß "ein paar Häuser" und die Anwohner seien bislang zufrieden. Man habe für den Bauhof auch fast keinen Einsatz mehr zu erwarten.

Im Sinne der "zufriedenen Anwohner" schlug Ludwig Schletter vor, die Gemeinde könne dann ja auch ganz unbürokratisch die Straße "An der Wieskapelle" auf ihre Kosten teeren.

Dabei handelt es sich nach Angaben des Bürgermeisters jedoch um eine "ganz normale Straße", die Verbindung von Sinkenbach und Bichl gelte als Gemeindeverbindungsstraße. Auf ihr gingen nach Wegnahme der Haltestelle an der B12 die Kinder von Sinkenbach Richtung Bichl zum Bushäuschen. Dann gebe es auch Zuschüsse, folgerte Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß.

Wenn es sich um einen "nicht ausgebauten Feldweg" handelt, stellte Högenauer fest, dann müsse die Gemeinde nicht die Baulast tragen, sondern die Anlieger. Die Verwaltung solle vor weiteren Diskussionen den Status der Straße definieren, ob "Feldweg" oder "Gemeindeverbindungsstraße". Für die Gemeindeverbindungsstraße gibt es nach Eisenauer einen jährlichen Zuschuss.

Kämmerer Manfred Mörwald zitierte aus den Unterlagen: "Es handelt sich um einen ausgebauten Feld- und Waldweg." Trotzdem wurde die Entscheidung über das weitere Vorgehen zurückgestellt. Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß verwies darauf, dass geklärt werden solle, warum zwischen den Ausbaukosten der Straße in Bichl und an der Wieskapelle eine so gewaltige Differenz liege.

xy/Wasserburger Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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