Falschgeld-Truppe stolpert über Isener

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Isen/Landshut - Den "schnellen Euro" wollte eine Landshuter Bande mit gefälschten Hundertern machen. Geschnappt wurde das Trio, als es im Juni 2011 in Isen auf Einkaufstour war.

Der Kopf der Bande, der 33-jährige Litauer Andrius N., handelte sich jetzt vor dem Schöffengericht eine Freiheitsstrafe von 34 Monaten ein. Seine beiden "Läufer", die die Falsifikate unter die Leute brachten, kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Seit März 2011 waren in Landshut und in der Region vor allem in Supermärkten und Bäckereien immer wieder hervorragend gefälschte 100-Euro-Scheine aufgetaucht. In die Ermittlungen wurde das Landeskriminalamt (LKA) eingeschaltet.

Am 20. Juni 2011 graste das Trio mit Andrius N. sowie dem 33-jährigen Kasachen Petr M. und dem 41-jährigen Deutschen Matthias L. einige Supermärkte und Bäckereien in Isen ab. Bei vier Kleineinkäufen - meist nicht über zehn Euro - wurde mit gefälschten Hundertern bezahlt. Doch flog dort das Trio auf. Ein aufmerksamer Passant hatte sich bereits bei einem früheren "Einkauf", bei dem ein falscher Hunderter auftauchte, die Autonummer des (angemieteten) Fahrzeugs gemerkt und verständigte die Polizei. So konnte das Trio quasi "auf frischer Fahrt" in Isen festgenommen werden. Im Wagen wurden 73 gefälschte 100-Euro-Scheine gefunden, außerdem in einer Seitenablage noch knapp 2400 Euro echtes Geld, das aus vorangegangenen "Umtauschaktionen" stammte.

Bereits nach seiner Festnahme legte Matthias L, der kurz zuvor aus einer siebenmonatigen Haft entlassen worden war, ein umfassendes Geständnis ab. Er berichtete, dass er Andrius N. im Knast kennen gelernt habe. Der habe ihn angeworben. Zehn Euro pro Hunderter gab es als Lohn. Der "Boss" selbst habe sich nie an den Einkäufen beteiligt, sondern im Fahrzeug gewartet, um bei Bedarf eine schnelle Flucht zu ermöglichen.

Vor dem Schöffengericht beim Amtsgericht legten auch der Litauer und der Kasache Geständnisse ab, wobei sich Andrius N. über die Herkunft der falschen Hunderter ausschwieg. Die, so berichtete ein Spezialist des LKA, seien in Italien gedruckt worden und von so guter Qualität, dass eine Kassiererin - noch dazu wenn sie unter Stress stehe - keine Chance habe, die Falsifikate zu erkennen: "Lediglich der Sicherheitsfaden ist aufgedruckt und die Farben sind etwas blasser." In Italien, so der LKA-Beamte, drohe den Fälschern nur begrenztes Ungemach: "So quasi etwa 14 Tage Fernsehverbot, und wenn Druckplatten beschlagnahmt wurden, erhalten sie sie wieder zurück."

In Landshut und in der Region seien in der fraglichen Zeit, in der das Trio unterwegs war, insgesamt 157 falsche Hunderter aufgetaucht, seit der Festnahme des Trios praktisch keiner mehr.

Angesichts der Geständnisse war es zu einer "Verständigung" unter den Prozessbeteiligten gekommen, in deren Rahmen man sich über das jeweilige Strafmaß einigte. Zwei Jahre und zehn Monate verhängte das Schöffengericht für Andrius N. wegen gewerbs- und bandenmäßiger Geldfälschung. Er war erst im Dezember 2010 aus der Haft entlassen worden, nachdem er den Großteil einer vierjährigen Freiheitsstrafe wegen einer Diebstahlsserie verbüßt hatte.

Er muss jetzt damit rechnen, dass die Bewährung für die noch offene Reststrafe von 16 Monaten wiederrufen wird, so dass er insgesamt über vier Jahre zu verbüßen hat.

Mit Bewährungsstrafen von 22 beziehungsweise 21 Monaten kamen Petr M. und Matthias L. davon. Letzterer hatte zwar schon ein ansehnliches Vorstrafenregister mit insgesamt 18 Eintragungen seit 1985. Mit der Bewährungsstrafe wurde aber, wie Strafrichter Alfred Zimmerer in der Urteilsbegründung betonte, sein frühzeitiges Geständnis honoriert.

re/Wasserburger Zeitung

Rubriklistenbild: © pa

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