Mit Fachkraft gegen junge Vandalen

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"Betreten verboten" heißt es für Kläranlagengelände und Bauwagen.

Isen - Glasscherben auf Spielplätzen, Einbrüche ins Schulgebäude und eingeschlagene Fenster in der alten Kläranlage: Vandalismus gehört in Isen zum Alltag.

Die Marktgemeinde plant jetzt in Zusammenarbeit mit der Brücke Erding e.V., eine sozialpädagogische Fachkraft zu engagieren, um gegen Alkoholmissbrauch, Ruhestörung und Sachbeschädigung gezielt vorzugehen.

Wie gravierend das Problem inzwischen ist, machte Bürgermeister Siegfried Fischer in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich. Es gehe ihm nicht darum, die Jugendlichen generell an den Pranger zu stellen: "Wir sprechen hier von einer Minderheit von ungefähr 30 Jugendlichen". Deren Trinkgewohnheiten fand Fischer allerdings umso besorgniserregender. "Wir müssen uns klar darüber sein, dass es nicht mehr darum geht, Plätze für die Jugendlichen zu schaffen, wo friedliche Lagerfeuer abgehalten werden. Vielmehr geht es um massiven Alkoholkonsum und kräftige Besäufnisse."

Er sei nicht mehr bereit, den Kindern und Jugendlichen öffentliche Plätze zuzuweisen, "wenn ich weiß, da wird nur gesoffen". Denn als Bürgermeister hafte er persönlich, sollte es zu Unfällen kommen. "Seid's mir ned bös, aber ich übernehm nicht länger die Verantwortung", sagte er.

Da weder er noch der bisherige Jugendreferent Albert Zimmerer (siehe Artikel "Jugendreferent gibt Aufgabe ab") in der Lage seien, gegen den Alkoholmissbrauch vorzugehen, soll der Sozialarbeiter den Kontakt zu den Jugendlichen herstellen. Grundlage seiner Arbeit soll ein Konzept für die kommunale Jugendpflege sein, das Gemeinde und externe Fachleute gemeinsam entwickeln. Wichtig sei auch, dass "in der Kommune künftig mit einer Stimme gesprochen wird". Denn in der Vergangenheit sei es vorgekommen, "dass Albert und ich nicht immer ganz einig waren, was die Strenge anbelangt", sagte Fischer. Auch Zimmerer befürwortete, dass eine Fachkraft angestellt werden soll: "Ein Ehrenamtlicher steht da auf verlorenem Posten", sagte er, "weil er nicht so viele Stunden aufwenden kann".

Neben dem Umfeld von Schule und Jugendzentrum sowie dem Pavillon im Freizeitpark habe sich inzwischen auch die alte Kläranlage zum Brennpunkt entwickelt, führte Fischer aus. Dort hatte die Gemeinde einen Bauwagen aufgestellt, in dem sich die Jugendlichen aufhalten konnten. Die eroberten sich aber auch abgesperrte Teile des Geländes. Da sich auf dem Gelände noch Schlammrinnen und Faulturm befinden, bestehe die Gefahr, "dass Unfälle mit schwersten Verletzungen passieren", so Fischer. Deswegen sei das Betreten des Areals der ehemaligen Kläranlage, auf dem sich der Bauwagen befindet, inzwischen verboten worden.

Auf zehn Stunden ist die Wochenarbeitszeit der pädagogischen Fachkraft beschränkt, die sich künftig um die Probleme der Jugendlichen kümmern soll. "Kann das in zehn Stunden überhaupt realisiert werden?", fragte deshalb Marktgemeinderat Hannes Baumgartner (FW). Martin Eder-März von der Brücke Erding e.V., der zusammen mit Geschäftsführerin Barbara Huber den Gemeinderäten Auskünfte gab, antwortete: "Das ist auf alle Fälle viel besser, als nichts zu machen". Udo Schillinger (FW) und Georg Reiner (Mittbach-Liste) wollten wissen, ob man die Eltern eventuell an den Kosten in Höhe von rund 14000 Euro jährlich beteiligen könne. "Ist es für die Eltern wirklich so leicht, sich ihrer Aufsichtspflicht zu entziehen?", fragte Schillinger.

Vroni Zeheter (CSU) und Konrad Rappold (Neue Bürgerliste) befürworteten ausdrücklich die Einstellung einer Fachkraft. Zeheter sah darin die Möglichkeit "den Jugendlichen zu helfen, herauszufinden, wie sie sich zu verhalten haben" und wies darauf hin, dass die Sachbeschädigungen und Aufräumarbeiten Kosten verursachen würden. Rupert Fruth (Neue Bürgerliste) plädierte, da die "Gemeinde Wichtigeres zu tun" habe, für eine befristete Laufzeit des Vertrags und Andreas Kielbassa (FW) schlug einen regelmäßigen Bericht im Rat vor.

ane/Wasserburger Zeitung

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