Bewährung für drei Monate Angst und Schrecken

Mühldorf/Haag – Im vergangenen Winter hat ein 24-Jähriger eine Serie exhibitionistischer Handlungen sowie sexueller Nötigungen in Haag begangen. Jetzt wurde er verurteilt.

Für Aufsehen hatte außerdem sein spektakulärer Fluchtversuch aus dem Amtsgerichtsgebäude im Februar gesorgt.

Der Anwalt des Angeklagten räumte die Taten allesamt ein, der Angeklagte selbst äußerte sein Bedauern über das Geschehene. Für die Opfer, die im Gerichtssaal anwesend waren, wurden die schrecklichen Ereignisse des vergangenen Winters dennoch wieder lebendig - die Reaktionen der jungen Frauen bei der Urteilsverkündung waren Tränen und Schock.

Denn das, was sich der damals 23-jährige Tischler in Haag erlaubte, nannte Richter Herbert Niebler "recht massiv". Laut Staatsanwältin habe sich der Angeklagte in seinen einzelnen Taten gesteigert und dadurch "drei Monate lang zu einer "erheblichen Beeinträchtigung des Sicherheitsempfindens der Bevölkerung" beigetragen.

Hatte er anfangs junge Damen nur verfolgt und ihnen sein nacktes Glied gezeigt, begann er bald, vor seinen Opfern zu onanieren. Im Januar packte er dann eine junge Frau und bedrohte diese. Sie solle ihm Geld geben, ihr Handy, ihren Schmuck. Die Frau wehrte sich, da fasste er ihr von hinten unter die Kleidung, unter ihren BH, in ihre Hose. Zudem verlangte er, dass sie seinen Penis in die Hand nehme. Nur weil ein Passant die Szene störte, ließ der Täter von der jungen Frau ab, sie konnte fliehen. Noch schlimmer erging es dem letzten Opfer der übergriffsserie - ihr kam niemand zu Hilfe, sie musste dem Willen des jungen Mannes gehorchen. Erst danach gab er die junge Frau frei.

Zugunsten des gebürtigen Polen sprach - neben seinem Geständnis - auch, dass er bis dato nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war. Aber, so Richter Niebler: "Das ist auch keine Kunst, wenn man erst ein Jahr in Deutschland gelebt hat." Dass der junge Mann die vergangenen Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte, sollte außerdem Wirkung hinterlassen haben. Niebler: "Geh'ma mal davon aus, dass er's jetzt kapiert hat." Neben einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung muss der junge Mann noch eine Geldbuße von 2000 Euro an den Verein "Frauen helfen Frauen" überweisen.

Der spektakuläre Fluchtversuch im Februar, bei dem sich der Deutsch-Pole zwei Stunden lang eine Verfolgungsjagd mit der Polizei vom Amtsgericht bis zum Töginger Innspitz lieferte, bleibt rechtlich dagegen folgenlos. Sein Sprung in den eiskalten Inn war wohl Strafe genug.

zip/Mühldorfer Anzeiger

Lesen Sie hierzu auch die Vorgeschichte:

Sexualtäter in Haag verhaftet

Exhibitionist treibt sein Unwesen

Exhibitionist verschreckt junge Mädchen

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Haager Land

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser