Bald neue Fähre nach Au?

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Sackgasse: Hier endet noch der Weg von Mittergars zur ehemaligen Anlegestelle der alten Innfähre. Er könnte leicht wiederbelebt werden. Am anderen Ufer sieht man das Dach des Fischergütls, ehemals Heimat des Auer Fährmanns. Dort war die nördliche Einstiegstelle ins Schiff.

Gars am Inn - Jahrhundertelang gab es eine Innfähre zwischen Klosterau und Mittergars, 1981 wurde sie aus technischen Gründen eingestellt.

Zwischen Au und Mittergars bestanden schon immer intensive Beziehungen: Vor 1803 spielte dabei die Grundherrschaft des Klosters Au und dessen Seelsorge in Mittergars eine große Rolle. Später setzten die Auer dann oft per Fähre über, um am Haltepunkt Mittergars in die Eisenbahn einzusteigen. 1913 wurde die Anlage modernisiert und in eine Seilfähre umgebaut.

1929 schlug die Innwerk AG dann sogar die Errichtung einer Brücke mit 2,5 Tonnen Tragfähigkeit zwischen Au und Mittergars vor: Während des vorangegangenen strengen Winters war das Unternehmen nämlich verpflichtet gewesen, dreieinhalb Monate lang den vom zugefrorenen Fluss unterbundenen Fährverkehr durch einen 13 Kilometer langen Umweg-Fahrdienst über die seit 1847 existierende Garser Innbrücke zu ersetzen. Die vorgeschlagene Brücke wurde dann nur deshalb nicht errichtet, weil der Gemeinderat die Existenz des Fährmanns vom Fischergütl nicht gefährden wollte.

Bis zum 24.Februar 1981 konnten Pendler und Touristen an bevorzugter Stelle in Klosterau den gerade gültigen Bahnfahrplan des Haltepunktes Mittergars lesen, sich von der Familie Wierer über den Inn setzen lassen und den Zug benutzen. Dann wurde die Fähre endgültig eingestellt - weil der TÜV sie nicht mehr zugelassen hatte.

Seitdem wurde immer wieder darüber diskutiert, wie man den Fährverkehr erneut zum Leben erwecken könnte. Der Tourismus per Fahrrad blühte auf, der Inn-Radweg wurde immer beliebter. Im Bereich der Gemeinde Gars gibt es dabei allerdings ein großes Problem, weshalb die Tourenbücher hier zwei Routen vorschlagen: Wer die nördlich des Inns gelegenen berühmten Klöster Gars und Au mit ihre Barock-Kirchen sehen will, muss zwischen Gars und Aschau eine vielbefahrene Staatsstraße benützen. Die meist abseits der Durchgangsstraßen verlaufende Route führt dagegen südlich des Inns über Gars Bahnhof, Mittergars und Jettenbach. Das Problem wäre auf einen Schlag gelöst, wenn man zwischen Mittergars und Au wieder über die Innfähre eine Flussquerung anbieten könnte.

Zwei in unserer Zeitung veröffentlichte Aprilscherze verdeutlichen, wie das Thema die Bürger in der Gemeinde Gars seit Jahren beschäftigt: Unter Hinweis auf die Dorferneuerung Mittergars wurde 1997 behauptet, die Bahn, das Innwerk und die Gemeinde hätten eine "Aircraft GmbH" gegründet. Diese würde ab sofort den Verkehr über den Fluss mit Luftkissenbooten durchführen. Beim Aprilscherz 2010 sollte dann die Genossenschaft "Inntrans" gegründet werden und entweder eine Fußgängerbrücke oder eine Seilbahn errichten. So hätten unter anderem das Auer Volksfest und das Kulturzentrum Zehentstadel einen Direktanschluss an den Linienstern Mühldorf der Südostbayernbahn.

Nun könnte der Traum wahr werden: Die Verbund-Innkraftwerke GmbH haben nämlich im Zuge der Verhandlungen über die Verlängerung ihrer Ende 2013 auslaufenden Konzession aus erbbaurechtlichen Gründen eine Vereinbarung mit dem Freistaat Bayern geschlossen, in der konkrete Sachleistungen enthalten sind. Zu diesen gehören die maximal 150000 Euro, mit denen nun das Bayerische Umweltministerium eine neue Fährverbindung zwischen Au und Mittergars fördern will.

Staatsminister Dr. Marcel Huber hatte sich in den vergangenen Wochen für die Schaffung dieser "weiteren touristischen Querungs-Möglichkeit" eingesetzt und dazu Mittel aus der Vereinbarung mit der Verbund-Innkraftwerke in Aussicht gestellt. Diese Querung, so Dr.Huber, stehe auch in engem Zusammenhang mit einem geplanten neuen Inn-Radweg, der ein weiterer Beitrag für die Erschließung der beiden Landkreise Rosenheim und Mühldorf im Sinne des naturnahen Tourismus sei.

Der Garser Gemeinderat äußerte sich bereits in seiner Sitzung im Juni zum Antrag auf Konzessionsverlängerung der Verbund-Innkraftwerke GmbH positiv und wünschte sich speziell naturnahes Wirtschaften sowie die Unterstützung bei der Schaffung ufernaher Geh- und Radwege sowie eines Innübergangs. Zweiter Bürgermeister Werner Eder ist derzeit Chef im Garser Rathaus und zeigte sich auf Nachfrage davon überzeugt, dass der Gemeinderat nach der Sommerpause das Förderangebot des Umweltministeriums und die Möglichkeiten für eine neue Innfähre, mögliche Betreiber und die Finanzierung gerne und intensiv diskutieren wird: "Das ist eine erstrebenswerte Maßnahme!"

Die Verbund-Innkraftwerke halten die Fährverbindung zwischen Au und Mittergars für eine touristische Bereicherung: "Es wäre denkbar, in Abstimmung mit dem Ministerium Mittel aus der Vereinbarung zur Schaffung der notwendigen Infrastruktur für eine Fährverbindung und einen Radweg zur Verfügung zu stellen." Die Möglichkeit eines ungesicherten Personenübergangs über das Kraftwerk Gars als Alternative sei dagegen aus Haftungs- und Sicherheitsgründen nicht möglich. Notwendige Sicherungsmaßnahmen könnten nachträglich nur mit einem unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand nachgerüstet beziehungsweise technisch nicht realisiert werden und würden den sicheren Betriebsablauf insbesondere bei Hochwasser stören.

Um bei einer Verwirklichung der Pläne auch erneut an die früheren guten Möglichkeiten für eine Kombination der Innfähre und der Südostbayernbahn (SOB) in Mittergars anknüpfen zu können, müsste die SOB allerdings sicherstellen, dass nach der Beschleunigung der Strecke Mühldorf-Wasserburg künftig wieder alle Züge in Mittergars halten. Diese Vernetzung würde wohl dem Tourismus entlang des Inns zusätzlich außerordentlich gut tun.

ba/Mühldorfer Anzeiger

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