A94: Haager in Ablehnung einig

Haag - Die Haager wollen mehrheitlich die Autobahn im Isental und nicht vor der Haustür. Trotzdem schlug sich Heiner Müller-Ermann von der Aktionsgemeinschaft gegen die Isentaltrasse wacker.

Er war der "Haager Agenda" eingeladen worden. "Die Argumente der Gegner" verstehen wollte Heide Schmidt-Schuh, Vorsitzende der "Agenda". Man könne eventuell Neues erfahren und die Aussichten auf den Restverkehr für Haag ansprechen, wenn nun die Trasse Dorfen komme, die laut aktuellem Stand "relativ wahrscheinlich" geworden sei. Ein Verkehrsvermeidungskonzept hielt sie jedenfalls für dringend notwendig.

Dagegen hofft Heiner Müller-Ermann immer noch auf "politische Einsicht". Wenig Vertrauen hat er in die ausstehende Gerichtsverhandlung. Fünf weitere Landwirte wollen nämlich noch gegen den neuen Bauabschnitt klagen. Die Verhandlung sei für den Herbst anberaumt. Dann wolle die Aktionsgemeinschaft nicht mehr vor Gericht ziehen.

Zu seinem Referat kam der Referent gar nicht. Die Thematik brannte den Zuhörern, zum Großteil betroffene Anwohner und B12-Nutzer, so unter den Nägeln, dass man gleich in eine heftige Debatte einstieg, sich aber immerhin bemühte, freundlich und sachlich zu bleiben. Im Gegenteil zollten einige dem Isentaltrassengegner Anerkennung für sein konsequentes Eintreten.

Grundsätzlich unterstrich Müller-Ermann: Der Ausbau einer bestehenden Trasse, also der B12 über Haag, sei besser als eine Neuplanung wie die über das Isental. Doch die Regierung habe alle Varianten des alternativen Ausbaus abgelehnt. Hätte man ihn umgesetzt, könnte die Bevölkerung "seit vielen Jahren eine sichere Straße" nutzen.

Die Umsetzung dauert nun seiner Ansicht nach länger als zugegeben: "Dass die Autobahn bis 2018 fertig sein soll, ist illusorisch." Dagegen stünde die Wahrscheinlichkeit einer künftig spärlicher fließenden Finanzierung bei den zahlreichen Ausbauanträgen, so dass höchsten zwei Kilometer pro Jahr bezahlt würden.

Die schnelle Entlastung ist nach Müller-Ermann nur über die B12 möglich. Haag sei laut Planfeststellungsverfahren geeignet, also gäbe es keine Verzögerungen. Das glaubten die Zuhörer nicht. Das Gericht habe für die A 94 über Dorfen entschieden. Die Haager Trasse sei nach den neuesten Urteilen "kein Thema mehr", nur noch Wunschdenken der Dorfener. Auch hier würde sich der Widerstand formieren, so Matthäus Huber von Ramsau.

Dagegen verwies der Referent auf die Widerstand leistenden Gemeinden Pastetten, Buch am Buchrain, Lengdorf, Dorfen und Obertaufkirchen. Sie sollten nun wohl nach dem Schema der ehemaligen DDR mit der Autobahn "zwangsbeglückt" werden.

Schützenhilfe erhielt Müller-Ermann von Hermann Hager von den "Grünen". Die Regierung plane über die Bevölkerung hinweg. Auch die Ramsauer und Reichertsheimer würden noch staunen, wie sie bei einer Restfinanzierungsdauer von mindestens 15 Jahren unter Stau und Verkehr leiden müssen.

Laut Berechnungen der Gutachter bleibe ein erheblicher Restverkehr. Sollte gar die B15-neu gebaut werden, kürzten die Pkws des Chemiedreiecks Burghausen auf der Fahrt nach Süden alle über die alte B12 ab und rollten über Haag. Bis zu 69 Prozent Entlastung aber könnten durch die A 94 die Pendler erfahren, so Müller-Ermann.

Wiederholt nach seinen persönlichen Motiven für den Einsatz gegen die Dorfener Trasse gefragt, gab er an, er könne aus Unterlagen über 25 Jahren belegen, dass Unrecht geschehe. Dagegen wolle er sich wehren.

Die Haager aber wehrten sich dagegen, dass die A94 vor ihre Haustüre kommt: Nach Umsetzung der Autobahn, die nach Hans Ketterle auch den Dorfenern endlich gute Straßen brächte, liefe der Verkehr auf der alten B12 unproblematisch, meinten sie. Die politische Lage sei entschieden. Die Dorfener sollten endlich mit dem Quertreiben aufhören. Eine Entlastung benötige man jetzt, nicht erst in 20 Jahren. xy

Rubriklistenbild: © dpa

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