Halloween lässt grüßen

Nach Grusel-Tatort: Kann Lichtkrankheit wirklich verrückt machen?

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Lichtkranke Menschen müssen Tageslicht meiden. Nicht nur die Sonne, auch soziale Isolation ist ihr größter Feind.

Der gestrige Tatort spielte mit paranormalen Momenten - mit Grusel-Garantie! Die Täterin litt an der Lichtkrankheit und dachte, sie wäre ein Vampir. Ist das realistisch?

Wer gestern einen normalen Tatort erwartet hat, wurde überrascht: Das Bremer Ermittler-Team hatte es mit der vermeintlich übernatürlichen Täterin Nora zu tun. Die junge Frau litt seit ihrer Kindheit an der sogenannten Lichtkrankheit, kurz EPP. Ihre Mutter hatte sie immer liebevoll "mein kleiner Vampir" genannt - bis Nora irgendwann selbst daran glaubte, ein Blutsauger zu sein.

Sie drehte durch und biss in ihrem Wahn sogar zwei junge Frauen tot. Der Tatort-Ermittler kam mit einer Bisswunde am Hals davon.

Lichtkrankheit kann sogar Verbrennungen auslösen

Der Tatort beruhte nicht auf einer wahren Begebenheit, die Story war frei erfunden. Doch könnte es theoretisch auch in Wirklichkeit passieren, dass die Lichtkrankheit Patienten verrückt macht?

Um das zu beurteilen, muss man sich erstmal mit der Krankheit auseinandersetzen. EPP bedeutet Erythropoetischer Protoporphyrie und ist ein angeborener Stoffwechseldefekt. Betroffene vertragen keine Sonneneinstrahlung. Bereits wenige Minuten im Sonnenlicht können zu juckender Haut, massiven Schmerzen und sogar Verbrennungen führen. Auch künstliches Licht kann diese Beschwerden hervorrufen, berichtet das Portal Der Westen.

Ursache von EPP: Enzym wird nicht ausreichend produziert

Grund für die physischen Schmerzen ist ein Gendefekt, der dazu führt, dass das Enzym Ferrochelatase nicht in ausreichenden Mengen hergestellt wird. Dieses ist wichtig für die Produktion des roten Blutfarbstoffs Häm. Zu wenig Ferrochelatase führt dazu, dass der Körper weniger roten Blutfarbstoff herstellen kann, was sich als Eisenmangel bei einem Bluttest bemerkbar macht, so der Selbsthilfe-Verein EPP.

Das weitaus größere Problem ist, dass sich durch zu wenig Ferrochelatase die Substanz Protoporphyrin im Körper anreichert. Dessen Hauptaufgabe ist es, Licht aufzunehmen und als Energie wieder abzugeben. Bei der Lichtkrankheit wird Protoporphyrin aber "(...) zu etwas Ähnlichem wie freie Radikale und schädigt das Gewebe massiv", berichtet das Portal Selbsthilfe EPP.

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Depressionen bis Selbstmord als mögliche Folgen der Lichtkrankheit

Die Krankheit hat nicht nur Auswirkungen auf den Körper, auch die Psyche leidet. Je nach Schweregrad der Krankheit müssen Betroffene Tageslicht und sämtliche Lichtquellen meiden. Radtouren an sonnigen Tagen, Badeurlaube am Meer oder ganz alltägliche Dinge wie Einkaufen sind für Menschen mit EPP nicht machbar.

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Die Folge: Betroffene berichten von Depressionen und sogar Suizidabsichten. Weil ein normales Leben nicht möglich ist, schotten sich viele Patienten ab. Prominentestes Beispiel ist wohl Hannelore Kohl, wobei diese nicht an EPP, sondern an einer Lichtallergie litt. Sie verließ das tagsüber abgedunkelte Haus nur noch nach Sonnenuntergang. 2001 nahm sich die Frau des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl mit Tabletten das Leben.

Wahnvorstellungen, wie sie im Tatort gezeigt werden, sind wohl eher die Ausnahme, aber theoretisch möglich. Vor allem weil die lichtkranke Täterin im Tatort die Krankheit bereits als Kind bekam. Eine gefährliche Mischung aus sozialer Isolation, Persönlichkeitsstörung und Depression könnte es möglich machen, dass ein Kind die Ansichten der Eltern als einzige Bezugsperson irgendwann ernst nimmt - und so aus einem kleinen Vampir ein echter Vampir wird.

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jg

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