Auktion in Berlin

Künstler verschickt Postkarte während Ersten Weltkrieg: Heute zahlt ein Sammler dafür 781.000 Euro

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Die Postkarte mit dem Titel „Grünes und weißes Pferd“ ist „eine der schönsten Karten von Franz Marc“, sagt die Kochler Museumsleiterin Cathrin Klingsöhr-Leroy.
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Der Absender sendet darin Grüße vom Fronturlaub während des Ersten Weltkriegs. Dass seine Postkarte mal für so viel Geld den Besitzer wechselt, hätte er sich wohl nie träumen lassen.

  • Es ist unglaublich, aber wahr: Eine Postkarte von Franz Marc ist in einem Auktionshaus in Berlin für 781 000 Euro versteigert worden. 
  • So viel Geld wurde noch nie für eine Karte von Franz Marc bezahlt. 
  • Auch für ein Bild von Lovis Corinth am Walchensee gab ein Sammler sehr viel Geld aus.

Berlin/Kochel am See – Ein grünes und ein weißes Pferd, eng miteinander verschlungen und in liegender Pose: Als Franz Marc die beiden Tiere 1913 auf eine Postkarte malte und diese 1915 verschickte, hätte er wohl niemals damit gerechnet, dass diese gut 100 Jahre später eine der wertvollsten Postkarten der Welt sein würde. 

Vor wenigen Tagen wurde sie in Berlin im Auktionshaus Grisebach aus Privatbesitz versteigert – und erzielte einen Rekordpreis von 781.000 Euro, berichtet das Auktionshaus. Schon der Schätzwert lag bei 250.000 bis 350.000 Euro. Neuer Besitzer der Karte ist ein Privatsammler in Süddeutschland.

Im Franz-Marc-Museum in Kochel ist man sprachlos über diesen Preis. „Wir haben uns die Karte auch angesehen, aber schon der Schätzwert überstieg unsere Möglichkeiten bei Weitem“, sagt Museumsdirektorin Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy. Der Zuschlag für 781.000 Euro sei „extrem hoch“, sagt die Kunstexpertin. Sie geht davon aus, dass es für diese Karte mehrere Interessenten gab, die sich gegenseitig überboten. Das bestätigt das Auktionshaus, ohne weitere Details zu nennen. Zum Schluss seien es zwei Personen gewesen, die großes Interesse an der Postkarte zeigten. Mit 781.000 Euro ist es jetzt die wertvollste Karte des Kochler Künstlers. „Der Blaue Reiter wird zurzeit sehr hochpreisig gehandelt“, sagt Grisebach-Pressesprecherin Sarah Buschor.

Das schreibt Franz Marc auf der Postkarte

Die Postkarte wurde am 8. November 1915 von Franz Marc an Elisabeth Macke, die Witwe von August Macke, geschickt. Macke fiel im September 1914 als einer der ersten Künstler im Ersten Weltkrieg. Im März 1916 starb dann auch Franz Marc, ebenfalls in Frankreich. „Zwei Jahre lang hat der Künstler die Karte aufbewahrt, bevor er sie 1915 im Fronturlaub an Elisabeth Macke versendete“, heißt es im Katalog des Auktionshauses. 

Der Text auf der Postkarte ist ein freundschaftlicher Gruß an Elisabeth Macke.

Nach dem Tod von August Macke unterhielt das Ehepaar Marc, das 1914 nach Ried gezogen war,* enge Kontakte zu Elisabeth Macke. Auf der Karte tauschen sie sich vertraulich aus. „Liebe Lisbeth, nun können wir wieder mal von Ried aus einen Gruß senden“, schreibt Franz Marc zu Anfang. „Ich habe 14 Tage Urlaub. Dein liebes Rauchpaket mit Brief hab ich noch im Feld erhalten. Herzlichen Dank.“ Weiter berichtet Marc, dass er jetzt im Elsaß stationiert und Leutnant sei. Er berichtet auch über gemeinsame Freunde. Zur Karte selbst schreibt er: „Diese Karte fand ich hier in meinem Schreibtisch, sie stammt noch aus friedlichen Tagen, als wir uns solche bunten Grüße sandten, so sollst Du sie jetzt haben. Herzlich Dein Franz.“ Auch Maria Marc bestellte Grüße an die Freundin, zu lesen ist das umgekehrt am oberen Rand.

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Darum ist diese Postkarte so bedeutend

Die Karte wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals in Museen ausgestellt, zum Beispiel im Lenbachhaus in München. Klingsöhr-Leroy bewertet die beiden Pferdchen als „sehr schön und charakteristisch“ für Marcs Schaffenskraft im Jahr 1913. „Ich würde sagen, es ist eine der schönsten Postkarten von ihm.“

Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy, die Leiterin des Franz-Marc-Museums in Kochel am See

Im Katalog des Auktionshauses heißt es, 1913 sei das Jahr gewesen, in dem bei Marc alle Einflüsse zusammenkamen und die inhaltliche Aussage am stärksten war. Die Komposition füge sich in universale Themen wie die Schöpfung oder die Überwindung des Stofflichen ein, die Marc 1913 besonders beschäftigten. Im selben Jahr entstand der berühmte und bis heute verschollene „Turm der blauen Pferde“.

„Im Augenblick sind Postkarten des Expressionismus sehr beliebt“, sagt Klingsöhr-Leroy über den Auktionsmarkt. Die Gründe dafür seien vielschichtig: „Die Postkarten haben einen Bezug zur Biografie des Künstlers und sagen mehr aus als zum Beispiel ein Skizzenbuch.“ Postenkarten stünden „im Kontext des Lebens“ und seien „authentisch“: „Der Maler ist durch eine Postkarte sehr präsent.“

Bild von Lovis Corinth am Walchensee bringt 525.000 Euro ein

Bei der Auktion in Berlin wurde auch ein Bild von Lovis Corinth versteigert, nämlich das „Selbstporträt am Walchensee“ aus dem Jahr 1922 im Wert von 525.000 Euro. Es ist eines von nur vier Selbstbildnissen des Künstlers am Walchensee. 

Das „Selbstporträt am Walchensee“ aus dem Jahr 1922 von Lovis Corinth. 

Corinth lebte dort von 1919 bis zu seinem Tod 1925 auf einer Reise. Die Bilder vom See gehören zu den bedeutendsten des Künstlers, so das Auktionshaus. Im Walchenseemuseum von Friedhelm Oriwol* kann man zahlreiche originale Grafiken, Lithografien, Farblithos und Radierungen von Corinth besichtigen.

Im Walchensee-Museum von Friedhelm Oriwol (im Bild) werden unter anderem Bilder von Lovis Corinth ausgestellt.

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