Extreme Wissenslücken

Lehrer-Umfrage offenbart erschreckende Auswirkungen von Schulschließungen auf Kinder

Eine Lehrerin unterrichtet am Laptop mithilfe der Lernplattform Padlet im Distanzunterricht während ihre Tochter im Hintergrund lernt.
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Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sind die Schulen geschlossen. Alle Schüler müssen im Lockdown zu Hause lernen (Symbolbild).

Das Coronavirus und der damit verbundene Lockdown hat auch spürbare Folgen für Schüler. Lehrer bemängeln deutliche Lernrückstände.

Stuttgart - Angesichts des Coronavirus sollen in einigen Bundesländern Schulen noch bis mindestens Ende Januar geschlossen bleiben. So auch in Baden-Württemberg: Zwar hatte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann auf eine Schulöffnung ab 11. Januar beharrt*, kam damit aber nicht durch. Mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann* (Grüne) einigte sie sich die Kultusministerin schließlich darauf, auf die angedachte Lockerung zu verzichten.


Der digitale Schulstart am Montag verlief zudem holprig: Ein Moodle-Desaster trieb Eltern zur Verzweiflung*. Viele Schüler müssen sich immer noch an das Homeschooling gewöhnen. In einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts, dem sogenannten „Schulbarometer“, offenbaren sich jetzt auch noch erschreckende Ergebnisse: Laut der befragten Lehrer weisen die meisten Schüler messbare Defizite im Lernfortschritt auf. Die repräsentative Umfrage, die im Auftrag der Robert Bosch Stiftung mit Sitz in Stuttgart* durchgeführt wurde, gibt Anlass zur Sorge. Demnach bemängelt fast jeder dritte Lehrer (27 Prozent) bei mehr als der Hälfte der Schüler bereits messbare Defizite beim Lernen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lehrer sind schlecht auf Fernunterricht vorbereitet


Besonders Förderschüler leiden der Umfrage zufolge unter den Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus* und den damit verbundenen Schulschließungen. Hier bestätigt jede zweite Lehrkraft (54 Prozent) bei mehr als der Hälfte der Schülerschaft messbare Defizite. Auch bei der digitalen Ausstattung sind die Schulen in Deutschland nach Auffassung der Lehrer trotz schon lange andauernder Corona-Krise kaum vorangekommen.

61 Prozent der Lehrer gaben an, dass sie weniger gut oder sogar schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet seien. „Deutschland hängt bei der Digitalisierung der Schulen fünf bis acht Jahre zurück. Das kann man leider nicht in neun Monaten aufholen“, sagte die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die brandenburgische Schulministerin Britta Ernst (SPD), in einem Interview mit der Zeit.

Kurz vor den erneuten Schulschließungen im Dezember 2020 hat das Meinungsinstitut Forsa die repräsentative Umfrage unter 1.015 Lehrern an allgemeinbildenden Schulen durchgeführt. Der Fokus lag auf der Frage, wie gut Lehrkräfte jetzt auf den Fernunterricht vorbereitet sind, wie es mit der digitalen Ausstattung und dem digital gestützten Unterricht an der Schule aussieht und wie sie die Situation an der Schule erleben. Zusammen mit einer ersten Befragung Anfang April bietet das Deutsche Schulbarometer somit ein umfassendes Bild der Schulen in der Corona-Pandemie. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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