Rassismus-Streit bei Schalke

Schauspieler Peter Lohmeyer kündigt wegen Tönnies Schalke-Mitgliedschaft

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Peter Lohmeyer kündigt seine Mitgliedschaft bei Schalke 04.

Peter Lohmeyer verlässt Schalke, Charles M. Huber die CDU. Tönnies rassistische Aussagen schlagen weiter Wellen. 

Update, 12. August, 17.05 Uhr: Peter Lohmeyer hat seine langjährige Mitgliedschaft beim FC Schalke 04 nach eigenen Angaben gekündigt. Als Grund gab der 57-Jährige seine Enttäuschung und Empörung über die als rassistisch kritisierten Äußerungen des Aufsichtsvorsitzenden Clemens Tönnies und den anschließenden Umgang damit im Verein an. Zuerst hatte das Magazin „11 Freunde“ über den Vereinsaustritt des Schauspielers berichtet. 

„Tönnies hätte uns allen einen Gefallen damit getan, wenn er von seinem Amt zurückgetreten wäre. Drei Monate Amtsverzicht sind zu wenig“, sagte Lohmeyer am Montag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Es waren rassistische Äußerungen“, ergänzte Lohmeyer, der sich zur Zeit in Salzburg aufhält. Lohmeyer („Das Wunder von Bern“) war seit vielen Jahren Mitglied beim Revierclub Schalke 04. 

Schalke 04: „Aus dem Täter ein Opfer gemacht“

Mitglied der Schalker Fan-Initiative werde er aber auf jeden Fall bleiben und seinem blau-weißen Lieblingsclub auch als Fan treu bleiben. Auch die Reaktionen von Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider, der am Wochenende vor einer „Hetzjagd“ auf Tönnies gewarnt und sich für mehr Sachlichkeit in der Debatte ausgesprochen hatte, kann Lohmeyer nicht nachvollziehen. „Das ist absurd, weil dadurch aus dem Täter ein Opfer gemacht wird“, kritisierte Lohmeyer im „11Freunde“-Interview. 

Nach tagelangen Diskussionen und einer Anhörung im Schalker Ehrenrat hatte Tönnies eingewilligt, sein Amt für drei Monate ruhen zu lassen. Seine Aussagen als Festredner beim Tag des Handwerks in Paderborn hatte er als "töricht" bezeichnet und sich entschuldigt. 

Update, 9. August, 13:15 Uhr:

Der aus der CDU ausgetretene Charles M. Huber greift den bereits zuvor kritisierten Günter Nooke weiter an. Er wirft Nooke vor, nicht durch Kompetenz zum Thema Afrika, sondern vielmehr „in den passenden Momenten eher als AfD-Beauftragter in Erscheinung“ zu treten. Darüber hinaus zog er den Vergleich zum ehemaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. 

„Leute wie Nooke und Maaßen gehören beide zur gleichen Kategorie. Sie treten als 'Fachexperten' auf und glauben das, was sie in ihrem Job nicht leisten konnten, als Populisten wieder wettmachen zu können.“ Die CDU selbst bleibt ebenfalls nicht von seiner Kritik verschont: „Wer das Zündeln mit Vorurteilen als wertebasierte und christliche Politik bezeichnet, sollte sich überlegen, ob er dabei nicht beide Begriffe ad absurdum führt.“

Wegen rassistischen Äußerungen – Charles M. Huber verlässt CDU 

Erstmeldung vom 8. August, 10:56 Uhr: Darmstadt – Als Kommissar Henry Johnson brachte er in der Serie "Der Alte" Verbrecher zur Strecke. Zwischen 2013 und 2017 saß Charles M. Huber als Abgeordneter der CDU im Bundestag, wo er sich für Afrika einsetzte und auch Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung war.  

Aufgestellt wurde er von der Darmstädter CDU. Jetzt hat der Schauspieler mit senegalesischen Wurzeln seinen Austritt aus der Partei bekannt gegeben. Es ist eine Entscheidung aus Protest. Auch Jan Leyk hat sich nun zum Tönnies-Skandal geäußert, indem er ihn radikal auf Facebook verteidigt.

Charles M. Huber und Schalke: Rassistische Äußerungen von Clemens Tönnies 

Grund für die Entscheidung waren die rassistischen Äußerungen des Aufsichtsratschefs von Schalke 04 Clemens Tönnies und der Umgang damit seitens der Christdemokraten, wie Huber über Facebook mitgeteilt hat. 

Tönnies hatte am Tag des Handwerks die Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Diese Aussage brachte ihm heftige Kritik ein. Zuletzt ließ er sein Amt als Aufsichtsratschef von Schalke 04 für drei Monate ruhen. Später hatte er sich für diese Aussagen entschuldigt. Sie seien "falsch, unüberlegt und gedankenlos" gewesen. 

Austritt aus CDU "eine logische Konsequenz" 

Es war vor allem die Reaktion seines Parteifreundes und Afrikabeauftragten der Bundesregierung Günter Nooke, die Charles M. Huber zu seiner Entscheidung bewogen hat. Nookes Reaktion auf den Tönnies-Fall sei "demütigend" gewesen. 

Der Afrikabeauftragte sagte, über die von Tönnies angesprochenen Probleme müsse gesprochen und diese gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden. "Wir brauchen eine sachliche und möglichst ideologiefreie Debatte über das afrikanische Bevölkerungswachstum", äußerte sich Nooke gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Wortwahl von Tönnies kritisierte er und bezeichnete die Lösungsansätze als "unterkomplex". 

Huber denkt, Nooke habe die Aussagen von Tönnies relativiert und dadurch unterstützt. Afrika sei dadurch "gezielt zum Fußabstreifer der deutschen Innenpolitik" geworden. Huber sieht seinen Austritt daher als "eine logische Konsequenz". "Die CDU lässt Rassismus zu, das kann ich nicht weiter hinnehmen", sagte Huber der "Welt" über seine Motive und zeigte sich besorgt über einen zunehmenden Rassismus in Deutschland seit der Flüchtlingskrise. "In der öffentlichen Wahrnehmung ist dadurch jeder zum Flüchtling geworden - auch die, die wie ich in Deutschland geboren wurden, auch die gut Integrierten." Die Erfahrungswelt von Schwarzen werde in Deutschland komplett negiert.

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