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In der Schweiz gilt man ein Jahr als genesen

Deshalb wurde der Genesenen-Status verkürzt: Wie gut sind ehemalig Infizierte vor Omikron geschützt?

Schilder mit der Aufschrift „Stop - Kein Eingang“ und „Zutritt nur Geimpft Genesen“ stehen vor einem Restaurant in der Innenstadt.
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Schilder mit der Aufschrift „Stop - Kein Eingang“ und „Zutritt nur Geimpft Genesen“ stehen vor einem Restaurant in der Innenstadt.

Seit Samstag (15. Januar) ist in Deutschland der Genesenennachweis anstatt etwa sechs Monate nur noch rund drei Monate lang gültig. Grund sei laut RKI die neue, hochansteckende Omikron-Variante. Doch wie sinnvoll ist diese Anpassung wirklich und wie gut sind Genesene vor einer Ansteckung geschützt?

Deutschland – Die Corona-Variante Omikron breitet sich in Deutschland immer mehr aus – auch mit Folgen für Alltagsregelungen wie den Genesenenstatus. Als genesen gilt man nun nur noch drei und nicht mehr sechs Monate nach einer Infektion. Für Nachweise, die vor der neuen Regel vorlagen, gibt es keine Übergangsregelung, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums nun erklärte. Für ältere Genesenennachweise, die schon vor der jüngsten Verkürzung der Geltungsdauer vorlagen, gibt es keinen Bestandsschutz. Das hat ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums klargestellt.

Verkürzung gilt ab sofort

Die Regelung zur Verkürzung sei direkt umgesetzt worden und gelte ab sofort. Seit Samstag gilt der Genesenenstatus nur noch für eine Zeitspanne zwischen 28 und 90 Tagen nach einem positiven PCR-Test. Vorher galt er etwa doppelt so lange. Nachweise von Anfang Oktober zum Beispiel sind damit jetzt abgelaufen. Der Sprecher wies darauf hin, dass sich viele Genesene hätten impfen lassen. Außerdem könne man die Regelung „auch als Anreiz sehen, sich impfen zu lassen“. Wer genesen sei und sich impfen lasse, für den gelte dann direkt die 2G-Regel. Grundlage für den Genesenenstatus bleibt weiterhin ein positives PCR-Testergebnis, das mindestens 28 Tage zurückliegt.

Wie sinnvoll ist die Verkürzung?

Doch wie sinnvoll ist diese Anpassung aus wissenschaftlicher Sicht? Als Begründung führte das Robert Koch-Institut (RKI), welches seine überraschende Entscheidung am Samstag auf der Internetseite bekannt gab, die besorgniserregende Virusvariante Omikron an, die in Deutschland das Infektionsgeschehen dominiert. Wissenschaftliche Studien würden darauf hindeuten, „dass Ungeimpfte nach einer durchgemachten Infektion einen im Vergleich zur Deltavariante herabgesetzten und zeitlich noch stärker begrenzten Schutz vor einer erneuten Infektion mit der Omikron-Variante haben“. Wegen Omikron bestehe ein sehr viel größeres Risiko, erneut zu erkranken oder Überträger zu sein.

Das RKI verweist darauf, dass die Stiko bereits seit dem 21. Dezember 2021 nach drei Monaten eine Auffrischungsimpfung für Ungeimpfte empfiehlt, die zuvor infiziert waren. Dadurch soll auf die sich rasant ausbreitende Omikron-Variante reagiert werden, um einen ausreichenden Schutz in der Bevölkerung aufzubauen, heißt es. Demnach seien Genesene weiterhin vor einem schweren Verlauf geschützt.

Prof. Förster: In jedem Fall sinnvoll

Aus immunologischer Sicht sei der Schritt, die Dauer des Genesenennachweises zu verkürzen, in jedem Fall sinnvoll, meint Prof. Reinhold Förster. „Denn man kann nicht davon ausgehen, dass Menschen, die sich mit Delta infiziert haben, lange vor einer erneuten Infektion mit Omikron geschützt sind“, sagte der Leiter des Instituts für Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). In einer eigenen durchgeführten Untersuchung hatte Förster mehr als 100 Serumproben überprüft: In „keiner einzigen“ Probe habe er neutralisierende Antikörper gegen diese Virusvariante nachweisen können.

Nach einer Corona-Infektion bildet der Körper Antikörper. Doch wie bei der Impfung verschlechtert sich nach einer gewissen Zeit der Schutz vor einer Infektion und einem schweren Verlauf. Die Dauer des Schutzes hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. So nimmt mit steigendem Alter die Immunantwort ab, und Personen, die einen schweren Verlauf hinter sich hatten, bilden meist mehr Antikörper als Personen mit mildem Verlauf, wie busineeinsider.de berichtet.

Sind Genesene vor schweren Verläufen geschützt?

Dabei geht es bei diesem Thema nicht nur um die Ansteckung selbst, sondern vor allem auch um die Frage, ob Genesene vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sind. „Das ist momentan eine große Unbekannte“, sagte Förster. „Wir wissen es einfach noch nicht, es ist aber wahrscheinlich.“ Dem widerspricht jedoch eine Studie aus Großbritannien. Eine vorangegangene Infektion senke das Risiko eines Krankenhausaufenthalts um etwa 50 Prozent, heißt es in der Untersuchung, die auf der Internetseite der Universität veröffentlicht wurde.

Im Herbst des vergangenen Jahres hatte die Gesellschaft für Virologie auf Berufung einer Untersuchung aus Israel noch eine Stellungsnahme zum Thema „Genesenen-Status“ abgegeben. Damals hieß es: „Die nachgewiesene Dauer des Schutzes nach durchgemachter Sars-CoV-2-Infektion beträgt mindestens ein Jahr.“ Aus immunologischer Sicht sei sogar von einer deutlich längeren Schutzdauer auszugehen. Das sei aber noch nicht durch Studien belegt, weil es Sars-CoV-2 noch nicht lange genug gebe. Führende Experten kritisierten bereits damals die Aussagen der GfV. Sebastian Ulbert, Abteilungsleiter Impfstoffe und Infektionsmodelle am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig, meinte zum Beispiel: „Diese Sechs-Monats-Regel entbehrt mittlerweile einer wissenschaftlichen Grundlage.“ Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), stimmte seinem Kollegen zu und ergänzte: „Die sechs Monate waren eine Schätzung, heute könnte man den Zeitraum ausdehnen.“

In der Schweiz gilt man ein Jahr als genesen

Mittlerweile hat auch der GfV seine damaligen Einschätzungen widerrufen. In einer weiteren Stellungnahme vom 3. Dezember heißt es mit Berücksichtigung zweier Untersuchungen aus den USA: „Auf Grund dieser widersprüchlichen Datenlage kann gegenwärtig nicht sicher von einem ein Jahr anhaltenden Schutz Genesener ausgegangen werden.“ Unbestritten sei aber, dass die Covid-19 Impfung nach durchgemachter SARS-CoV-2 Infektion zu einem starken Anstieg der antiviralen Immunantwort führe. „Angesichts der Dynamik des Erkenntnisgewinns zur Dauerhaftigkeit der Immunantwort gegen SARS-CoV-2 bei vollständig Geimpften und Genesenen und der möglichen Problematik mit der Omikronvariante gehen wir davon auch, dass auch zukünftig weitere Aktualisierungen zum Thema Impfung notwendig werden.“

In anderen EU-Ländern wird der Genesenenstatus übrigens weiterhin anders geregelt. So gelten infizierte Personen in Österreich weiter sechs Monate als genesen. In Frankreich und Italien ebenso. In der Schweiz gilt eine Person sogar für 365 Tage ab dem positiven Testresultat als genesen. Dort denkt man aber auch über eine Verkürzung nach.

Probleme bei Umsetzung

Die Gesundheitsminister der Länder hatten das Bundesministerium nach der Entscheidung gebeten, Übergangsregelungen für Betroffene zu erarbeiten. Diese seien besonders für gebuchte Reisen und für den Zugang zu Veranstaltungen notwendig, hatte es nach einer Länderkonferenz am Montag geheißen.

Zur aktuellen Omikron-Lage im Land sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Dass die Zahlen so hoch steigen würden, war klar.“ Er nannte sie dennoch besorgniserregend. Die Frage sei, wie sich die Welle weiterentwickele und wie sich das auswirke auf die Krankenhauseinweisungen und die Belegung der Intensivmedizin. Daten aus den USA, wo die Zahlen in der Intensivmedizin stiegen, ließen mittelfristig „erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem“ vermuten.

mz

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