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Holetschek: „Die neuen Fälle zeigen, dass wir wachsam bleiben müssen“

Zwei weitere Affenpocken-Fälle in Bayern bestätigt 

Affenpocken
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Eine elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen (r).

In Bayern sind ein zweiter und ein dritter Fall von Affenpocken bestätigt worden. Das teilte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Dienstag mit.

Update, 18.44 Uhr - Zwei weitere Affenpocken-Fälle in Bayern bestätigt 

Die Pressmeldung im Wortlaut:

Beide Patienten waren kürzlich unabhängig voneinander von einer Auslandsreise nach Bayern zurückgekehrt. Einer davon befindet sich isoliert in der München Klinik Schwabing. Das Gesundheitsreferat München hat bereits Ermittlungen zu Kontaktpersonen eingeleitet. Der andere Fall wurde aus dem Landkreis Ansbach gemeldet und befindet sich dort in Isolation. Auch hier wurden die Kontaktpersonen durch das zuständige Gesundheitsamt bereits ermittelt.

Holetschek betonte: „Die neuen Fälle zeigen, dass wir wachsam bleiben müssen. Das bayerische Gesundheitsministerium steht in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden. Bereits am vergangenen Freitag haben wir alle Gesundheitsämter in Bayern informiert und Handlungsanweisungen zum Umgang mit Verdachtsfällen gegeben.“ Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Bayern wird vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit als gering erachtet.

Bei allen drei Patienten zeigen sich die typischen Hautveränderungen, ein schwerer Krankheitsverlauf ist bislang bei keinem der Fälle gemeldet. Verbindungen untereinander sind derzeit nicht berichtet.

Bislang handelt es sich in Bayern und auch bundesweit um Einzelfälle. Wer ungewöhnliche Hautveränderung bemerkt, die einer Pockenerkrankung ähneln, sollte seine Kontakte reduzieren und sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Bestand ein enger Kontakt zu einer Person, die möglicherweise an einer Affenpocken-Infektion erkrankt ist, sollte Kontakt mit dem örtlich zuständigen Gesundheitsamt aufgenommen werden, welches das Ansteckungsrisiko analysiert und das weitere Vorgehen festlegt.

Pressemeldung LGL Bayern

Pressekonferenz im Live-Stream

Update, 13.23 Uhr - 40.000 Impfdosen bestellt

Deutschland bestellte Lauterbach zufolge „bis zu 40.000 Dosen“ eines Impfstoffs, der in den USA gegen Affenpocken zugelassen sei und auch in Deutschland wirken würde. Der Impfstoff könne einen Ausbruch bei Ansteckung verhindern oder verzögern, sagte Lauterbach. Es sei aber noch nicht klar, ob der Impfstoff eingesetzt werden müsse, etwa bei Kindern.

Lauterbach betonte zugleich, dass die Entwicklung sehr ernst zu nehmen sei. Es sei noch nicht bekannt, warum Ausbrüche international diesmal anders verliefen als in der Vergangenheit. Möglich sei, dass der Erreger oder die Anfälligkeit von Menschen sich verändert habe. Wenn Ausbrüche früh eingedämmt würden, könne man erreichen, dass sich der Erreger nicht bei Menschen einniste.

Update, 13.15 Uhr - Lauterbach: „Werden nicht zulassen, dass da etwas verschleppt wird“

„In den frühen Phasen einer Epidemie muss hart und früh reagiert werden“, so Gesundheitsminister Karl Lauterbach bei der Pressekonferenz am Dienstag. Dazu soll es mögliche Ringimpfungen „rund um die Kontakte der Infizierten“ geben. „Wir haben 40.000 Dosen bestellt, der Impfstoff ist in den USA bereits zugelassen.“ Ob der Impfstoff so eingesetzt werden müsse und bei Kindern auch könne, sei noch nicht klar.

„Ich bin im täglichen Austausch mit dem RKI und der europäischen Behörde“, sagt Lauterbach. „Ich glaube, dass wir sehr gute Chancen haben, den Erreger zu stoppen. Wir werden nicht zulassen, dass da etwas verschleppt wird.“ Auch wenn die weltweit erfassten Infektionen derzeit in erster Linie Männer betreffen, die Sex mit anderen Männern hatten: Eine Übertragung ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. Die Weitergabe über die Luft spielt - anders als etwa bei Corona - hingegen kaum eine Rolle.

Update, 13.02 Uhr - Lauterbach: Mindestens 21 Tage Isolation bei Affenpocken

Zum Eindämmen der ersten Fälle von Affenpocken in Deutschland soll für Infizierte generell eine angeordnete Isolation von mindestens 21 Tagen empfohlen werden. Das sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Dienstag am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen. Auch für Kontaktpersonen von Infizierten gelte die „dringende Empfehlung“, sich für 21 Tage in Quarantäne zu begeben.

Vorbericht: Empfehlung zu Quarantäne und Isolation

Nach dem Auftreten erster Fälle von Affenpocken in Deutschland werden nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet. Für Deutschland würden aktuell Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erarbeitet, sagte der Minister am Montag am Rande der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Er gehe davon aus, dass sie bereits an diesem Dienstag vorgelegt werden könnten. Zudem werde über Impfempfehlungen für besonders gefährdete Personen nachgedacht. Er habe schon Kontakt mit einem Hersteller aufgenommen, der Impfstoffe spezifisch für Affenpocken herstellt, so Lauterbach.

Am Dienstagmittag (12.15 Uhr) wollen Lauterbach, RKI-Präsident Lothar Wieler und der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, bei einer Pressekonferenz am Rande des 126. Deutschen Ärztetages in Bremen über den Affenpocken-Ausbruch informieren. Unterdessen meldeten mit Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg zwei weitere Bundesländer Nachweise der Infektion. Zuvor waren bereits Fälle in Berlin und Bayern bekannt. Proben zahlreicher weiterer Menschen werden analysiert, zudem suchen Behörden nach Kontaktpersonen nachweislich Infizierter.

„Auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen rechnen“

„Aufgrund der vielfältigen Kontakte der derzeit Infizierten ist in Europa und auch in Deutschland mit weiteren Erkrankungen zu rechnen“, heißt es in einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums für den Gesundheitsausschuss des Bundestages. Weltweit sind inzwischen weit über 100 Fälle nachgewiesen, wegen der langen Inkubationszeit von bis zu drei Wochen gehen Experten von einer Vielzahl weiterer Meldungen in nächster Zeit aus. Offen sei noch, ob sich das seit mehr als 40 Jahren bekannte Virus womöglich verändert habe, sagten Fachleute der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag in Genf.

Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA setzte am Montag als empfohlene Quarantänezeit für enge Kontaktpersonen von Infizierten drei Wochen fest. Belgische Behörden ordnen eine 21-tägige Isolation für Infizierte an, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag bestätigte. Für Kontaktpersonen gilt dies dort nicht, ihnen wird nur zu besonderer Vorsicht geraten.

Weltärztepräsident für Imfpangebot

Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, ist wegen der höheren Risiken für Ungeimpfte für ein Impfangebot. „Es wäre deswegen sinnvoll, allen Jüngeren, die nicht mehr unter die Pockenimpflicht gefallen sind, jetzt ein Impfangebot zu machen“, sagte er der Funke Mediengruppe. „Wir sollten dabei in erster Linie an die aktuell besonders gefährdeten Gruppen denken – also in der Regel jüngere Männer mit vielen wechselnden Sexualkontakten.“

„Aktuell scheinen die Risikoexpositionen vorwiegend sexuelle Kontakte unter Männern zu sein“, hieß es auch vom BMG. „Expositionsorte der in Deutschland bislang bekanntgewordenen Fälle waren Party-Veranstaltungen, unter anderem auf Gran Canaria (Spanien) und in Berlin, bei denen es zu sexuellen Handlungen kam.“

In erster Linie Männer betroffen

Auch wenn die weltweit erfassten Infektionen derzeit in erster Linie Männer betreffen, die Sex mit anderen Männern hatten: Eine Übertragung ist generell bei engem Kontakt und über kontaminierte Materialien möglich. Die Weitergabe über die Luft spielt - anders als etwa bei Corona - hingegen kaum eine Rolle.

Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall in Großbritannien nachgewiesen worden - Experten zufolge kursierte der Erreger da aber wohl bereits in vielen Ländern. Das Virus verursacht nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Folgen einer überstandenen Infektion können Narbenbildung und selten auch Erblindung sein.

Quarantäne „richtig und wichtig“

Quarantäne finde er „in dieser Phase richtig und wichtig“, schrieb der Charité-Infektiologe Leif Sander bei Twitter. Es handle sich um einen sehr dynamischen globalen Ausbruch und über sein Ausmaß und die Infektionskette sei momentan noch zu wenig bekannt. Alle engen Kontaktpersonen von Infizierten sollten isoliert werden, um weitere Übertragungen bestmöglich zu verhindern.

Extrem wichtig ist der Virologin Isabella Eckerle von der Universität Genf zufolge die Isolierung Betroffener in Kliniken. Das reduziere die Ausbringung des stabilen Virus in die Umwelt, erklärte sie bei Twitter: „Man muss vermeiden, dass sich bei uns Tierreservoire ausbilden (Ratten im Abwasser/häusliche Abfälle, Haustiere, Nutztiere)„. Affenpocken könnten verschiedene Spezies infizieren. Die Etablierung dauerhafter Tierreservoire außerhalb Afrikas wäre ein großes Problem - sowohl bei Wild- als auch bei Nutztieren, warnte sie.

Sollten sich die Affenpocken von Menschen auf Tiere übertragen und in einer Tierpopulation ausbreiten, könnte die Krankheit in Europa endemisch werden, warnte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Montag in Stockholm. Es gelte, Infektionen von Haus- und Wildtieren zu verhindern.

mh/dpa