Konflikt weiter ungelöst

"Zwölf Stämme": Zwei Mädchen bleiben verschwunden

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Die umstrittene Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" war Thema im Landtag. In Klosterzimmern gab es in den letzten Jahren immer wieder Polizeieinsätze.

München - Vor eineinhalb Jahren griffen die Behörden radikal gegen die fundamentalistische Glaubensgemeinschaft „Zwöf Stämme“ durch: Vierzig Kinder wurden ihren Eltern weggenommen. Der Konflikt ist ungelöst.

Ein knappes Jahr nach ihrer Flucht bleiben zwei Mädchen der christlichen Sekte „Zwölf Stämme“ spurlos verschwunden. Das Landratsamt Donau-Ries führt derzeit wegen eines Bußgeldverfahrens eine „Anhörung“ der Eltern durch, berichtet das Kultusministerium dem Landtag. „Die zwei verschwundenen Mädchen sind weiter unbekannten Aufenthalts“, heißt es in dem Bericht, der am Donnerstag im Landtag diskutiert wurde.

Mädchen flohen aus dem Heim

Die Mädchen waren geflohen, weil das Jugendamt sie in Heimen untergebracht hatte. Im September 2013 hatten die Behörden insgesamt 40 Kinder und Jugendliche ihren Eltern weggenommen. Grund war der Verdacht, dass die Kinder immer wieder mit Ruten geschlagen wurden. Folge war eine Serie von Strafverfahren und sonstigen Prozessen, die immer noch nicht abgeschlossen ist.

Ermittlungen laufen noch

Drei Mitglieder der „Zwölf Stämme“ sind mittlerweile wegen der Misshandlungsvorwürfe zu Bewährungsstrafen verurteilt, die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig, wie aus dem Bericht hervorgeht. Gegen sieben weitere Väter und Mütter gibt es Strafbefehle, doch muss auf Anweisung des Gerichts nachermittelt werden. In drei weiteren Fällen sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Ein weiterer Streitpunkt zwischen „Zwölf Stämmen“ und Behörden ist die Schulpflicht. Viele Mitglieder weigerten sich, ihre Kinder in eine staatliche Schule zu geben. Inzwischen haben die Behörden die „Schulpflichterfüllung“ durchgesetzt, wie der Ministerialbeamte Bernhard Butz berichtete. „Uns sind überhaupt keine Probleme bekannt.“

Die „Zwölf Stämme“ ihrerseits beschuldigen die deutschen Behörden, Nazi-Methoden anzuwenden. Die Eltern argumentieren, dass die Kinder durch die Zwangseinweisung in Heime und Pflegefamilien traumatisiert seien, nicht durch die Erziehungsmethoden. Doch haben sie im Landtag keine Fürsprecher. Fünf Kinder sollen mit ihren Eltern mittlerweile in Österreich leben. Die SPD forderte die Staatsregierung auf, im Rahmen des rechtlich Zulässigen die österreichischen Behörden über den Konflikt mit den „Zwölf Stämmen“ zu informieren. „Auch die Österreicher müssen da vielleicht nicht bei null anfangen“, sagte die SPD-Abgeordnete Kathi Petersen.

Während des Berichts waren mehrere Mitglieder der „Zwölf Stämme“ anwesend, die die Sitzung auf Video aufnehmen wollten. Das verbot ihnen der Ausschussvorsitzende Gerhard Waschler (CSU), weil sie nicht die vorgeschriebene Genehmigung eingeholt hatten.

Mitglieder dürfen kein Privateigentum haben

Die „Zwölf Stämme“ wurden Anfang der siebziger Jahre von dem Pastor Gene Spriggs in den USA gegründet. Das Alltagsleben ist ähnlich streng wie in einem Kloster geregelt, so dürfen die Mitglieder kein Privateigentum besitzen. Die Gemeindeältesten haben nach Angaben von Aussteigern absolute Befehlsgewalt inne.

dpa

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