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Plagiatsvorwürfe: Steckt ein anders Motiv dahinter?

Zorn über Umgang mit Martin Huber: Doktorvater verteidigt CSU-General mit deutlichen Worten

Söder stellt neuen CSU-Generalsekretär vor
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Ungeahnte Bekanntheit hat die Doktorarbeit von Martin Huber erlangt.

Ein Plagiatsforscher hat problematische Aussagen in der Doktorarbeit des CSU-Generalsekretärs Martin Huber gefunden. Der Doktorvater Hubers, der Historiker Alois Schmid, verteidigt indes seinen ehemaligen Doktoranden.

München – „15 Jahre lang hat kein Mensch Kritik geübt, und jetzt das.“ In der Stimme Alois Schmids (76) schwingt Zorn mit – Zorn über den Umgang mit seinem ehemaligen Doktoranden, den neuen CSU-Generalsekretär Martin Huber (44). Dieser hat 2007 bei Schmid promoviert. Sein Thema: „Der Einfluss der CSU auf die Westpolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1954–1969 im Hinblick auf die Beziehungen zu Frankreich und den USA“.

Für eine Doktorarbeit ist die Studie Hubers mit nicht einmal 200 Seiten Textanteil eher schmal. Jetzt hat die Arbeit ungeahnte Bekanntheit erlangt: Der Luxemburger Publizist und Plagiateforscher Jochen Zenthöfer entdeckte schon auf den ersten 26 Seiten 25 verdächtige Stellen – Huber soll mangelhaft oder gar nicht zitiert haben.

Schmid hält die Kritik für „parteipolitisch motiviert“. Methodisch habe Huber sauber gearbeitet, „das Ganze ist gut belegt“. Das Fazit von Schmid: „Ich sehe überhaupt keinen Anlass, von meinem damaligen Urteil abzuweichen.“ An den Vorwürfen sei nichts dran.

Doktorvater: Martin Huber beweist „distanziert-wissenschaftlichen“ Zugriff

Schmid ist selber kein Spezialist für die Parteiengeschichte. Er hat über den Bayernherzog Arnulf (907–937) promoviert, über den im 18. Jahrhundert lebenden Kurfürst Max III. Joseph habilitiert. Bis zur seiner Emeritierung 2010 war er zwölf Jahre lang Professor für bayerische Geschichte und vergleichende Landesgeschichte in München. Dutzende Doktoranden hat Schmid in dieser Zeit betreut – darunter auch den neuen CSU-Generalsekretär: Martin Huber war während seiner Promotionszeit schon hauptamtlicher Mitarbeiter in der CSU-Landesleitung. „Klar, er war natürlich ein Exot“, sagt Schmid. Er sieht darin aber kein Problem: „Entscheidend ist doch die Fragestellung“, und da habe Huber „einen distanziert-wissenschaftlichen Zugriff“ bewiesen. 

Mittelprächtige Note für Huber

Hubers Note war „cum laude“, das entspricht ungefähr einem Dreier. Das ist eine mittelprächtige Note – ernst genommen werden in der Wissenschaften nur Dissertationen, die „Magna“ oder gar „Summa cum laude“ bewertet sind. Ein wissenschaftliches Glanzlicht habe Huber also kaum gesetzt, heißt es. Auch sei sie in der Wisenschaft praktisch gar nicht wahrgenommen worden. Rezensionen über wissenschaftliche Gesichtspunkte fehlen ganz. Von einer „quellengesättigten und sprachlich überzeugenden Schrift“ sprach indes das Online-Journal „Portal für Politikwissenschaft“ in einer Kurzwürdigung sechs Jahre nach Erscheinen.

Der Historiker Thomas Schlemmer vom Münchner Institut für Zeitgeschichte hat selbst über die Anfänge der CSU 1945 bis 1955 promoviert und ist ausgewiesener CSU-Experte. Die Arbeit Hubers habe er nicht gelesen, sagt er unserer Zeitung. Über die Westpolitik der CSU sei schon in den 1970erund 1980er-Jahren Wesentliches publiziert worden. Er wolle sich aber über den Wert der Dissertation kein Urteil anmaßen. Grundsätzlich sei es „nicht ganz unüblich“, dass Parteimitglieder über die Geschichte ihrer eigenen Partei promovierten – ob das immer so geschickt sei, sei eine andere Frage. Schlemmer nennt ein weit zurückliegendes Beispiel: So promovierte der ehemalige unterfränkische Parteigeschäftsführer Walter Berberich 1965 – und damit gewissermaßen als Zeitzeuge – über die CSU-Gründungsphase.

Universität soll Arbeit prüfen

Huber hat jetzt die Ludwig-Maximilians-Universität München gebeten, die Arbeit zu prüfen. Nach der seit 2007 geltenden Promotionsordnung ist eine nachträgliche Aberkennung des Doktortitels nur fünf Jahre nach Erteilen des Bescheids möglich. Dennoch werde die Uni dem Täuschungsvorwurf nun nachgehen, sagt Sprecherin Claudia Russo. Ein Ruhenlassen des Titels sei nicht vorgesehen. Promotionsforscher Zenthöfer kündigte gegenüber unserer Zeitung an, der LMU Ende Mai eine Komplett-Untersuchung zu Hubers Dissertation zu übergeben.

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